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Siegfried Törl aus Pressel: Aufgeben - das ist nicht sein Ding

Siegfried Törl aus Pressel: Aufgeben - das ist nicht sein Ding

Noch heute freut er sich, wenn er den angestrahlten Kirchturm in Pressel sieht. Er ist zugleich ein Symbol für das Wirken von Siegfried Törl, der von 1980 bis 1999 als Bürgermeister, danach zehn Jahre als Ortsvorsteher und bis zuletzt im Gemeinderat die Interessen der Presseler vertrat.

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Siegfried Törl an dem Straßenschild, das seinen Namen trägt.

Quelle: Ilka Fischer

Pressel. "Wir haben in dieser Zeit viel erreicht", so der Witwer. Wegen seiner pflegebedürftigen Mutter zieht er jetzt in seinen Heimatort Wöllnau, was die Aufgabe seines Mandats erforderlich macht.

In Wöllnau hatte 1972 sein kommunalpolitisches Wirken begonnen. Spuren hat der 65-Jährige vor allem in Pressel hinterlassen. "Als ich hier Bürgermeister wurde, gab es keinen ordentlichen Konsum, keine Wasserleitung, keine Schule, keinen Jugendklub in Görschlitz, keinerlei Infrastruktur am Teich." Dass von der Schule heute nur noch die sanierungsbedürftige Turnhalle steht, nage an ihn, gibt Törl unumwunden zu. Von anderen, wie der Wasserleitung, profitieren die Presseler bis heute. "Auch als damaliger SED-Genosse hatte man mit Kreativität einiges erreicht", erzählt er. In Sachen Wasserleitung halfen 100 Flaschen Apfelwein, die er mit Hilfe der Feuerwehrfrauen selber machte.

Für ihn war es nach der Wende keine Frage, sich als Parteiloser zur Bürgermeisterwahl zu stellen. Er schaffte es, was nicht alle gut fanden. Heute blickt er ohne Groll zurück, dass er ein knappes Jahr später vom Gemeinderat in geschlossener Sitzung abgewählt wurde. Da es formale rechtliche Fehler gab, musste die Wahl 14 Tage später wiederholt werden. "Bei dieser haben sich dann 150 zum Teil aufgebrachte Presseler für mich stark gemacht." Am Ende hatte Törl sogar ein besseres Ergebnis als bei der ersten Nachwendewahl.

Zu tun gab es in den 1990er Jahren genug. Das Feuerwehrgerätehaus in Pressel konnte gebaut werden. Zudem verdienten sich viele Straßen, wie beispielsweise die Dorfstraße in Görschlitz, diese Bezeichnung erst wieder. Doch vor allem ist es die Zeit der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gewesen. Über 1000 Leuten habe die Gemeinde mit ihren Vereinen zumindest eine befristete Jobalternative bieten können. 1991 war er bei der Gründung des Presseler Vereins zur Förderung des ländlichen Raumes dabei, heute leitet er den Verein. Auch dem Verein Bildungshaus Heideland bleibt er treu wie dem Verein, der seit der Wende die deutsch-französische Partnerschaft pflegt. Mitmischen will er auch weiter beim Marathonverein und beim Förderverein der Feuerwehr.

Langeweile kommt bei dem Rentner also nicht auf. Neun Kilometer zwischen Wöllnau und dem Platz, den seit seinem 60. Geburtstag das Schild "Siegfried-Törl-Platz" ziert, sind keine Entfernung. Und nicht selten wird ihm nach der einen oder anderen Vereinssitzung in Pressel der Kirchturm auf dem Heimweg leuchten. So wie seit rund zehn Jahren. Denn etwa genauso lange hat übrigens der Kampf um dieses Licht gedauert. Doch Aufgeben war auch hier nicht sein Ding.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.03.2015
Von Ilka Fischer

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