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Bad Düben Alltagsbegleiter in Bad Düben: Angebot ist da, aber kaum Nachfrage
Region Bad Düben Alltagsbegleiter in Bad Düben: Angebot ist da, aber kaum Nachfrage
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00:53 29.04.2018
Gemeinsam Zeit verbringen, darum geht es beim Projekt Alltagsbegleiter. Quelle: Archiv
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Bad Düben

Das hätte keiner so gedacht: Doch bei dem vom Freistaat Sachsen Anfang dieses Jahres initiierten Projekt „Alltagsbegleiter für Senioren“ gibt es offensichtlich weit mehr Hilfsangebote als Bedarf, diese Hilfe auch anzunehmen. Das Projekt selbst richtet sich an betagte und hochbetagte Senioren, die einen eigenen Haushalt führen und (noch) nicht pflegebedürftig sind. „Doch auch ohne Pflegestufe kann Hilfe gebraucht oder auch nur willkommen sein“, ist sich Karin Bolduan, die den Aphasiker-Verein in Bad Düben als Ansprechpartner und Projektträger für alle Hilfe suchende Senioren in der Kurstadt etablieren möchte, sicher. Auch sie war verblüfft, dass sich bei entsprechenden Aufrufen gleich acht Bad Dübener Frauen und zwei Männer bei ihr als Alltagsbegleiter angeboten haben.

Eine davon ist Dagmar Durner. Die arbeitslose 56-jährige Immobilienkauffrau betreut inzwischen eine ältere Dame und meint: „Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Und ich werde schließlich selbst mal alt. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn sich dann auch jemand um mich kümmert.“ Zudem würde sie von den Besuchen ja auch ihrerseits profitieren. So teile sie mit „ihrer“ Seniorin die Leidenschaft für die Ahnenforschung und könne mit ihr darüber fachsimpeln.

Es könnte mehr Senioren geholfen werden

Der Wille zum Helfen ist also da, wofür die ehrenamtlichen Alltagsbegleiter übrigens mit 2,50 Euro pro Stunde und maximal 80 Euro im Monat lediglich eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten. „Wir könnten damit mehr weit mehr Senioren als bisher helfen“, so Karin Bolduan, die zudem weiß, dass die Situation in anderen Kommunen ähnlich ist.

Doch warum scheuen sich Senioren, die für sie kostenfreie Alltagsbegleitung in Anspruch zu nehmen? „Es ist für Senioren sicher immer auch ein Stück weit problematisch, sich einzugestehen, dass Hilfe und zusätzliche Kontakte wünschenswert sind“, versucht Karin Bolduan eine Erklärung. Und auch die LVZ konnte wohl deshalb bisher keine Senioren oder Seniorin finden, die bereit wäre, in der Zeitung zu berichten, welcher Gewinn die Alltagsbegleitung für sie ist.

Erstes Treffen auf neutralem Boden

Immerhin, bei der jüngsten Veranstaltung im Rathaus ließen sich eine Hand voll älterer Damen und ein Herr über das Projekt informieren. Die 84-jährige Doris Großmann meint: „Ich finde die Idee gut, und ich werde auch gern in meinem Bekanntenkreis dafür werben.“ Sie selbst brauche aber noch keinen Alltagsbegleiter, derzeit sei sie ja noch eher die, die sich um andere kümmere. Ilse Römer ist sogar schon 89. Sie äußerte spontan: „Oh ja, gemeinsames Spazierengehen, das fände ich schon schön.“

Spazieren gehen gehört zu den möglichen Tätigkeiten des Alltagsbegleiters. Was sonst machbar ist, dazu Karin Bolduan: „Zusammen in Fotoalben blättern, gemeinsames Einkaufen, Kochen und Backen oder auch nur bei einem Kaffee reden.“ Hauswirtschaftliche Dienst- und Pflegeleistungen gehören hingegen nicht dazu. Wichtig ist Karin Bolduan zudem noch, darauf hinzuweisen, dass das erste Kennenlernen mit dem potenziellen Alltagsbegleiter auf Wunsch auf neutralem Boden stattfindet. „Wir bieten dafür beispielsweise unser Büro im Reha-Zentrum an. Und wenn gewünscht, bin ich beim ersten Treffen mit dabei.“ Es wird also Vieles möglich gemacht, nur wollen müssen die Senioren noch immer selbst.

Alltagsbegleitung wird derzeit in folgenden Kommunen angeboten:

Bad Düben, Projektträger Aphasiker-Zentrum Nordsachsen, Ansprechpartnerin Karin Bolduan, Kontaktaufnahme montags und mittwochs von 9 bis 15 Uhr unter Telefon 034243/792612 oder per Mail bad_dueben@aphasiker-zentrum-nordsachsen.de

Laußig, Projektträger Heide Service eG, Ansprechpartner Carsten Liedtke, 034243/52883, oder per Mail. info@heideservice.de

Eilenburg Projektträger Senioren Selbsthilfe in Torgau, Ansprechpartner Babara Kipke, 03421/776806 oder per Mail info@seniorenzentrum-torgau.de, in Eilenburg regelmäßige Sprechzeiten in der Arche, Nikolaiplatz 3, Ansprechpartnerin ist hier Sandra Rehschuh, Telefon 03423/604033, jeden zweiten Dienstag im Monat von 14 bis 16 Uhr

Von Ilka Fischer

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