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"Tankerraub" von Bad Düben beschäftigt Stadtrat

"Tankerraub" von Bad Düben beschäftigt Stadtrat

Einen offiziellen Tagesordnungspunkt zur Freiwilligen Feuerwehr Bad Düben gab es auf der Stadtratssitzung am Donnerstagabend nicht. Thema waren die Floriansjünger trotzdem - und erschienen in geballter Ansammlung.

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Bad Düben. Denn es gibt immer noch Klärungsbedarf - vor allem zu Personalien.

Es ist 19.58 Uhr, als Emil Gaber (Bürgerkreis) als erster das Wort ergreift: "Wir sehen ja nun, dass viele Gäste von der Feuerwehr da sind. Kommt der Punkt noch?" CDU-Stadtrat Jürgen Findeisen kontert: "Steht er auf der Tagesordnung?" Nein, dort steht er nicht, und er soll eigentlich auch nicht mehr kommen. Denn für Freitagabend sei zu einer Beratung bei der Feuerwehr eingeladen worden, erklärt Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG). Dann gehe es darum, einen Dialog zu führen.

Gesprächsbedarf hat Gaber dennoch angesichts "der Geschichte, die durch die Presse tingelt". Gaber bringt seinen Unmut und seine Enttäuschung über die Vorgehensweise von Bürgermeisterin Münster zum Ausdruck. "Man traut sich schon nicht mehr durch die Stadt zu gehen, ohne auf das Thema Feuerwehr angesprochen werden. Ich muss Ihnen ehrlich sagen, das kann auch nicht in Ihrem Interesse sein, in die Chronik einzugehen, dass man jetzt schon sagt, das war der Tankerraub von Bad Düben - in Abwandlung vom Kohlhaas-Pferderaub." Er hält es für bedenklich, wenn ein Stadtoberhaupt seiner Feuerwehr Hausverbot erteilt. In der Geschichte der Feuerwehr Bad Düben habe es so etwas noch nicht gegeben.

Das ist die eine Sache, die ihn an diesem Abend umtreibt. Die andere: Er fühlt sich wie die übrigen fraktionslosen Stadträte Heike Nyari (Bürgerkreis) und Eckehard Tulaszewski (FDP) "übergangen und entmündigt". Denn Münster habe es nicht für nötig befunden, sie zu informieren. "Hier werden Personalentscheidungen getroffen, die nur vier, fünf Leute erfahren. Das ist ein Zustand, den ich nicht für gut halte, und der muss schnellstens geändert werden." Der Name Stadtrat beinhalte das Wort beraten. "Wir wollen die Bürgermeisterin beraten. Aber wir werden ausgeschlossen."

Münster verteidigt sich: Gaber würde jederzeit Informationen erhalten, könne anrufen, eine Mail schicken, im Rathaus vorsprechen und Akteneinsicht nehmen. Der Ältestenrat, Vertreter der Fraktionen, sei aber "das Gremium, wenn es um schnelle Entscheidungen geht". Und dieser sei von ihr über alle Schritte informiert gewesen. Seit dem Frühjahr habe es "ausführlichste Beratungen" zum Tanker gegeben.

Die Proteste von über einem Dutzend Kameraden im Rathaus gegen die Umsetzung nach Tiefensee ist für Münster derweil ein "grober Verstoß gegen die Dienstpflichten" , weil sie mit Dienstfahrzeugen und nicht ihren privaten Autos unterwegs waren. Aus diesem Grund und weil die Feuerwehr den MDR-Sachsenspiegel "ohne die erforderliche Drehgenehmigung auf das Gelände der Stadtteilwehr Bad Düben bestellt" hatte, sei Stadtteilwehrleiter Sven Hindemitt vom Dienst freigestellt worden. Zudem habe er ihr gegenüber "mehrfach deutlich gemacht", dass er mit ihr als Dienstvorgesetzter nicht mehr reden wolle - die Basis für eine Zusammenarbeit war dahin.

Parallel dazu liefen zu diesem Zeitpunkt bereits gegen Hindemitt und seinen Stellvertreter Christian Noack Verwaltungsverfahren. Sie sollen von ihren Funktionen als Wehrleiter und Stellvertreter abgesetzt werden, weil ihnen Qualifikationen fehlen. Eine Aktie daran hat auch der derzeit kommissarische stellvertretende Stadtwehrleiter Georg Seitz, ein Vertrauter der Bürgermeisterin. Bis 29. September können sich Hindemitt und Noack dazu äußern; Noack hat dies bereits in einem zweiseitigen Brief an die Bürgermeisterin getan, in dem er seine Sichtweise schildert, sein Amt als stellvertretender Stadtteilwehrleiter niederlegte und sich vom aktiven Einsatzdienst vorläufig beurlauben ließ. Laut Münster werde der Stadtrat über die Personalien entscheiden. Derzeit führen Matthias Eichler und Thilo Durrey die Stadtteilwehr Bad Düben. Für die FDP ist die vorgesehene Absetzung Hindemitts "mit vielen Fragezeichen behaftet". Sollte sich der Stadtrat gegen ihn aussprechen, drohten etliche Austritte, gibt Tulaszewski zu bedenken.

Die anwesenden Kameraden aus Bad Düben und Tiefensee haben ebenfalls Gelegenheit bekommen, Fragen zu stellen, die Antworten tragen aber nicht wesentlich zur Erhellung in der Sache bei. Die Fraktionen CDU/SPD, Linke und Freie Wähler äußern sich gar nicht.

Gaber und Nyari hätten sich derweil gewünscht, an der Beratung im Landratsamt dabei gewesen zu sein. Doch sie hatten gar keine Einladung erhalten, was Findeisen damit begründet, dass sie keinen Fraktionsstatus hätten. "Deshalb haben wir nichts zur Feuerwehr zu sagen?", entgegnete Nyari. "Das ist ja wohl lächerlich."

 

Und alles nur wegen eines roten Fahrzeuges, eines "Tankerraubs", der gar keiner ist, weil "geraubt von einer Feuerwehr zur anderen - das geht gar nicht", so die Stadtchefin. "Ich kann nur was rauben, was mir nicht gehört. Der Tanker gehört der Feuerwehr Bad Düben. Und dazu gehören Tiefensee, Schnaditz und Bad Düben", erklärt sie und wird in nächster Zeit wohl vor allem damit zu tun haben, die Wogen zu glätten.

Ein Anfang sollte bereits Freitagabend gemacht werden - im Feuerwehrgerätehaus ist es abermals um den Tanker und das Zerwürfnis in der Feuerwehr und mit der Bürgermeisterin gegangen.

Nico Fliegner

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