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Bad Düben Schloss Schnaditz: Jetzt meldet sich die amerikanische Investorin zu Wort
Region Bad Düben Schloss Schnaditz: Jetzt meldet sich die amerikanische Investorin zu Wort
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11:36 13.10.2018
Blick auf das Schnaditzer Schloss, dessen Zukunft ungewisser denn je ist. Quelle: Wolfgang Sens
Schnaditz

Das Schloss Schnaditz ist nicht aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Mehr noch: Es droht nun sogar in einem Albtraum zu versinken. Der 2014 geborene Traum, als eine Investorengruppe um Helga van Horn das Anwesen kaufte, ist längst geplatzt. Jetzt deutet sich auch noch ein Rechtsstreit an. Anders als noch im Sommer 2018, als Helga van Horn gegenüber der LVZ erklärte, dass sie „das Schloss ohne Papierkrieg übergeben“ werde, zeigt sie sich jetzt verbittert und enttäuscht. Einen Rechtsstreit erwähnt sie in einem Schreiben an die LVZ zwar nicht explizit, macht aber deutlich: „Wir werden auch keine 400.000 Euro verlieren.“ Und sie erklärt: „Wir könnten die Welt wissen lassen, was man uns angetan hat, dass man in Deutschland bestraft wird, wenn man investiert. Wir sind von einigen Seiten deswegen angesprochen worden. Aber wir haben es für den Moment abgelehnt.“

Verlust auf 400.000 Euro beziffert

Helga van Horn und Sohn Nick bei Arbeiten im Schloss Schnaditz (Archivbild). Quelle: Heike Nyari

Auf 400.000 Euro beziffert Helga van Horn ihren finanziellen Verlust, der sich aus den vor Ort getätigten Investitionen und dem Kaufpreis von 120.000 Euro zusammensetzt. Letzteren will die Stadt behalten, da im Kaufvertrag von 2014 steht, dass die Stadt den Kauf bis zum 30. Juni 2018 ohne Rückzahlung des Kaufpreises rückabwickeln kann, wenn der Investor seinerseits den Vertrag nicht einhält. Genau dies ist nach Ansicht der Stadträte, die im März einstimmig beschlossen, die Option der Rückabwicklung zu ziehen, eingetreten.

Aus Sicht der Stadt hat die Investorengruppe nämlich auch die mehrfach und zuletzt im Juli 2017 gelockerten Vertragsbedingungen nicht erfüllt und laut Aussage von Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) bis zuletzt „weder verwendbare Belege oder Nachweise über getätigte Investitionen als auch, obwohl explizit vereinbart, kein mit deutschem Baurecht vertrauten Bauleiter auf arbeitsvertraglicher Grundlage eingestellt“.

Helga van Horn versteht Deutschland nicht

Helga van Horn versteht dagegen die Welt, oder zumindest Deutschland nicht. Sie schreibt: „Deutschland muss das einzige Land in der Welt sein, wo man bestraft wird, wenn man Geld investiert. Unglaublich. Man sollte sich schämen.“ Sie selbst sagt: „Wir haben getan, was wir konnten, auch als wir zwei Partner verloren. Schlechte Presse und Androhungen seitens der Stadt, was sie uns antun können, hielten Investoren, mit denen wir sprachen, ab.“ Und sie führt weiter aus: „Als wir im Juni 2016 nach Schnaditz kamen, war das Schloss unbewohnbar. Vom Herbst 2014 an sind wir von Bank zu Bank herumgejagt. Keine einzige Bank war an Schnaditz interessiert. Das sagt doch was.“ Und bezugnehmend auf den nicht eingehaltenen Denkmalschutz erklärt sie: „In den 25 Jahren, als es leer stand, sagte keiner, was mit diesem ‚Kulturerbe‘ geschehen sollte. Es war ein verkommener Partyplatz für den Verein.“ Gemeint ist der Kohlhaas-Club Schloss Schnaditz. Ihm wirft sie zudem vor, dass er bis heute über 900 Euro für seinen Anteil an Strom, Wasser, Abwasser, Versicherung und Steuern nicht bezahlt hat. Doch die 900 Euro, zu denen der Verein eine andere Sicht hat, sind dennoch nur Nebenschauplatz in dem Streit, der auch eine persönliche Tragik hat. So schreibt Helga van Horn, die einst das Schloss auch für ihr in Amerika ansässiges Reisebüro als ideale und zudem geschichtsträchtige Ausgangslage für Ausflüge nach Leipzig, Dresden und selbst Prag lobte, heute: „Wir haben nie im Sinn gehabt, im Schloss zu wohnen, Schnaditz ist der letzte Platz, den wir als Wohnsitz wählen würden.“

Was wird nun aber aus dem Schloss? Da scheint sich etwas zu bewahrheiten, was Astrid Münster schon im April geahnt haben muss. Damals sagte sie. „Ehe wir da was unternehmen können, müssen wir es zuerst mal zurückhaben.“ Schon damals hatte sie das Statement von der Übergabe ohne Papierkrieg zwar wohlwollend gehört, doch gleichzeitig kommentiert, dass man sich bei der Stadt auf diese Aussage lieber nicht verlassen wolle.

Aufschub bis Ende Oktober

Der Gerichtsvollzieher könnte sofort wirksam werden.„Wir bräuchten nicht mal eine Räumungsklage“, so die studierte Juristin Münster. Doch weil sie um das menschlich schwer zu verkraftende Prozedere der Vollstreckung weiß, schreckt sie noch zurück, gewährt einen letzten Aufschub, um eine Eskalation zu vermeiden. Doch die Ansage steht, bis Ende Oktober soll das Schloss nun geräumt sein.

Von Ilka Fischer

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