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Ortsumgehung Wellaune: "Wir wollen kein Risiko eingehen"

Ortsumgehung Wellaune: "Wir wollen kein Risiko eingehen"

Fast 13 Jahre sind ins Land gegangen, seit Wellaune um die Ortsumfahrung kämpft. Wie viele noch vergehen, kann niemand sagen. Deshalb hat die Stadt Bad Düben 2013 ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären sollte, welche Lösungen möglich sind, die das Leben für die Bewohner des Dübener Ortsteils bis zum erlösenden Tag X erträglicher machen.

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Tobias Schönefeld stellt in Wellaune Maßnahmen vor, die bis zur Realisierung der Ortsumgehung für Entlastung sorgen könnten.

Quelle: Kathrin Kabelitz

Wellaune. Doch kaum waren diese bei einem Treffen von Verkehrsexperten, Bundestags- und Landtagsabgeordneten von CDU, Grüne und Die Linke, Vertretern von Landkreis und Stadt sowie der Bürgerinitiative am Dienstag vorgetragen, waren sie weitgehend vom Tisch. Die Angst geht um, dass die nächsten Schritte jene sein könnten, die das Projekt ernsthaft gefährden. Und diese Warnung sprach Landrat Michael Czupalla (CDU) denn auch deutlich aus.

Tobias Schönefeld vom Planungsbüro Dr. Hunger Dresden hatte zunächst die Situation für den Ort analysiert. Der Verkehr von drei Bundesstraßen trifft in Wellaune zusammen. Der Fakt wird verschärft, weil es keine Ortseingangs-Gestaltung wie etwa Tempo mindernde Mittelinseln gibt, der Verkehr rolle ungehindert in den Ort hinein. Dazu kommt der Lärm. Rund 10 300 Fahrzeuge durchfahren pro Tag den Ort, laut Lärmkartierung des Landes werden Werte erreicht, "die deutlich über 60 Dezibel liegen". Damit liege man, so Schönfeld, in Bereichen, die potenziell gesundheitsgefährdend für die Anwohner seien. Hinzu komme, dass Kommunikation unter den Anwohnern ausbleibe, die Grundstücke an Wert verlieren. In der kompletten Länge der Ortslage gibt es keine Querungshilfe für Fußgänger, die Gehwegbereiche seien teilweise eng, gesonderte Bereiche für Radfahrer - Fehlanzeige. Schönfelds Fazit: Auch für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV ist die Situation unbefriedigend, lediglich für den Pkw-Verkehr gebe es komfortable Rahmen-Bedingungen: "Ursache ist der ortsfremde Durchgangsverkehr."

Bauliche Anlagen wie Verkehrsinseln, Schaffung von Schutzstreifen für Radfahrer oder das Anpflanzen von Grünanlagen könnten dafür sorgen, dass Autofahrer automatisch vom Gas gehen, weil die Straße optisch eingeengt wird. Flüster-Asphalt wäre denkbar. Blitzer und Geschwindigkeitstafeln würden ebenso positiv hinsichtlich einer niedrigeren Durchfahrtsgeschwindigkeit wirken, so Schönefeld. Oder: Tempo 50 auf 30 reduzieren. Das hieße: weniger Lärm. "Drei Dezibel weniger entspricht demselben Effekt, als wenn die Verkehrsmenge halbiert würde." Für Autofahrer würde es die Passierdauer um eine halbe Minute verlängern.

So weit die theoretischen Ausführungen, vor deren Umsetzung Czupalla aber eindringlich warnte: "Alles, was wir jetzt machen, entschärft die Situation und gefährdet das Projekt." Es gehe dabei nicht um eine politische, sondern kommunal-fachliche Entscheidung. Die Planungen beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr laufen: Das Vorhaben Ortsumgehung ist vom Freistaat für den neuen Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet. "Die Vorplanungen sind abgeschlossen, ein Ingenieurbüro erstellt Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren", ergänzte Dezernent Ulrich Fiedler. Auch Planungen zum Hochwasserschutz seien zu beachten: "Es gibt keinen Hochwasserschutz ohne Ortsumgehung."

Für Thomas Kind (MdL, Die Linke) wäre es ein Pyrrhussieg, wenn Einzelmaßnahmen umgesetzt würden: "Aus der Region sollten jetzt keine falschen Signale kommen." Dennoch solle beispielsweise eine Tempo-30-Regelung möglich sein. Ähnlich sah es Stephan Kühn (MdB, Bündnis90/Grüne): "Was kein Geld kostet, sollte gemacht werden, um die Anwohner zu entlasten." Marian Wendt (MdB, CDU) betonte zudem, dass es wichtig sei, "weiter Druck zu machen." Für Gisela Jäschke, die mit der BI kämpft, ist klar: "Wir wollen kein Risiko, wir brauchen die Ortsumgehung." Tempo 30 und ein Blitzer sind jetzt für Wellaune im Gespräch. Czupalla will die Stadt im Bemühen darum unterstützen. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.08.2014

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