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Öko-Beirat Bad: Neue Gesetzeslage zu Erneuerbaren Energien erfordert Umdenken in Kommunen

Öko-Beirat Bad: Neue Gesetzeslage zu Erneuerbaren Energien erfordert Umdenken in Kommunen

Für Neubauten und Sanierung von Wohnbauten hat die im April erlassene Energiesparverordnung 2014 neue Maßstäbe hinsichtlich Wärmedämmung und Technik gesetzt.

Bad Düben. Der Öko-Beirat der Stadt Düben sieht sich in der Pflicht, die Details bekanntzumachen und umzusetzen. Denn, so Günter Dietzsch vom Öko-Rat, diese sei eine sinnvolle Möglichkeit, erneuerbare Energien einzusetzen. Für das seit 1. August geltende Erneuerbare-Energien-Gesetz gelte letzteres eher nicht: "Offiziell heißt es, dass damit die Energiewende unterstützt werde. Aber es sind eine Reihe von Festlegungen, die die Energiewende verzögern", sieht Dietzsch dass EEG-Gesetz kritisch.

So wurde die Einspeisevergütung recht drastisch heruntergesetzt, für Anlagen ab 10 Kilowatt/peak, mit denen Energie für den Eigenbedarf erzeugt werden kann, wird eine EEG-Umlage erhoben. Dies sei unverständlich und würde Initiativen erneuerbarer Energien stark einschränken.

Dennoch, beide Regelungen haben Gesetzeskraft und erfordern ein Umdenken in der kommunalen Energiepolitik, auch in Bad Düben. Forderungen und Bekenntnisse gäbe es einige, konkrete Projekte fehlten indes. Für den Öko-Beirat ist das Objekt Obermühle ein solches. Fünf Varianten für den Einbau einer Heizung lagen bisher vor, die für den Beirat logischste war bisher nicht dabei. "Das Gebäude hat keinen Gasanschluss. Pelletheizung, Gasbrennwerttherme und Flüssiggas wären möglich, aber kostenintensiv."

Aber: Die Obermühle hat ein Potenzial an Wasserenergie, wurde in früheren Jahren mit Wasserkraft betrieben. In Düben gäbe es Beispiele dafür, dass dies funktionieren kann: so die Stadtmühle, die über zwei Turbinen verfügt, die das Objekt mit Strom versorgen. "Die Energie könnte für die Erzeugung von Strom genutzt werden aber auch zum Heizen", so Dietzsch.

In ihrer Sitzung am Mittwoch haben die Mitglieder der Stadtverwaltung zwei Alternativvorschläge unterbreitet, mit der Bitte, diese technisch prüfen zu lassen. "Zum einen wäre das die Nutzung der Wasserkraft, zum anderen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Elektromotor. Bei beiden würden die Investitions- und Betriebskosten unter denen der bisherigen fünf Varianten liegen. Sie wären also ökonomisch und ökologisch sinnvoller."

Er sehe das Ganze immer auch in enger Verbindung mit der Werbung für den Tourismus, sagt Günter Dietzsch. Erst jüngst sei ein Baedeker-Reiseführer erschienen "Erneuerbare Energien erleben". In diesem sind bundesweit Projekte beschrieben, wie erneuerbare Energien genutzt werden, und das mit dem Fokus auf die Werbung für den Tourismus einer Stadt. Bad Düben ist nicht mit verzeichnet."Aber ohne zu wissen, wann die nächste Auflage erscheint, sage ich, Bad Düben gehört da rein."

Dietzsch denkt dabei an Modellprojekte wie das Naturparkhaus mit einer Heizungsanlage, die oberflächennahe Erdwärme nutzt, über zehn Erdsonden, ohne Einsatz von Frostschutzmittel - eine absolute Neuheit. "Wir haben im Klärwerk eine Wärmepumpenanlage, die die Restenergie des gereinigten Abwassers, bevor es in die Mulde abläuft, sinnvoll für die Beheizung des Objektes nutzt. Wir haben ein Bürgersolarkraftwerk. Wir haben eine Menge Objekte wie das Heide Spa, die Bergschiff- oder die Obermühle, die touristisch zu vermarkten wären. Und wenn dann zum Beispiel an der Obermühle eine Tankstelle für Elektrofahrzeuge entstehen würde, wenn es einen Ringverkehr für Patienten gäbe, die im Heide Spa-Hotel wohnen und dann mit E-Bikes oder E-Mobilen in die Stadt fahren könnten und zwischendurch auch Auflademöglichkeiten finden ..." Günter Dietzsch ist sich klar, das all das noch Visionen sind. Aber Visionen, die der Tourismuswerbung einen Schub versetzen und zudem erneuerbare Energien im größeren Umfang einsetzen könnten.

Auch dies müsste konkret mit Maßnahmen belegt werden, die terminlich fixiert sind und kontrolliert werden. "Unser Anliegen ist es, Infos dazu mehr in die Öffentlichkeit zu tragen, damit die Dübener wissen, dass es diese Möglichkeiten gibt und dass sie auch die Chance haben, sich selbst einzubringen." Es dürfe nicht sein, dass sich dieses Engagement auf wenige beschränke. Das Bestreben, Bad Düben zu einer ökologischen Kurstadt zu gestalten, sollte, so Dietzsch, viel mehr in die Basis der politischen Arbeit eingehen. Der Stadtrat müsste aktiv einbezogen werden.

Dies gelte für weitere Schwerpunkte, an denen der Öko-Beirat dranbleibt. Stichwort Energiegenossenschaft: Der Kontakt zum Genossenschafts-Verband stehe. Bestrebungen, eine Gründung solcher Genossenschaften in Düben zu forcieren, seien in den vergangenen Monaten aufgrund der unklaren Gesetzeslage stagniert und würden sich jetzt nach neuem EEG-Gesetz schwieriger gestalten. "Dennoch stellen wir das Thema wieder auf die Tagesordnung, weil der Anteil der EEG-Umlage, die wir zahlen müssten, noch immer eine gute Rendite gewährleistet. Viel wichtiger wäre aber, wenn große Partner wie Wohnungsbaugesellschaft oder -genossenschaft oder andere größere Eigentümer von Mietwohnungen mit ins Boot kämen. Dachflächen gibt es ausreichend."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.08.2014

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