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Öko-Experte: Heide-Gaststätten haben Trend zur Bio-Kost verschlafen

Öko-Experte: Heide-Gaststätten haben Trend zur Bio-Kost verschlafen

Nordsachsen sei gar nicht so schlecht aufgestellt, was Betriebe angeht, die anstatt konventionell zu wirtschaften ökologischen Landbau betreiben. Zu diesem Fazit kommt der Vorsitzende der Sächsischen Interessengemeinschaft Ökologischer Landbau (Sigöl) Roland Einsiedel.

Bad Düben. Der Kossaer veranstaltet am 4. März zum nunmehr 41. Mal seinen Fortbildungskurs ökologischer Landbau im Hotel Schützenhaus in Bad Düben. Einen Tag lang wird es mit hochkarätigen Referenten um die Kuh und den Klimawandel gehen, um die Risiken der Agro-Gentechnik, um Naturschutz und regionale Netzwerke aus Erzeugern und Vermarktern. Und insbesondere letzterer Punkt ist jener, bei dem er Kritik los werden muss. „Wir sprechen immer vom Naturpark Dübener Heide, Natur und Gesundheit, aber guckt man mal in die Gaststätten, kann ich mich nur wundern. Hier gibt es weit und breit keine einzige, die Bio-Kost im Angebot hat“, stellte er fest. In Lutherstadt Wittenberg würde man eine finden. In Leipzig und Dresden mehrere. Aber hier?

Dabei könnten laut des Öko-Experten Netzwerke aus Produzenten und Abnehmern entstehen. Allein in Nordsachsen gebe es derzeit etwa 60 Betriebe, die Öko-Landbau betreiben. Und Einsiedel weiß, dass Touristen aus Ballungszentren wie Berlin geradezu auf die Bio-Kost fliegen. „Mein Traum ist eine Gastronomie mit vielfältigen Bio-Angeboten hier im Naturpark Dübener Heide“, sagte er. Seit vielen Jahren predige er dieses Thema. Doch es tue sich nichts. Warum? Das kann auch Einsiedel nicht erklären. „Der Trend ist scheinbar noch nicht angekommen“, mutmaßte er, obschon die Grundlagen da seien, wofür auch dieser Tage von Sachsens Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU) verkündete Zahlen sprechen.

Die Anzahl und die Anbaufläche der ökologisch produzierenden landwirtschaftlichen Betriebe haben sich seinen Angaben zufolge in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Derzeit bewirtschaften 406 Landwirte nach ökologischen Richtlinien. „Damit kann Sachsen bei der Entwicklung des Ökolandbaus eine durchaus positive Bilanz ziehen“, sagte Kupfer. Die Anbaufläche beträgt etwas über drei Prozent. Auch die Bio-Ernährungswirtschaft habe sich im Freistaat positiv entwickelt. So stieg die Zahl der Öko-Verarbeitungs- und Vermarktungsunternehmen von 127 im Jahr 2000 auf derzeit 305, davon 50 landwirtschaftliche Betriebe mit einer eignen Hofverarbeitung.  „Es ist wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette in der Region zu halten. Deshalb werden wir die Unternehmen auch bei der Vermarktung weiterhin tatkräftig unterstützen“, betonte Kupfer.

Sachsen hatte im vergangenen Jahr die Prämiensätze für die zweijährige Umstellungsphase von konventioneller Landwirtschaft auf Ökolandbau und die ersten drei Jahre danach um 25 bis 100 Prozent angehoben. Seit 2000 hat der Freistaat den ökologischen Landbau im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen mit insgesamt rund 39 Millionen Euro gefördert, teilte Kupfers Ministerium mit. Trotzdem sind andere Bundesländer weiter. Zu nennen sind Brandenburg (über zehn Prozent der Flächen werden ökologisch bewirtschaftet, 704 Betriebe gibt es) und Mecklenburg-Vorpommern (über acht Prozent Öko-Flächen-Anteil, 739 Betriebe). Für Einsiedel besteht „eindeutig Nachholebedarf“, was Gesamtsachsen angeht, insbesondere im Bereich Wertschöpfung, wozu auch die Vermarktung ökologisch hergestellter Produkte gehört. Und da wäre er wieder bei den Gaststätten. Die könnten beispielsweise direkt vom Biobauern um die Ecke Fleisch und Gemüse beziehen.

 

 

Das Tagungsprogramm des Kurses ökologischer Landbau am 4. März im Hotel Schützenhaus in Bad Düben im Überblick:

 

Beginn: 9 Uhr – Ende: gegen 17 Uhr

 

• Die Kuh, das Klima und die Vorurteile der Wissenschaftler

• Die Einsatz von Mykorrhiza im Öko-Landbau und in der Rekultivierung als Beitrag zum Klimaschutz

• Die Risiken der Agro-Gentechnik im Öko-Landbau und in der Lebensmittelerzeugung

• Naturschutz im ökologischen Landbau

• Blattanalysen – Hilfsmittel im Öko-Landbau

• Fair und regional am Beispiel Märkisch Landbrot in Berlin-Neukölln

 

Eine Anmeldung, auch für Nicht-Öko-Landwirte, ist bei der Sigöl unter der Rufnummer 034243/21491 möglich.

Nico Fliegner

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