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Bad Düben Schwerkranker Bad Dübener heiratet seine Jugendbekanntschaft
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10:00 25.06.2016
Schöne Erinnerungen: Das frisch verheiratete Ehepaar Uta und Joachim Reiche schauen sich die Fotos ihrer Hochzeit am Computer an. Quelle: Steffen Brost
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Bad Düben

Das Leben hat Joachim Reiche nicht immer gut mitgespielt. Der 58-Jährige ist Nierenkrank. Und das seit mittlerweile 37 Jahren. „Ich bin Sachsens dienstältester Dialysepatient“, sagt der Bad Dübener, als er lächelnd in der Tür seiner Wohnung steht, gestützt auf zwei Krücken. Doch der Kurstädter hat seinen Lebensmut bis heute nicht verloren. Auch wenn er bewegungstechnisch eingeschränkt ist, ist die Welt für ihn wieder in Ordnung. Denn Reiche hat sich noch einmal getraut. Vor ein paar Wochen heiratete er zum zweiten Mal. Mit der gleichaltrigen Uta will er noch ein paar schöne Jahren verbringen. Doch der Reihe nach.

Joachim Reiche war 15, als die Ärzte bei ihm sogenannte Schrumpfnieren diagnostizieren. Seinerzeit hieß das eine begrenzte Lebenszeit. „Krank sein wollte ich nicht, sondern so leben wie alle jungen Leute in diesem Alter. Ich wusste, dass nur noch die Dialyse ein Überleben möglich machen würde.“ Die Diagnose führte auch zu Konflikten mit seinen Eltern. Die wollten ihn fortan nicht mehr zum Tanzen gehen lassen. Eine Weile ging der Alltag mit der Krankheit gut, dann kam das Unvermeidliche. Mit 21 Jahren kam Joachim Reiche an die Dialyse. Bis heute. Nur mit einer kurzen Unterbrechung. „Im Herbst 1981 bekam ich eine Spenderniere. Die Freude war riesengroß. Doch die Niere funktionierte nicht richtig. Sie musste nach vier Wochen wieder entfernt werden. Schon damals ahnte ich, dass es der einzigste Transplantationsversuch bleiben würde.“ Es war eine schwere Zeit. Der junge Mann brach sein Fernstudium ab, kämpfte sich aber aus seinem Lebenstief heraus. Er machte Pläne und haderte nicht mehr mit seinem Schicksal. Joachim Reiche kann stundenlang erzählen: von seiner Ehe und seinem Adoptivsohn, von der Verzweiflung, als er nach dem Scheitern der Beziehung wieder allein lebte. Von den vielen Versuchen, trotz seiner Einschränkungen beruflich Fuß zu fassen. Auch das einst aufgegebene Fernstudium hat er mit ein paar Jahren Verspätung erfolgreich beendet.

Nach über 30 Jahren Dialyse, mit 51, fasste er den Beschluss, zu Fuß die Alpen zu überqueren – von München nach Venedig. Alles wurde von ihm generalstabsmäßig organisiert. Denn alle zwei Tage musste er zur Dialyse. Trotz Wanderung. Die Organisation verlangte, dass die Strecke so gelegt werden musste, das eine Dialyse problemlos möglich war. Er schaffte alle Strecken ohne Probleme. Auch die Tour über die Alpen.

Mit dem Wandern ist jetzt aber wieder Schluss. „Nach der Alpentour ging es gesundheitlich bergab. Die Hüfte und dann das Herz. Ich stand kurz vor einem Herzinfarkt. Das gab mir zu denken. Ich dachte, ich habe nicht mehr lange zu leben. Ich ordnete meinen Nachlass, gab meine ehrenamtliche Kassenwartfunktion im Dialyseverband Sachsen ab, verkaufte mein Auto und verschenkte private Sachen. Doch nichts passierte. Eigentlich hatte ich mich auf meinen Abgang vorbereitet. Doch der kam nicht.“

Dafür kam jemand in sein Leben. Sie heißt Uta. Beide kennen sich eigentlich schon seit früher, haben zusammen in Köllitzsch in der Landwirtschaft gelernt und sich dann aus den Augen verloren. Auch Uta war verheiratet, hat Kinder und Enkel. „Joachim habe ich wiedergesehen, als er sein zweites Buch ‚Quo Vadis Glück’ vorstellte. Es kam ein Briefwechsel zustande und ich wurde immer neugieriger, wollte wissen, wer er ist.“ Der Kontakt wurde inniger. Die Liebe kam ins Spiel. „Ich hatte eigentlich auch mit Frauen abgeschlossen. Ich wusste ja nicht, was mit meiner Gesundheit wird. Der Arzt hatte mir keine rosigen Aussichten bestätigt. Doch wie das Leben so spielt, war die Liebe das Heilmittel. Mir ging es fortan besser“, erzählte Reiche.

Kurzerhand wurde vor einigen Wochen geheiratet. Die Flitterwochen verbrachten beide im Kloster Alexanderdorf bei Berlin. Beide lieben die Ruhe und schmieden jetzt gemeinsame Pläne. „Ein paar schöne Jahre wären was tolles. Der nächste Urlaub ist bereits in Planung“, bestätigt Uta Reiche. Und auch Joachim Reiche fasst immer mehr Lebensmut. Auch wenn er seine Wanderstöcke nur noch an der Wand betrachten kann.

Von Steffen Brost

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