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Ortsumgehung Wellaune - Tempo 30 und Blitzer als Zwischenlösung?

Ortsumgehung Wellaune - Tempo 30 und Blitzer als Zwischenlösung?

Die Bürgerinitiative in Wellaune, die seit über zehn Jahren für eine Ortsumgehung kämpft, will den Druck auf Politik und Behörden erhöhen. Auf einem Treffen am Montagnachmittag, an dem der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) teilnahm, haben Vertreter das weitere Vorgehen besprochen.

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Vertreter der Bürgerinitiative in Wellaune sprechen mit dem Bundestagsabgeordneten der Bündnisgrünen Stephan Kühn über die Aussichten für eine schnelle Realisierung der Ortsumgehung.

Quelle: Nico Fliegner

Wellaune. Dabei sind auch Zweifel laut geworden, ob es jemals mit der dringend benötigten Umfahrung klappt. Denn der Bund leidet offenbar chronisch über klamme Kassen im Bereich Straßenbau.

Stephan Kühn ist kein Unbekannter in Nordsachsen. Zwar ist die Heimat des 33-Jährigen Dresden, doch schon vor Jahren beteiligte er sich in Bad Düben an Debatten zur B6neu und zuletzt zum geplanten Ausbau der B87neu zwischen Torgau und Leipzig. Dass es mit der Ortsumgehung Wellaune als vergleichsweise "kleines Straßenverkehrsprojekt" nicht vorangeht trotz etlicher Versprechen von Kommunalpolitikern und Bundestagsabgeordneten, ist für ihn schleierhaft. "Da hat keiner elf Jahre lang geplant. Sie sind über Jahre hingehalten worden", so der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion und Mitglied im Ausschuss für Verkehr-, Bau- und Stadtentwicklung, der sogar von einer "verschleppten Planung" spricht. Denn Wellaune hätte vor wenigen Jahren "echte Chancen" auf Realisierung der Umgehung gehabt, als der Bund die Mittel aus dem Konjunkturpaket ausreichte. Nunmehr seien die Gelder knapp, der Freistaat selbst sehe Straßen wie die A72 oder B178 bei Zittau als wichtiger an. Allein die kosteteten mehr Geld, als zurzeit im Haushalt drin sei.

Schleppende Planung, kein Geld - diesen Eindruck haben mittlerweile auch die Wellauner, durch deren Ort drei B-Straßen führen und die immer mehr Lkw-Verkehr - sogenannte Autobahn-Mautpreller - und damit verbunden eine enorme Lärmbelästigung ertragen müssen. Mehr als 12000 Fahrzeuge passieren täglich das 300 Einwohner zählende Dorf - Tendenz steigend, so die Wahrnehmung vor Ort. Regelmäßig hatte die BI in den vergangenen Jahren Behördenvertreter wie den heutigen Präsidenten des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Rainer Förster, sowie Politiker wie den Abgeordneten Manfred Kolbe (CDU) an ihrem Tisch im Bürgerhaus sitzen, zuletzt auch Landrat Michael Czupalla (CDU), doch wirklich voran geht es offenbar nicht. Dabei hieß es erst, dass 2013 Baustart sein könnte, dann wurde 2014 und 2015 daraus, zuletzt wagte niemand mehr eine Prognose. "Wenn die Herren Czupalla und Förster in Wellaune wohnen würden, hätten wir schon unsere Umgehung", sagte Einwohner Wolfgang Küster. Er wie viele andere Wellauner auch fühlen sich immer mehr im Stich gelassen. "Mein Eindruck ist, dass andere Regionen in Sachsen einen ganz anderen Stand in Dresden haben als der Landkreis Nordsachsen", so Kühn. Er wolle keine Versprechen machen, "die ich sowieso nicht halten kann", ermunterte aber die Wellauner in ihrem Kampf für mehr Lebensqualität. Einerseits sollte der politische Druck aufrecht erhalten bleiben, so der Verkehrsexperte, andererseits sollte sich die BI für Alternativen als Übergangslösung stark machen, zum Beispiel ein Tempolimit von 30 km/h im Dorf fordern; das würde schon den Lärm um drei Dezibel senken. Ebenso sei ein fester Blitzer möglich. Über das Landratsamt und die übergeordnete Behörde müsse dies deutlich kommuniziert werden. Zudem will Kühn jetzt im Bundestag eine sogenannte "Kleine Anfrage" zur Ortsumgehung stellen, um auch dort das Thema an geeigneter Stelle zu positionieren und Licht ins Dunkel zu bringen. Letztlich gebe es auch die Möglichkeit einer Klage. Bei Dresden gebe es einen ähnlichen Fall, berichtete er. Dort hätten sich Bürger mittlerweile rechtlichen Beistand geholt.

Kühn zeigte sich jedenfalls skeptisch ob der schnellen Realisierung der Trasse, wie sie die Wellauner einfordern. Zuletzt, so informierte BI-Sprecherin Gisela Jäschke, ist den Bürgern gesagt worden, dass die Planung für die 5,4 Millionen Euro teure Umgehung, die im Osten an Wellaune vorbeiführen soll, Mitte 2013 dem sächsischen Wirtschaftsministerium vorliegen soll.

Die Hoffnung haben die Wellauner jedenfalls noch nicht verloren. Doch sie schwindet jeden Tag ein Stück mehr, weil es zurzeit gar keine Informationen gibt - weder von den Politikern, auf die die BI als Partner setzte, noch von den zuständigen Behörden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2013

Nico Fliegner

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