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Bad Düben Polizei ermittelt nach Angriff auf Pakistaner in Bad Düben
Region Bad Düben Polizei ermittelt nach Angriff auf Pakistaner in Bad Düben
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12:01 19.07.2018
Nach einem Angriff auf einen 31 Jahre alten Mann aus Pakistan in Bad Düben ermittelt jetzt die Polizei wegen Körperverletzung. (Symbolbild). Quelle: dpa
Bad Düben

Nach einem Angriff auf einen 31 Jahre alten Mann aus Pakistan in Bad Düben prüft die Polizei noch immer, ob der Straftat ein politisches Motiv zugrunde liegt. Der Pakistaner hatte gemeinsam mit zwei Freunden die MDR Sputnik Heimattour in Bad Düben besucht. Als sie die Veranstaltung verließen, bemerkten sie in der Neuhofstraße, dass ihnen eine Gruppe von etwa 15 Personen folgte. Drei, vier Personen aus der Gruppe hätten den 31-Jährigen körperlich angegriffen und beide Hände gebrochen.

Jawad Muhammad wurde am Wochenende in Bad Düben angegriffen. Quelle: Steffen Brost

Am vergangenen Mittwoch musste er operiert werden. „Dieser Angriff auf mich ist kein Einzelfall. So wie mein Wohnhaus bereits mehrfach von Vorfällen betroffen war, sehen sich auch meine Kinder in der Schule einer ständigen rassistischen Diskriminierung ausgesetzt. Viele Freunde und Bekannte, vor allem aus Nordsachsen, trauen sich mittlerweile nicht mehr, abends ihre Wohnungen zu verlassen und öffentliche Veranstaltungen zu besuchen. Nicht ohne Grund, wie dieser Übergriff zeigt“, so Muhammad.

Laufende Ermittlungen

Das Opfer habe erst am Sonntagnachmittag die Polizei informierte, die dann umgehend die Ermittlungen aufnahm. Zum Stand der Ermittlungen gibt es aktuell keine neuen Erkenntnisse. „Es ist passiert, was genau, das wird momentan ermittelt. Zu laufenden Ermittlungsverfahren können und dürfen wir keine Auskünfte geben“, sagte Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig auf Anfrage. Die Ermittlungen werden in alle Richtungen und in enger Abstimmung zwischen dem Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes Sachsen und der Staatsanwaltschaft Leipzig geführt. Der Angriff hat sich bereits in der Nacht zum 8. Juli gegen 3.30 Uhr ereignet.

Jawad Muhammad aus Laußig sieht sich als Opfer eines gewaltsamen rassistischen Übergriffs in Bad Düben und wendet sich an die Öffentlichkeit. Er sei politischer Aktivist aus Belutschistan in Pakistan, floh vor Verfolgung und Unterdrückung und kam 2014 nach Nordsachsen. „Rassistische Gewalt muss endlich konsequent bekämpft werden“, fordert der 31-Jährige.

Vorfall auf Facebook diskutiert

Im sozialen Netzwerk Facebook wird derweil munter über die Umstände des Vorfalls spekuliert.„Der kommt zur Burg und macht Stress mit mehreren. Er war sehr auf Streit aus. Also weiß ich nun nicht, wie er der liebste Mensch auf Erden sein kann ...“, schreibt Ulrike Schröder. „Die jungen Herren (Anm.d.Red.: Muhammad und seine beiden Begleiter) haben Streit gesucht“, behauptet Anita Jendricke. Muhammad selbst weist die Vorwürfe in einem Interview zurück: „Ich habe nichts getan“.

.Muhammad musste seine Heimat Belutschistan aus politischen Gründen verlassen: In der pakistanischen Provinz, die nach mehr Autonomie und Gerechtigkeit strebt, machte er als politischer Aktivist auf die ständige Unterdrückung und willkürliche Festnahmen durch das pakistanische Militär aufmerksam und geriet so ebenfalls ins Visier seiner Verfolger. In Deutschland wurde er als politischer Flüchtling anerkannt und lebt mit seiner Frau und Kindern in Laußig. Auch in Deutschland setzt er seine Arbeit fort: Er ist Präsident der deutschen Sektion der „Baloch Republican Party“ und vertritt die Partei bei den Vereinten Nationen in Genf. Gemeinsam mit Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International führte er bereits mehrere Veranstaltungen durch, um auf die Menschenrechtssituation in Pakistan und das rigide Vorgehen der pakistanischen Regierung aufmerksam zu machen.

Von Frank Pfütze

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