Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Orthopädie-Technik Neubert in Bad Düben ärgert sich über zu viel Bürokratie
Region Bad Düben Orthopädie-Technik Neubert in Bad Düben ärgert sich über zu viel Bürokratie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:36 18.10.2017
Orthopädie-Technik Meister Enrico Kühnicke erklärt Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, wie er einen Unterschenkel scannt. Babett Müller und Ulf Kortmann (v.l.) schauen zu. Quelle: Ilka Fischer
Anzeige
Bad Düben

Mehr Unterstützung in der Ausbildung und weniger Bürokratie – das sind zwei Dinge, die bei Babett Müller, Geschäftsführerin bei Neubert-Orthopädie-Technik Bad Düben, ganz oben auf der Wunschliste stehen. Beides war daher auch Thema beim Arbeitsbesuch einer Delegation der Handwerkskammer zu Leipzig. „Dass sich die Handwerkskammer gerade auch für uns im ländlichen Raum interessiert, freut mich“, so die Geschäftsführerin des Unternehmens. Dieses zählt inzwischen 60 Mitarbeiter, wovon in etwa die Hälfte am Stammsitz in Bad Düben Prothesen und Co. herstellt. Die andere Hälfte ist in sieben Sanitätshäusern in Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie im Außendienst tätig.

Zu viele unterschiedliche Verträge

Claus Gröhn formulierte als Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig das Ziel, dass die Bürokratie nicht mehr als fünf Prozent der Arbeitszeit und -leistung ausmachen soll. Davon ist man bei Neuberts meilenweit entfernt. So habe das Unternehmen derzeit fast 200 unterschiedliche Verträge mit Krankenkassen und Berufsgenossenschaften. Babett Müller: „Wir leben da in einer absoluten Kleinstaaterei.“ 40 Prozent der Arbeitsleistung, so schätzt sie ein, würden derzeit für Bürokratie draufgehen.

Bei Orthopädie-Technikermeister Ulf Kortmann, der seit 1982 zunächst im Waldkrankenhaus tätig war und 1992 schon zu dem 14-köpfigen Team des Senior-Chefs Neubert gehörte, frisst die Bürokratie in seiner Funktion als Fachbereichsleiter sogar vier von fünf Arbeitsstunden. „Ich würde natürlich viel lieber mehr praktisch tätig sein.“ Helfen würde ein einheitlicher Rahmentarifvertrag mit den Krankenkassen. „Doch heute ist es so“, berichtet Ulf Kortmann, „dass ich selbst mit der AOK Sachsen und der AOK Sachsen-Anhalt jeweils völlig andere Verträge, Nummern und Texte habe.“ Hinzu komme, so Babett Müller, dass das Medizinproduktegesetz das Gesetz sei, das nach der Steuer am zweithäufigsten geändert werde.

Problem, Lehrlinge zu finden

Das zweite große Thema betrifft die Ausbildung. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir mal keinen Lehrling hatten“, so Ulf Kortmann. Derzeit würden zwei Frauen im Unternehmen lernen. Doch während man früher die Qual der Wahl hatte, werde es heute immer schwieriger, Leute für den Beruf zu begeistern. Eine gute Sache sei da, ergänzt Babett Müller, dass die Oberschule der Kurstadt mit etlichen Bad Dübener Firmen die praktische Arbeit wieder eingeführt hat. „Jeden Donnerstag ist ein Schüler bei uns vor Ort“, so die Geschäftsführerin. Daran wolle das Unternehmen auch weiterhin festhalten, denn der meiste Nachwuchs könne so gewonnen werden. Claus Gröhn fand dafür lobende Worte. Er sprach sich zudem gegen den derzeitigen „Akademisierungswahn“ aus und verwies darauf, dass Meisterausbildung und Bachelorabschluss gleichwertig sind.

Von Ilka Fischer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kurz vor dem scharfen Start der Sicherungs-Arbeiten am Bad Dübener Burgberg erschüttert eine neue Hiobsbotschaft das Projekt. Grund sind erhebliche Mehrkosten. Bürgermeisterin Astrid Münster spricht von einem „Schock“.

18.10.2017

In Laußig stehen derzeit 75 Wohnungen leer. Auch der Schuldenberg, der bei der Sanierung Anfang der 1990er-Jahre entstand, ist bis heute nicht abgetragen. Das ist eine große Belastung für das kommunale Unternehmen Laußiger Wohnstätten GmbH, zumal es in den bestand dringend investieren muss.

17.10.2017

Ein Gedenkstein erinnert auf dem Kossaer Friedhof an 58 Menschen, die 1945 beim Todesmarsch ums Leben kamen. Das Problem aber ist, der Stein verfällt immer mehr, muss saniert werden.

17.10.2017
Anzeige