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Bad Düben Schloss Pressel hält für Bauleute viele Überraschungen bereit
Region Bad Düben Schloss Pressel hält für Bauleute viele Überraschungen bereit
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00:21 24.09.2017
So sieht der Plan für den Schlosspark aus. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Pressel

Im Schloss Pressel geht es jetzt richtig los. In wenigen Tagen fährt das Sperrmüllauto vor. Es wird dann mit allem beladen, was nicht mehr gebraucht wird und sich die beiden Interesse bekundenden Veine nicht rausgeholt haben. Auch Presseler könnten sich gern noch umschauen, ob sie vielleicht noch Holzstuhl und Co. brauchen, erklärte Bürgermeister Lothar Schneider (parteilos). Ein Aushang werde im Dorf rechtzeitig informieren.

Bürger können mit entrümpeln

„Entrümpelt“ wird bei dem Objekt zunächst aber außen. Um den Charakter des einstigen Parks gerecht zu werden, würden einige Bäume gefällt „Diese werden wir kennzeichnen“, so Lothar Schneider. Und er hätte nichts dagegen, wenn sie dann von den Bürgern zu Feuerholz gemacht werden. Das Roden der Stümpfe gehört dann aber auf jeden Fall zum ersten Auftrag, den die Gemeinderäte in Sachen Schloss jüngst erteilten. Mit rund 270 000 Euro machte die Firma Pflaster- und Straßenbau Uber das beste Angebot. Unter Beachtung der Vegetationszeiten wird die Authausener Firma daher ab Anfang Oktober den Erdwall an der Turnhalle zurücknehmen, die spätere Feuerwehrzufahrt zunächst als provisorische Bauzufahrt und später endgültig herrichten, Ver- und Entsorgungsleitungen verlegen, das Gebäude für eine notwendige Trockenlegung außen komplett frei schachten, die Springbrunnenanlage bauen sowie pflastern.

„Bei diesem Auftrag“, so erklärte Lothar Schneider auf Anfrage, „liegen wir im Rahmen der Kostenschätzung.“ Dennoch wird das Schloss, für das bei 75-prozentiger Förderung insgesamt rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung stehen, noch eine Herausforderung.

Schon vor dem Baubeginn gibt es erste Überraschungen

Denn das Wahrzeichen des Ortes, bei dem derzeit im Inneren Tapeten und Farbanstriche unter restauratorischen Gesichtspunkten in Augenschein genommen werden, hat schon vor dem eigentlichen Baubeginn etliche Male überrascht. So fand sich bei einer Probeschachtung plötzlich ein Heizkanal. Außerdem stellte sich heraus, dass die Treppe kein Fundament hat und auch die Klinkerfassade in „der Luft hängt“. Beides könnte damit nun entgegen ursprünglicher Pläne nicht erhalten werden.

Schloss ist gar kein Schloss

Dass das Presseler Vorhaben genauestens verfolgt wird, beweist übrigens auch eine Zuschrift des LVZ-Lesers Eugen Rieschick. Er verweist darauf, dass es sich beim Schloss Pressel eigentlich um einen Herrensitz, also um ein besseres Wohnhaus mit landwirtschaftlichem Grundbesitz handelt. Er schreibt: „Augenzeugen wollen aber wissen, dass Elisabeth Gereke, die Mutter von Dr. Dr. Günther Gereke, den Dorfbewohnern ihr schönes Haus als ‚Schloss’ angepriesen und bezeichnet hat. So ist es bei diesem Namen unter den Bewohnern von Pressel bis heute geblieben.“ Er stellt weiterhin klar: „In all den Artikeln über das ‚Schloss’ klingt es so, als hätte jemand, vielleicht sogar der Staat, dieses Gebäude speziell für den Reichstagsabgeordneten Gereke (1924 bis 1928 sowie 1930 bis 1932) und Torgauer Landrat (1919 bis 1921) gebaut.“

Das stimme so nicht, sagt Eugen Rieschick. Er führt aus: „Das Gebäude wurde im Auftrag der Gutsbesitzerin von Pressel, Elisabeth Gereke, 1910/1911 gebaut.“ 1911 zog sie ein. Da war ihr Sohn Gunther Gereke gerade 17 Jahre alt und noch weit weg von den oben genannten politischen Karrieren. Der Vater war bereits 1906 gestorben. Gutsbesitzer und Schlossbesitzer in Pressel wurde Günther Gereke erst im Jahre 1936 nach dem Tod seiner Mutter.“ Günther Gereke sei damit bis zur Enteignung im Zuge der Bodenreform also gerade mal neun Jahre Besitzer vom Gut Pressel und dem dazugehörigen „Schloss“ gewesen.

Von Ilka Fischer

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