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Öko für den Osten - Sigöl wird 20 Jahre alt

Öko für den Osten - Sigöl wird 20 Jahre alt


Kossa. Kinder, wie die Zeit vergeht. Diese Worte kommen Roland Einsiedel derzeit öfter über die Lippen.

. Denn seit nunmehr 20 Jahren gibt es die Sächsische Interessengemeinschaft Ökologischer Landbau (Sigöl), deren Vorsitzender Einsiedel ist und die vom kleinen Heidedorf Kossa aus für den umweltbewussten Landbau im Osten Deutschlands wirbt und ihn fördert.

Was Neumodisches war der ökologische Landbau, also jene Herstellung von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die auf der Grundlage möglichst naturschonender Produktionsmethoden und des Umweltschutzes geschehen soll, für Einsiedel noch nie. „In der damaligen DDR wusste man allerdings nicht, was ökologischer Landbau bedeutet", sagt er. Und so begann die Geschichte der Sigöl auch erst mit der Wendezeit – genauer gesagt am 1. Dezember 1990, als in der Agraringenieurschule Dahlen-Döbeln die Sigöl vom heutigen Ehrenvorsitzenden Professor Schilling und Einsiedel aus der Taufe gehoben wurde. „Unser Ziel war und ist die Förderung des ökologischen Landbaus im Osten Deutschlands, insbesondere im Freistaat Sachsen. Und die Aus- und Fortbildung in diesem Bereich", konstatiert der Experte.

Was die Förderung angeht, sieht Einsiedel Nachholebedarf. Der Öko-Landbau in Sachsen käme zwar voran, aber in Brandenburg beispielsweise ist der Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe viel höher als hier. Sachsen rangiere immer noch weit hinten – trotz verbesserter Förderungen seitens Politik. „Wir haben hier viele kleinere Betriebe, die 100 bis 150 Hektar Fläche bewirtschaften. Ich bin aber der Auffassung, dass auch größere Betriebe eine Chance hätten."

Doch Öko-Landbau könne und sollte nicht jeder Dahergelaufene betreiben. „Wer das macht, muss das ABC der Landwirtschaft beherrschen. Sonst funktioniert das nicht", sagt er. Einsiedel weiß, wovon er spricht. Jahrelang im Landwirtschaftsamt Mockrehna und als Kontrolleur und Berater tätig, hat er gut und weniger gut wirtschaftende Betriebe kennengelernt – auch in anderen Bundesländern. Wissen über die Zunft sei die eine Sache, Durchhaltevermögen die andere. Dabei hat der Öko-Landbau für Einsiedel längst keine Nischenfunktion mehr. „Selbst in Supermärkten gibt es Öko-Produkte. Das nimmt immer mehr zu, weil eine Nachfrage da ist", beobachtet der Vorsitzende der Sigöl seit Jahren.

Seit Jahren bildet die Vereinigung auch aus und qualifiziert. Die Zahlen sprechen für sich: Seit März 1990 hat Einsiedel 41 Fortbildungskurse mit über 4500 Teilnehmern und hochkarätigen Referenten aus der Branche gemeistert. Auf über 500 Festen war die Sigöl mit einem Öko-Verkaufs- und Präsentationsstand vertreten und warb für den naturbewussten Landbau und dessen Produkte. Außerdem war die Vereinigung drei Jahre lang als Kontrollstelle in Sachsen aktiv. „Leider konnten wir nicht mehr alle ehrenamtlichen Tätigkeiten mit der gleichen Qualität decken und mussten deshalb auf diese Aufgabe zugunsten anderer Kontrollstellen verzichten", beklagt Einsiedel die Situation. Außerdem kämpfte der Verein gegen den Genmais-Anbau in Nordsachsen.

Seit nunmehr fünf Jahren betreibt die Sigöl, der etwa 60 Mitglieder größtenteils aus Nordsachsen angehören, eine Öko-Bibliothek in Kossa sowie einen Öko-Lehrgarten. Der Experte besucht zudem Schulen und führt Kinder an die Natur heran. „Mit Stolz kann man auf das 20-jährige Bestehen zurückblicken", sagt er. Die Sigöl habe „in Sachsen bezüglich der Einführung und Stabilisierung des Öko-Landbaus Tatsachen geschaffen". Begangen wird das Jubiläum am 4. November beim nächsten Fortbildungskurs in Bad Düben.

Das Themenspektrum ist breit, wenn am 4. November der 42. Fortbildungskurs Ökologischer Landbau in Bad Düben stattfindet. Dabei wird es um die den naturbewussten Landbau als Motor einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung gehen, um dessen Rolle in der Welternährung, um den Klimaschutz und Biolandbau sowie die Mutterkuhhaltung. Außerdem steht die Bodenfruchtbarkeit als Zukunftsaufgabe im Mittelpunkt. „Wir erwarten wieder kompetente Referenten aus Wissenschaft und Praxis aus dem deutschsprachigen Raum", so Roland Einsiedel. Während der Tagung werden zudem Öko-Produkte vorgestellt und angeboten. Die Tagung beginnt um 9 Uhr und endet gegen 17.30 Uhr. Interessierte können sich gegen eine Kursgebühr in Höhe von 10 Euro anmelden. Telefon: 034243/21491.

Nico Fliegner

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