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Tierschützer protestieren gegen Nerzfarm in Söllichau

Tierschützer protestieren gegen Nerzfarm in Söllichau

An der Nerzfarm in Söllichau bei Bad Düben haben am Mittwoch etwa ein Dutzend Anhänger der Tierrechtsorganisation Peta und Umweltaktivisten, darunter Vertreter der Grünen aus Nordsachsen, eine Mahnwache abgehalten.

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Aktivisten von Peta und den Grünen Nordsachsen halten eine Mahnwache an der Nerzfarm in Söllichau bei Bad Düben ab. Sie fordern die Einstellung der Pelztierzucht.

Quelle: Nico Fliegner

Söllichau. Als Sensenmänner maskiert protestierten sie gegen die Haltungsbedingungen in dem weitgehend abgeschirmten Betrieb und forderten dessen Einstellung.

Kalte, klare Winterluft kitzelt die Nase. So klar wie die Luft sind auch die Forderungen der Tierschützer, die sich vor der Farm versammelt haben: Schluss mit der Nerzhaltung - nicht nur in Söllichau, sondern in der gesamten Republik, wo nach Angaben von Peta derzeit noch elf Farmen betrieben werden.

Mit Plakaten und großformatigen, abschreckenden Bildern, auf denen blutverschmierte, gehäutete Nerze zu sehen sind, machen sie auf die Problematik aufmerksam. Polizeibeamte sichern die Demo ab. Zwischendurch kommt es zu heftigen Kontroversen zwischen den Tierschützern und Nerzfarm-Betreiber Alfons Grosser. Er spricht von "Terror gegen uns Tierhalter" und "Extremisten", denen es gar nicht um das Wohl der Tiere gehe, sondern um das Sammeln von Spendengeldern. Er habe Angst vor Übergriffen; erst vorigen Freitag haben Unbekannte, mutmaßliche "militante Tierschützer", so der 66-Jährige, Käfige geöffnet und Nerze freigelassen (wir berichteten).

Die Peta-Anhänger zeigen sich indes unbeeindruckt: Die Nerze in der Farm würden illegal gehalten, behaupten sie. Denn die Käfige dürfen per Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nicht übereinander gestapelt werden und jedem Tier muss mindestens ein Quadratmeter bei einer Minimum-Käfiggröße von drei Quadratmetern zur Verfügung stehen. Zudem hat sich der Bundesrat erst im Juli für ein grundsätzliches Haltungsverbot von Tieren auf Pelzfarmen ausgesprochen. Doch die Züchter, allen voran Alfons Grosser, ignorierten dies. "Er hat fünf Jahre Zeit gehabt, die Pelztier-Nutzungsverordnung umzusetzen und die baulichen Vorgaben einzurichten. Das hat er nicht gemacht, deshalb wurde beim Verwaltungsgericht eine Verfügung gegen ihn erwirkt, gegen die er natürlich Berufung eingelegt hat. Und seither betreibt er diese Nerzfarm illegal weiter", sagt Patrique-Robert Noetzel, Aktionskoordinator bei Peta.

Grosser wiederum weißt das zurück. Rechtliche Fragen würden derzeit geklärt. "Ein Ergebnis liegt noch nicht vor, jedoch weist das Oberverwaltungsgericht darauf hin, dass bis zur endgültigen Klärung in der Hauptsache die Pelztierhaltung in der jetzigen Form legal ist. Somit sind die Vorwürfe haltlos", erklärt er und verlässt dann die Kundgebung.

Peter Burck, Grünen-Stadtrat in Eilenburg, war gestern vor Ort, lehnt die Nerzhaltung konsequent ab. "Kein Mensch braucht einen Nerzmantel, kein Mensch", betont er. "Was hier passiert, ist eine riesengroße Sauerei", ergänzt Petra Würdig aus Bad Düben. Nerze seien Einzelgänger, die überwiegend an Gewässern lebten und nicht in Käfigen. "Die illegal betriebene Nerzfarm wird von Herrn Grosser rigoros verteidigt, selbst wenn dabei das leibliche Wohl von Tausenden Nerzen und Kritikern vor Ort angetastet und bedroht wird", sagt Peta-Aktivist Noetzel. "Pelz steht für Tod und Leid." Die Nerze in dem Söllichauer Betrieb lebten "in winzigen und verdreckten Käfigen".

Nach Angaben der Tierschützer sollen etwa 22.000 Nerze in der Farm gehalten werden. Der Betrieb gibt dagegen 8000 Tiere an. Peta will jedenfalls nicht locker lassen im Kampf gegen die Pelztier-Industrie. So gab es am Mittwoch noch eine weitere Demo in Chemnitz sowie Anfang der Woche Kundgebungen in Potsdam, Magdeburg und Halle.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2013

Nico Fliegner

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