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Schnitzel braten, Instrumente fahren - ohne Helfer geht in Bad Dübens Casern City nichts

Schnitzel braten, Instrumente fahren - ohne Helfer geht in Bad Dübens Casern City nichts

Bad Düben. Fünf Vorhänge sind gefallen. Noch einer wird am heutigen Sonnabend folgen. Das Landschaftstheater "Die große Dürre" setzt die Erfolgsserie fort.

Doch was passiert eigentlich während der dreieinhalb Stunden hinter den Kulissen. Die Kreiszeitung begleitete Schauspieler, Helfer, Macher und andere Mitstreiter und erzählt, was die Zuschauer nicht zu Gesicht bekommen.

Es ist 15 Uhr. Die Straßen in Casern City sind noch verwaist. Nur auf dem ehemaligen Exerzierplatz haben es sich Henriette Lippold, Julia Tausend, Daniela Voigt und einige andere vom Theaterteam gemütlich gemacht. Es gibt Schnitzel. Nach und nach füllt sich der Platz mit Leben. Die Akteure trudeln ein. Ein aufmunterndes Schulterklopfen hier, ein kleiner Plausch da. Doch viel Zeit ist nicht. Alle Schauspieler müssen mit den Mikrofonen verkabelt werden, sich umziehen und noch einmal den Text durchgehen. Auch Alexander Peschel - er spielt im Stück den Lehrer Gotthilf Himmelschön - bekommt von Helfer Maximilian Benda sein Mikrofon verpasst. "Wir sind mit der ganzen Familie im Stück dabei. Auch 2012 habe ich mitgespielt. Eine Erfahrung die ich nicht missen möchte", ist Peschel begeistert.

Draußen vor der Tür wird gehämmert. Die Kulissenbauer sind bereits seit Stunden im Einsatz. Es wird ausgebessert und ausgetauscht. "Die haben die vergangenen Wochen ununterbrochen gehämmert und geschraubt. Teilweise noch als das Stück schon lief. Ihr Einsatz ist unbezahlbar", ist Autorin Henriette Lippold dankbar. Ob Tischler Marcel Vatterodt als Szenenbildner und das Filmbauteam um Matthias Friedrich, die den Saloon, die Tanke, Podesterie und Galgen schufen, oder Kostümbildnerin Doreen Winkler, die fast alle Kostüme entwarf und nähte, hinter den Kulissen haben dutzende Helfer Hand angelegt.

Es ist 16.30 Uhr. Das Kasernentor geht auf und die Kasse öffnet. Die ersten Zuschauer strömen auf den Platz. Auf den ersten der insgesamt sieben Spielplätze wird mittlerweile die Tontechnik in Stellung gebracht. Dafür sind Adrian Naumann und Ingo Koch verantwortlich. Letzterer verbrachte bereits viele Tage im eigenen Campmobil direkt vor Ort in Casern City. "Oft haben wir bis in die Nacht die Technik eingestellt. Da gibt es immer viel zu tun. Danach lohnte es sich nicht, noch nach Hause zu fahren."

Im ehemaligen Saal des Stabsgebäudes haben sich eine halbe Stunde vor Beginn alle Akteure eingefunden. Schauspieler Günter Schoßböck alias Don Pedro animiert alle zu Lockerungsübungen. "Das ist unser Ritual vor jeder Aufführung", so der Schauspieler. Dann verschwinden die Hobby- und Profischauspieler hinter den Kulissen. Die Zuschauer rücken ein. Es geht gleich los. Die Anfangsmelodie läuft, die Spannung steigt.

Die erste Szene ist fast durch, da treffen schon die nächsten Mitwirkenden ein. Mädchen und Jungen der Kurrende und des Bad Dübener Turnvereins. Sie sind erst später dran. Beide Vereine waren bereits vor drei Jahren mit von der Partie. "Ist mal etwas anderes als das tägliche Training in der Turnhalle", sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende des TV Blau-Gelb 90, Wencke Stein.

Nach 45 Minuten wechseln die Zuschauer zum nächsten Spielort. Der Posaunenchor begleitet musikalisch. Indes bringen die Turner ihre Geräte auf dem ehemaligen Paintballgelände in Stellung. Hier überfallen sie dann in Bild sechs als Hyänen die Szenerie. Während an der Tanke bereits der zwei Akt läuft, kurvt Stefan Lange mit Auto und Anhänger durchs Gelände und bringt die Musikinstrumente zum nächsten Einsatzort. "Wir brauchen Schlagzeug, Gitarren und Co. bei der Hochzeitszeremonie. Danach müssen die Instrumente weiter zum Finalbild", erklärt Lange. Vieles passiert während des Stückes hinter den Kulissen. Für die Zuschauer unsichtbar werden neue Akkus zu den Schauspielern gebracht, Kostüme ausgetauscht, Mikrofone repariert und Kulissen ausgetauscht.

Inzwischen sind die Szenen eins bis drei geschafft. Die Sonne geht unter und zaubert mit der Wasserfontäne, die die Bad Dübener Feuerwehr in den Himmel schießt, einen Regenbogen. Die Hälfte ist geschafft. Jetzt sind auch die Männer vom Dübener Feuerzauber eingetroffen. Die Profi-Feuerwerker bereiten das Abschlussfeuerwerk am Ende vor. Sie verkabeln allabendlich mehrere Bomben und Raketen mit tollen Effekten. Inzwischen machen sich die kleinen und großen Geräteakrobaten warm. Gleich springen sie über Trampolin und turnen als Hyänen am Stufenbarren. Auch Soko Leipzig-Ermittlerin Melanie Marschke hat in der Hyänenszene ihren Auftritt und schaut den Turnerinnen interessiert bei ihren Dehnübungen zu. "Das konnte ich früher auch mal", ist Marschke begeistert. Die Scheinwerfer gehen an. Die Musik läuft. Die Hyänen springen durch die Zuschauer. Den großen Showdown gibt es am Galgenberg. Während die vorletzte Szene noch läuft, ist der Tonwagen schon vor Ort. Die Technik wird verkabelt. Grelles Licht sorgt für eine unheimliche Atmosphäre. Es ist 20.45 Uhr. Das Finale beginnt. Der Biber sorgt für Ordnung in Casern City und verjagt Don Pedro, ehe ein Feuerwerk in den Himmel steigt und alle Laiendarsteller samt Helfer und Macher auf der imaginären Bühne stehen und den Applaus genießen.

Heute findet die letzte Vorstellung statt. Die Tickets sind schon ausverkauft.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.09.2015

Steffen Brost

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