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Prügelei vor Bad Dübener Jugendhaus landet vorm Amtgericht

Prozess Prügelei vor Bad Dübener Jugendhaus landet vorm Amtgericht

Ein 21-Jähriger soll vor dem Jugendhaus Poly in Bad Düben auf ein Kind eingeschlagen haben. Nun landete der Fall vor Gericht. Zwar gab es viele Zeugen, dennoch war die Suche nach der Wahrheit schwierig.

Der Tatort: Das Jugendhaus Poly in Bad Düben.

Quelle: Nico Fliegner

Eilenburg/Bad Düben. Der Jugendclub Poly in Bad Düben: Das Haus im Windmühlenweg soll ein Ort für unbeschwerte Stunden sein. Dutzende Kinder und Jugendliche verbringen dort Woche für Woche an Nachmittagen ihre Freizeit, spielen, plaudern, relaxen. Ein 13-Jähriger allerdings hat auf dem Vorplatz ein Martyrium erlebt. Ein anderer Clubbesucher habe ihn zu Boden gestoßen, am Hals gepackt, Schläge in Bauch und Gesicht versetzt. So zumindest skizzierte es die Staatsanwaltschaft, die den mutmaßlichen Täter wegen Körperverletzung angeklagt hatte.

Doch wie viel Wahrheit steckt in dieser Geschichte? Was ist wirklich passiert? Über zwei Verhandlungstage hinweg bemühte sich das Amtsgericht Eilenburg, das herauszufinden. Auf der Zeugenliste: eine bunte Mischung aus dem Poly-Stammpublikum, der Jüngste gerade mal elf Jahre alt. Jeder wusste etwas zur Sache zu erzählen, schließlich kennt man sich, wenigstens vom Sehen her. Doch das meiste basierte auf Hörensagen. Von Anfang bis Ende bei der Prügelei zugegen waren nur zwei: der Angeklagte und der 13-Jährige.

Mit Verletzungen ins Krankenhaus

Letztgenannter schilderte vor Gericht noch einmal die Ereignisse jenes 30. September 2015 aus seiner Sicht. „Als ich aus dem Poly raus bin, rannte plötzlich einer hinter mir her und packte mich“, erzählte der Schüler. „Er schubste mich, ich fiel hin. Was dann genau passierte, weiß ich nicht mehr. Aber ich hatte danach Schmerzen am Bauch und bin weggelaufen. Als meine Mutter zu Hause die Verletzungen sah, sind wir ins Krankenhaus gefahren. Und einen Tag später zur Polizei.“

Björn K., der Angeklagte, will damit nichts zu tun haben. Er habe nur helfen wollen, versicherte der inzwischen 21-Jährige. „Ich stand vor der Tür, als der Junge rausgerannt kam. Er hatte Tränen im Gesicht und legte sich auf die Straße. Nach etwa zehn Sekunden bin ich hin, wollte ihm hochhelfen, doch er wehrte sich mit Händen und Füßen. Da habe ich ihn losgelassen und er rannte weg.“

Angeklagter war wütend auf das Opfer

Mit dieser Version stand Björn K. allerdings allein da. Mehrere Zeugen meinten, der Heranwachsende sei wohl ziemlich wütend auf den Kleinen gewesen. „Die Kleinen versuchen immer mal, die Großen aus Spaß zu ärgern oder zu beleidigen. So läuft das halt im Club“, erklärte ein 23-jähriger Kumpel des Angeklagten. „Die meisten hören da gar nicht hin, doch Björn war’s wohl zu viel.“ Der Ältere soll den Jüngeren hochgehoben und auf die Straße geworfen und ihn auch getreten haben, berichteten andere Zeugen.

Dem Vernehmen nach gab es viele Zuschauer, die angeblich sogar anfeuerten. „Ich bin zum Rauchen raus und sah vorm Poly eine Menschentraube. Björn war schon von Weitem zu hören“, schilderte eine 24-Jährige, ebenfalls Stammbesucherin des Clubs. „Björn wurde dann weggezogen, und ich hab dem Kleinen hochgeholfen.“

Doch trotz der offenbar zahlreichen Zuschauer bleibt der Vorfall nebulös – auch weil junge Zeugen offenkundig wichtige Details bei der Polizei verschwiegen hatten und einzelne behaupteten, sie seien gar nicht vor Ort gewesen, obwohl sie von anderen gesehen wurden. Es gelang vor Gericht nicht, das diffuse Netzwerk der Jugendcliquen aufzudröseln. Zumal auch das Opfer eine fragwürdige Rolle spielte: Der 13-Jährige hatte diversen Freunden von schlimmen Verletzungen erzählt, die sich im Nachhinein nicht bestätigten.

Staatsanwaltschaft für Freispruch

Die Staatsanwaltschaft plädierte deshalb letztlich für einen Freispruch. Zwar sei davon auszugehen, dass Björn K. in seiner Wut das Kind zu Boden gebracht hat, das reiche allerdings nicht für eine Verurteilung wegen Körperverletzung. Auch Björn K.s Verteidiger forderte Freispruch.

Richter Ruben Franzen zögerte dennoch. „Ich bin überzeugt, dass sich der Geschädigte nicht selbst auf die Straße gelegt hat, und selbst wenn er die Sache etwas aufgebauscht hat, kann ich keinen Freispruch schreiben.“ Björn K., bereits 2015 wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt, sollte nicht ohne Denkzettel den Verhandlungssaal verlassen. Franzen stellte das Verfahren mit einer Arbeitsauflage ein: Der 21-jährige Auszubildende soll bis Ende des Monats acht Stunden gemeinnützig arbeiten.

Von Kay Würker

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