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Slavik (21) hat sein Glück in Laußig gefunden

Kranker Moldawier Slavik (21) hat sein Glück in Laußig gefunden

Slavik Zacharow war gerade einmal fünf Jahre, als er das erste Mal in Laußig war. Das war im Jahr 2000. Der Junge aus Moldawien litt an einer Fehlstellung an seinen Füßen, Armen und der Wirbelsäule. Von Familie Kräger aus Laußig erhielt er Unterstützung. Jetzt ist er erwachsen und kehrte nach Deutschland zurück.

Slavik heute mit 21 Jahren, seiner Mama Heidrun und Papa Gerald Kräger aus Laußig.

Quelle: Steffen Brost

Laußig. Mit Schwung springt Slavik die sechs Stufen am Haus der Krägers in Laußig empor. Von seiner Krankheit, die der heute 21-Jährige als kleiner Junge erleiden musste, ist kaum noch etwas zu sehen. Slavik Zacharow war gerade einmal fünf Jahre jung, als er im Jahr 2000 das erste Mal in Laußig war. Ein Jahr zuvor machte er die Bekanntschaft des Laußiger Geschäftsmannes Gerald Kräger. Eine Begegnung, die sein Leben für immer verändern sollte. „Wir hatten 1999 einen Auftrag in Tiraspol in Moldawien. Dort haben wir ein Kesselhaus gebaut. Auf dem Weg zur Baustelle fuhr ich immer an einem Kindergarten vorbei. Dachte ich zumindest. Es stellte sich heraus, dass es ein Kinderheim war. Irgendwann habe ich Süßigkeiten gekauft und bin dort mal reingegangen. Ich war schockiert über die Zustände“, erinnert sich Kräger. Über 200 Kinder lebten dort unter ärmlichsten Bedingungen. Ein kleiner Junge sah ihn an und ließ ihn nicht mehr los. „Der kleine Slavik hatte strahlende Augen – trotz seiner Behinderung“, erzählt Kräger.

Der Vierjährige litt an Kinderlähmung

Der damals Vierjährige litt an Kinderlähmung. Die Ursache dafür war eine Mangelernährung. Die Folgen der Kinderlähmung waren Fehlstellungen an seinen Füßen, Armen und der Wirbelsäule. Er konnte sich nur kriechend fortbewegen. Zurück in Laußig sprach Gerald Kräger mit seiner Familie. „Ich wollte dem Kleinen helfen, sprach mit Ärzten und suchte mögliche Sponsoren für Operationen.“ Ein Jahr später war es soweit. Nach vielen bürokratischen Hürden kam Slavik zur Behandlung nach Deutschland. Im Bad Dübener Waldkrankenhaus wurde er vom damaligen Klinikchef Christian Melzer untersucht und operiert. Was nicht operativ behoben werden konnte, wurde mit Orthesen und Hilfsmitteln gemacht. „Vor allem die Firma Neubert Orthopädie in Bad Düben half uns in der damaligen Zeit. Neuberts waren neben dem Waldkrankenhaus und dem Lions Club Eilenburg/Bad Düben eine der wichtigsten Stützen“, blickt Heidrun Kräger zurück. Einen zwischenzeitlichen Versuch, den kleinen Jungen zu adoptieren, mussten die Krägers aufgeben. „Das Land gab damals keine Kinder zur Adoption ins Ausland frei, weil sie immer und überall Organhandel vermuteten. Wir hätten sonst Slavik liebend gern für immer nach Deutschland geholt“, sagt Kräger.

Insgesamt sechs Operationen

Bis 2005 folgten insgesamt sechs Operationen, bis die Fehlstellungen seiner Beine korrigiert waren. Seitdem ist Slavik zweimal jährlich in Deutschland. Meist im Sommer und zu Weihnachten. Denn der Moldawier darf sich pro Jahr nur drei Monate in Deutschland aufhalten und wird immer wieder bei seiner Ein- und Ausreise akribisch befragt, was er denn hier wolle oder gemacht habe. Deswegen holt ihn Gerald Kräger bis heute immer in seinem Land ab und bringt ihn wieder dorthin zurück.

„Wenn ich dabei bin, weiß ich, dass alles glatt geht. Auch in diesem Jahr ist der mittlerweile 21-Jährige wieder bei seiner Mama und seinem Papa, wie er Heidrun und Gerald Kräger nennt. Und er fühlt sich hier richtig wohl. Es gibt Ausflüge in die Umgebung und regelmäßig seine Lieblingsessen Döner und Makkaroni mit Wurst.

Salavik will Pfarrer werden

Die Behinderung sieht man Slavik fast gar nicht mehr an. Er wirkt wie ein junger Sportler, der immer ein Lächeln in seinem Gesicht trägt. Zu Hause in Moldawien lebt er mittlerweile in Benderi, einer 60 000 Einwohner zählenden Stadt, rund 20 Kilometer von Tiraspol entfernt. „Ich wohne in einer Art Lehrlingswohnheim. Dort mache ich eine Ausbildung zum Schuhtechnologen mit Abitur. Noch ein Jahr und ich bin fertig“, erzählt Slavik. Der junge Mann hat auch schon genaue Vorstellungen, wie es nach der Berufsausbildung weitergehen soll. „Am liebsten würde er Pfarrer werden. Dafür würde Slavik weiter studieren. Mal sehen, ob das klappt. Wir werden ihm dabei so gut helfen, wie wir können“, verspricht Kräger. Immer wenn Slavik in Laußig ist, besucht er seine Freunde und Menschen, die ihm damals geholfen haben. „Ich bedanke mich, das so etwas für mich möglich geworden ist. Vielen Dank“, sagt Slavik.

Das Kinderheim in Tiraspol hat der Chef der Laußiger Heizungsbaufirma nicht vergessen. Mittlerweile hat er mit vielen Unterstützern und Sponsoren ein neues Heim für 250 Kinder gebaut. Dort herrschen jetzt menschenwürdige Bedingungen für die zum Teil behinderten Kinder. Und jedes Jahr rollt aus Nordsachsen ein großer Lastzug mit Päckchen nach Tiraspol. „In diesem Jahr ist es bereits das 18. Mal, dass wir dorthin fahren und den Kindern eine Freude bereiten“, so Kräger.

Von Steffen Brost

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