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Bad Düben Spektakulärer Kontrollflug zwischen Bad Düben und Bennewitz
Region Bad Düben Spektakulärer Kontrollflug zwischen Bad Düben und Bennewitz
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14:15 19.05.2015
Pilot Siegfried Lange (rechts) und Netzbewirtschafter Heiko Orgass planen beim Zwischenstopp auf dem Bad Dübener Gewerbegebiet die nächste Route. Quelle: Steffen Brost

Den Flug bezahlt ihr Arbeitgeber, die Mitnetz Strom, ein Unternehmen der EnviaM-Gruppe. Dieser Tage dreht der Hubschrauber seine Runden zwischen Bad Düben und Bennewitz. Beide Orte verbindet eine 110 KV-Hochspannungsleitung mit über 100 Masten. Die Kreiszeitung ist beim Kontrollflug an Bord.

Großflächige Überprüfungen

Ein Urlaubsrundflug sieht wahrlich anders aus. Für die schöne Natur von oben aus betrachtet haben Orgass und Lange kaum einen Blick übrig. Die Fläche ist 4439 Quadratkilometer groß und hat eine Länge von 15 549 Kilometern, auf denen 8943 Kilometer Kabel verbaut sind. Meistens verlaufen die über die 110-Kilovolthochspannungsfreileitungen durch die Region. So wird der Strom zwischen den Umspannwerken verteilt.

"Die Leitungen werden einmal im Jahr vom Hubschrauber aus inspiziert. An der Befliegung nehmen außer dem Piloten zwei Mitarbeiter von uns teil, die über die notwendigen Anlagenkenntnisse verfügen. Von ihnen werden dabei alle Unregelmäßigkeiten, Beschädigungen und Gefährdungen erfasst und dokumentiert", sagt Anke Neugebauer vom Projektmanagement Hochspannung.

Mit ohrenbetäubendem Lärm setzt Siegfried Lange seine Bell 206 Jetranger, ein Turbinenhubschrauber, im Bad Dübener Gewerbegebiet auf. Lange ist Pilot aus Leidenschaft. Schon vor der Wende arbeitete er bei der Interflug, steuerte kleine Agrarflugzeuge. Jetzt sitzt er meistens nur noch in Helikoptern für seinen Arbeitgeber, dem Deutschen Helikopterdienst mit Sitz in Groß Kreutz. Lange und Orgass kennen sich seit Jahren, befliegen gemeinsam die Hochspannungsleitungen.

Dann geht es los. Im großen Bogen steuert Lange die Jetranger über Bad Düben und dann zum Umspannwerk in der Görschlitzer Straße. Lange nimmt die Geschwindigkeit raus und geht mit seiner Maschine runter. Parallel zu den Masten und der Hochspannungsleitung beginnt der Kontrollflug. "Die Freileitungstrassen werden mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Stundenkilometern abgeflogen. Schneller ist nicht möglich. Da erkennen wir die möglichen Schäden nicht mehr", sagt Lange. Seine jahrelangen Erfahrungen kommen ihm zugute. Denn die Inspekteure wollen möglichst nah ran an Leitungen und Masten.

Das Augenmerk der Kontrollen richten sie auf die Freileitungsbauteile wie Seile, Mastkonstruktion, Anstrich, Isolatoren und Armaturen, aber auch Veränderungen im Trassenbereich. "Wir fotografieren und notieren alles. Denn eine Beschädigung kann schlimme Folgen haben. So sind für uns auch Deformationen von Mastteilen, kritischer Bewuchs, Fremdkörper und beschädigte Isolatoren von großer Bedeutung, denen wir nach der Befliegung nachgehen. Dann rücken Reparaturtrupps aus und beheben den Schaden", so Orgass.

Lange lenkt seinen Hubschrauber wie Orgass gern möchte. Mal umrundet er einen Masten, geht etwas tiefer, damit Orgass auch von unten gucken kann. Ihren Blicken entgeht nichts. Über 100 Masten sind es bis Bennewitz bei Wurzen. Jeder wird von Heiko Orgass fotografiert. Denn die ältesten stammen aus dem Jahr 1924. Doch die werden derzeit im Netzgebiet weitgehend abgebaut und durch neue ersetzt. "Die Lebensdauer beträgt zwischen 80 und 100 Jahren. Die auszuwechseln, bedeutet eine hohe Investition", weiß der Experte.

Netzgestelle für Fischadler

Fast jeder zweite Hochspannungsmast ist zudem bewohnt. In den Nestern haben es sich vor allem Krähen, Gabelweihen und Kolkraben gemütlich gemacht. "Solange die keinen Schaden machen oder in Isolatoren hängen, können die Nester bleiben", so Orgass. Auch einige Fischadler nisten in luftiger Höhe. Für diese Spezies haben die Netzbetreiber sogar Nestgestelle angebracht, die von den Tieren eifrig genutzt werden. Pro Arbeitstag schafft die Crew 250 bis 300 Masten.

Nach drei Stunden Flug muss getankt werden. Stationiert ist der Hubschrauber für die Dauer der Einsätze in Bennewitz. Mittlerweile hat es begonnen, zu regnen. Auch der Wind frischt auf. Lange hat seinen Helikopter im Griff, auch wenn Böen sein Arbeitsgerät hin- und herschaukeln. Es geht wieder zurück. Zunächst bis Eilenburg. Die Trasse verläuft mitten durch die Muldeaue. Lange geht immer wieder hoch und runter. Fast wie im Parabelflug. Da muss man schon einen festen Magen haben. Lange entdeckt eine Kuhherde auf der Weide. Im großen Bogen fliegt er drumherum. Er achtet darauf, dass die Tiere möglichst nicht verschreckt werden. Inzwischen hat der Regen und Sturm zugenommen. Der Pilot bricht den Kontrollflug aus Sicherheitsgründen ab. "Das macht keinen Sinn mehr. Bei dem Wetter an erkennt man nicht mehr viel." Mit 190 Sachen geht es nach Bad Düben zurück.

Im Gewerbegebiet gelandet, entscheidet das Team neu: Erstmal auftanken und dann auf besseres Wetter warten, um erneut auf Kontrollflug gehen zu können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2014
Von Steffen Brost

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