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Schüler einen Tag lang im Selbstversuch

Schüler einen Tag lang im Selbstversuch

Wie fühlt es sich an, behindert und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein? Dieser Frage gingen am Donnerstag 17 Jungen und Mädchen aus der achten Klassenstufe der Bad Dübener Mittelschule nach.

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Tom Pohle probiert den Duschlift aus. Maria Cangemi vom Pflegeheim erklärt den Schülern, wie ältere Menschen gepflegt werden.

Quelle: Thomas Jentzsch

Bad Düben. Im Rahmen der Aktionswoche zur Gleichstellung von Menschen mit einem Handicap besuchten sie das Altenpflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo), um im Selbstversuch herauszufinden, wie schwerfällig das alltägliche Leben sein kann.

Menschen im Rollstuhl haben sie schon oft gesehen. Doch wie ist es, selbst in einem Rollstuhl zu sitzen? Der Praxistest versetzte die Jungen und Mädchen für kurze Zeit in eine für sie ungewohnte Lebenslage. Kraftanstrengung war nötig, um mit dem Rollstuhl vom Fleck zu kommen. Bremsen und lenken wollten gelernt sein. Und dann die Straßen in der Kurstadt mit ihren oftmals zu hohen Bordsteinkanten, dem Kopfsteinpflaster auf dem Markt und herannahenden Autos - hier kann es mitunter eng werden für "Rollis", wenn nicht sogar richtig gefährlich.

Probleme, mit denen sich in den vergangenen Jahren auch immer wieder der Kriminalpräventive Rat der Stadt beschäftigte und besonders gefährliche Bereiche im Stadtgebiet aufspürte und versuchte, diese zu beseitigen. Mal war dies möglich, mal aber auch nicht. Zum Teil ist der Aufwand erheblich. Dabei steht bei den meisten Bauvorhaben in neuerer Zeit die Barrierefreiheit mit an erster Stelle: Bei Gebäuden oder öffentlichen Toiletten ist das beispielsweise so. Doch "Menschen mit Behinderung haben immer noch große Schwierigkeiten im Alltag", sagte Jana Hentschel, stellvertretende Pflegedienstleiterin bei der Awo. Außenstehende würden dies oftmals nicht so wahrnehmen, Betroffene spürten es aber jeden Tag. Diese und andere Probleme wurden gestern den jungen Leuten vor Augen geführt, um ihr Bewusstsein dafür zu schärfen.

So bekamen die Teenies zunächst einen Einblick in die Arbeit des Pflegedienstes und schauten sich bei den Menschen im betreuten Wohnen um, bevor es ins benachbarte Pflegeheim ging. Dort wurden Hilfsmittel für körperlich schwache und eingeschränkte Menschen vorgestellt und wie sich diese im Alltag bewähren, zum Beispiel ein Liegeduschlift. Schließlich stand noch ein Gedankenaustausch zu all dem Erlebten auf dem Programm.

"Wir konnten heute Denkanstöße geben", resümiert im Nachgang Melanie Burkhardt vom Awo-Jugendhaus Poly. Die Schüler hätten sich durchaus dem nicht einfachen Thema Behinderung geöffnet und versucht, sich in die Lage von Menschen mit einem Handicap zu versetzen. "Wir hoffen natürlich, dass wir mit diesem Tag die Akzeptanz für behinderte Menschen erhöhen konnten", so die Streetworkerin weiter. Das Thema sei den Jugendlichen nicht völlig fremd gewesen. "Sie haben sich zwar im Vorfeld nicht ausführlich damit beschäftigt, aber viele haben durch ihren Familien- und Bekanntenkreis schon einige Berührungspunkte."

Das konnte auch Jana Hentschel bestätigen. "Die meisten waren ganz interessiert dabei, die Mädchen mehr als die Jungen", erzählte sie. Es habe etliche Fragen zur Pflege und Arbeit mit Senioren gegeben, ebenso, welche professionellen Hilfestellungen es gibt.

Und wie haben die Jugendlichen selbst den Test-Tag empfunden? "Gut, mal zu erfahren, wie es den älteren Menschen gehen muss, die von Fremden gepflegt werden", erzählte Schülerin Vanessa Völz. Justin Kanitz, der ebenfalls die Fahrt im Rollstuhl ausprobierte, meinte schließlich: "Es ist ganz angenehm, aber lange möchte ich nicht darin sitzen müssen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2013

Nico Fliegner

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