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Studie: Was bringt Rückkehrer und Neuankömmlinge nach Nordsachsen?

Forschung Studie: Was bringt Rückkehrer und Neuankömmlinge nach Nordsachsen?

Was motiviert Rückkehrer und Neuankömmlinge nach Nordsachsen zu ziehen? Wissenschaftler des Leipziger Instituts für Völkerkunde nehmen den Landkreis unter die Lupe. Dafür werden derzeit Interview-Partner gesucht.

Nordsachsen hat hübsche Ecken, so wie hier am Delitzscher Schloss. Doch ziehen deshalb Leute hierher.

Quelle: Wolfgang Sens

Landkreis. Was motiviert Rückkehrer und Neuankömmlinge, nach Nordsachsen zu ziehen? Darüber wird derzeit eine Studie vom Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) erarbeitet. Und es werden Neu- und Wieder-Nordsachsen für Interviews gesucht. „Sind Sie in jüngerer Zeit in den Landkreis Nordsachsen gezogen? Kommen Sie vielleicht zurück zu Ihren Wurzeln? Was hat Sie bewogen?“ – mit diesen Fragen suchen die Geografen Tim Leibert und Lennart Wiesiolek ihre Interviewpartner. „Wir möchten gern mehr darüber erfahren, wie Sie den Landkreis und Ihr persönliches Umfeld wahrnehmen. Für uns sind alle Menschen interessant, die sich kürzlich entschieden haben, in Nordsachsen zu leben.“

Die Ergebnisse der Studie sollen helfen, eine Zukunftsstrategie für den Landkreis Nordsachsen zu entwickeln. Zeiteinsatz für die Interviewpartner: ein bis zwei Stunden. Das Gespräch wird aufgezeichnet und anonymisiert ausgewertet. Der Ort des Interviews ist frei wählbar. Die Wissenschaftler kommen auch nach Hause.

Interviewpartner gefragt

Jetzt sind die Gespräche angelaufen. „Doch wir suchen nach wie vor Interviewpartner unter anderem besonders aus Eilenburg“, erklärt Tim Leibert. Auch solche wie Cindy Gärditz, die gerade als 16000. Einwohnerin Eilenburgs begrüßt wurde, wären interessant, obwohl sie ein Zuzug aus Delitzsch ist. „Denn dass ein Großteil der Wanderungsbewegungen innerhalb des Landkreises ablaufen, gerät immer wieder aus dem Blick“, stellt der Geograf fest. „Gerade die Bürgermeister der Städte und Gemeinden blicken verständlicherweise immer wieder nach Leipzig. Aber die Leipziger zieht es oft nicht so stark in kleinere Städte wie Dommitzsch oder Mügeln.“ Aber es ist zum Beispiel wiederum noch nicht wirklich untersucht, „warum jemand nach Eilenburg zieht und nicht nach Markkleeberg“, so Leibert.

Erhebliche Veränderungen

Seit Dezember wird an dem Projekt gearbeitet, wurden unter anderem statistische Daten ausgewertet. Ein großes Problem: Daten des Statistischen Landesamtes stammen aus dem Jahr 2015. „Doch gerade 2016 hat Leipzig noch einmal mehr Einwohner ans Umland verloren. Besonders Taucha hat im vorigen Jahr weiteren Zuzug bekommen und jetzt geht es noch weiter in die Fläche“, erklärt der Geograf. Analysiert wurden auch die Standortfaktoren: Verkehrsanbindung, Infrastruktur, besonders die Schullandschaft. „Ein Nachteil im ländlichen Raum sind die langen Wege. Es macht schon einen Unterschied für einen Schüler, ob er in der Freizeit seine Freunde selbstständig mit dem Rad besuchen kann, oder ob er von den Eltern gebracht werden muss.“ Interessant für die Wissenschaftler sind aktuelle Wanderungsmuster, die sich nach Altersgruppen, Geschlecht und Nationalität unterscheiden. „Wobei die Asylbewerber, die ihre Wohnorte nicht frei wählen können natürlich herausgerechnet werden müssen.“

Viel Platz in Nordsachsen

„Mit weniger als 100 Einwohnern pro Quadratkilometer ist der Landkreis Nordsachsen der am dünnsten besiedelte Kreis im Freistaat Sachsen“, so die Beschreibung des Projekts auf der Website des IfL. Aber: „Durch die räumliche Nähe zum wachsenden Oberzentrum Leipzig und die durch das Kreisgebiet führenden regionalen und überregionalen Verkehrsadern hat der Landkreis dennoch bedeutsame Entwicklungspotenziale.“ Problematisch sei jedoch die demografische Situation vieler Gemeinden, die vor allem jüngere Erwachsene, darunter überproportional viele Frauen, durch Abwanderung verlieren.

Chancen aus Leipzig-Wachstum

Das Projekt will Folgen des demografischen Wandels in den unterschiedlichen Planungsräumen des Landkreises Nordsachen erfassen und analysieren. Außerdem will es Chancen untersuchen, die sich aus dem Wachstum der Stadt Leipzig ergeben. Dabei soll nach Wegen gesucht werden, die seit den 1990er-Jahren erkennbare Dreiteilung des Kreises in wachsende Umlandkommunen, Gemeinden entlang der überregionalen Verkehrsachsen sowie überalterte und schrumpfende ländlich-periphere Teilräume zu überwinden. Die Ergebnisse sollen Grundlage für Zukunftsstrategien sein, die auf eine nachhaltige Entwicklung aller Gebiete abzielen. Die Ergebnisse der Studie über die Wanderungsbewegungen nach Nordsachsen soll dann im Herbst vorliegen.

Ländlicher Raum in der Forschung

Das Leibniz-Institut befasst sich auch mit anderen Problemen des ländlichen Raums: So ist es Teil des „RurAction“-Netzwerks, das Untersuchungen über Sozialunternehmen in strukturschwachen ländlichen Regionen anstellt. Denn verglichen mit urbanen Regionen sind ländliche Räume häufig durch geringere wirtschaftliche Produktivität und ein eingeschränkteres Angebot von Gütern und Dienstleistungen gekennzeichnet. Immer mehr junge Frauen und Männer, viele von ihnen mit guter Ausbildung, zieht es deshalb in die Städte. Die Folge: Ländliche Regionen haben es noch schwerer, strukturelle Defizite zu überwinden. Im Rahmen eines Verbundvorhabens analysiert das IfL zudem in den kommenden drei Jahren Innovationsprozesse und Praktiken des Wissenstransfers von Unternehmen abseits der Ballungsgebiete. In vier Modellregionen sollen Strategien zur Förderung des Transfers wissenschaftlicher Forschungsergebnisse entwickelt werden.

Potenzielle Interviewpartner können sich bei Tim Leibert und Lennart Wiesiolek – E-Mail T_Leibert@ifl-leipzig.de oder L_Wiesiolek@ifl-leipzig.de, Telefon 0341 60055188 – melden.

Von Heike Liesaus

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