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Bad Düben Nordsachsens Fischadler bekommen Personalausweis
Region Bad Düben Nordsachsens Fischadler bekommen Personalausweis
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10:11 28.06.2016
Peter Reuße beringt fünf Wochen alte Fischadler. Das Nest ist auf einem 110-kv-Mst zwischen Pressel und Weidenhain. Quelle: Foto: Kathrin Kabelitz
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Bad Düben

An der Umspannstation an der Görschlitzer Straße in Bad Düben ist nur kurzer Zwischenstopp. Gerade kommen Peter Preuße, Artspezialist des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie im Landesdirektionsbezirk Dresden und ehrenamtlicher Naturschützer, sowie die beiden Hochspannungs-Monteure David Peters und Ronny Brosch aus dem Bereich Hohenprießnitz. Drei junge Fischadler hat Reuße beringt. In einer Tüte hat er Plastemüll gesammelt, den die Alttiere zum Nestbau verwendet haben. „Das kann gefährlich werden, wenn sie sich in den Fäden verfitzen.“

Nestbau auf der Traverse

Kurze Zeit später breitet Reuße seine Utensilien auf einer Decke unterhalb eines auf einem Feld zwischen Bad Düben und Torgau stehenden Mastes aus. Ronny Brosch sichert derweil seinen Kollegen ab, der die Stufen des Gerüstes der 110-KV-Freileitung empor steigt. Eine grüne Fahne zeigt an, dass der Strom auf dieser Seite abgestellt ist. „Das ist in der Schaltstelle in Taucha geschehen“, sagt Heiko Orgass vom Projektmanagement Hochspannung der Netzregion Westsachsen bei Mitnetz Strom, dem enviaM-Netzbetreiber, der sich für den Artenschutz einsetzt.

Das Fischadler-Paar hat diesmal auf der Traverse sein Nest gebaut. „Das ist hier erstmalig“, so Orgass. Abgesprochen ist mit den Experten bereits, dass die Mitnetz-Monteure im Herbst auf dem Mittelkopf Nisthilfen anbringen, um den Vögeln im nächsten Jahr den Nestbau zu erleichtern.

Fischadler werden beringt

Peter Reuße hat derweil alles bereitgelegt. Einen mit Zeichen versehenen Aluminiumring, den sogenannten Vogelwartering, und den schwarzen Kennring, auf dem weiß vier Ziffern und Buchstaben aufgebracht sind. BF 32 zum Beispiel. Ein Personalausweis für Fischadler. Die Daten werden an die Vogelwarte übermittelt. Per Spektiv können Reuße und seine Leute ihre Schützlinge wiedererkennen und den weiteren Lebensweg verfolgen. „Wir können ja nur schützen, was wir kennen.“ Schützen vor allem deshalb, weil die Fischadler lange Zeit als Brutvögel nicht da waren, weil sie immer wieder gestört worden. Trotz ihrer Nester an exponierter Stelle. Wenn man das Nest-Geschehen aus sicherer Entfernung aus dem Auto beobachtet, sei das kein Problem. Schwieriger werde es, wenn man sich dem Mast nähere. „Dann steigt der Altvogel auf, ruft und schimpft“, so Reuße.

Jungvögel kommen in den Rucksack

David Peters hat die drei Jungen in 22 Meter Höhe vorsichtig aus dem Nest genommen und in je einen Rucksack gesteckt. Per Seil lässt er sie nach unten. Die Alttiere beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Ab und an, so weiß der Experte, starten sie auch mal einen Scheinangriff. In der Regel aber halten sie respektvoll Abstand. Die drei jungen Tiere verhalten sich ganz ruhig, liegen ganz flach auf der Decke. Fliegen können sie noch nicht. „Sie stellen sich wie tot“, sagt Reuße. Er vermisst Schnabel und Flügel, wiegt die Tiere. Anhand der Daten kann er ermitteln, ob es Männchen oder Weibchen sind. „Letztere sind stärker und größer.“ Um die 1,5 Kilo wiegen die drei, der Jüngste ist diesmal der Schwerste. Rund fünf Wochen alt, so schätzt er anhand des Federkleides, sind die zwei Männchen und das Weibchen. Alle sind in einem guten Zustand.

Viele Fischadler im Osten Deutschlands

In Deutschland sind die meisten Fischadler in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und in Sachsen zu Hause. Zwischen Mitte März und Anfang Oktober sind sie da, überwinterten bisher meist in Westafrika. „Das hat sich geändert. Wir stecken voll im Klimawandel, haben festgestellt, dass die Tiere neuerdings ihre Winterquartiere in den Mittelmeerraum verlagert haben, beispielsweise nach Sardinien oder Spanien. Das bekommen wir oft auch von Urlaubern mitgeteilt, die uns Fotos schicken“, so der Naturschützer. Das Beringungsprogramm läuft deutschlandweit. In Nordsachsen hat sich die Population in den letzten Jahren gut entwickelt, rund zehn Brutpaare gibt es derzeit zwischen Bad Düben, Torgau und Oschatz. Zwischen drei und vier Junge haben sie meist.

Von Kathrin Kabelitz

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