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Tricksereien mit dem Biber

Tricksereien mit dem Biber


Bad Düben. Für das im Freistaat Sachsen einmalige Projekt „Proaktives Bibermanagement in der Dübener Heide" hat die Naturparkverwaltung im nordsächsischen Bad Düben am Freitag Bilanz gezogen.

. Demzufolge seien insbesondere Konflikte zwischen dem streng geschützten Tier und der Land- und Forstwirtschaft untersucht und Lösungsvorschläge für ein friedliches Miteinander erarbeitet worden.

Einerseits ist er das Wappentier der Naturparkregion, findet sich in einem Logo wieder und in zahlreichen Broschüren, gilt gar als possierlich. Andererseits würde ihn so manch einer am liebsten aus Nordsachsen für immer verbannen – die Rede ist vom Elbebiber. Derzeit haben 297 Tiere (2004 waren es 339) den Naturpark als Lebensraum entdeckt, davon 70 den sächsischen Teil der Dübener Heide. Sie wanderten von Mulde respektive Elbe in die Nebengewässer und fühlen sich offensichtlich biberwohl, was jedenfalls die mitunter enormen Schäden deutlich machen, die sie anrichten. Die Biber schaffen es, ganze Landwirtschaftsflächen und Grundstücke unter Wasser zu setzen. Weil die Wogen hoch schlugen, hat der Naturparkträgerverein vor zwei Jahren die Umweltexperten Andreas Brühl und Stephan Fiedler vom Hallenser Büro Ökotop ins Boot geholt. Finanzielle Mittel für das Bibermanagement stellte das Sächsische Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Verfügung. Und dann galt es, zu schlichten.

Brühl und Fiedler geben gern Einblick in ihre Tätigkeit. Diese sei mitunter „spannend", erzählten sie. „Wir haben zum Beispiel die Arbeit der ehrenamtlich tätigen Biberschutzbeauftragten in Nordsachsen unterstützt und 8000 Datensätze aus den vergangenen 20 Jahren gesichtet und aufbereitet", erklärte Brühl. Ebenso seien 18 tot aufgefundene Biber im Jahr 2010 untersucht worden. Etwa 90 Prozent der verendeten Tiere waren bei einer Kollision mit einem Fahrzeug ums Leben gekommen, fanden Brühl und Fiedler heraus. Auch hier wurden die beiden Experten aktiv, setzten sich beispielsweise für den Bau von Schutzvorrichtungen an Straßenrändern ein.

Besonderer Handlungsbedarf bestand allerdings in der Gemeinde Doberschütz. Nahe der Ortschaft Wöllnau verärgerte Meister Bockert den Landwirt Karsten Ittner von der Agrargenossenschaft Heideglück. Der „Landschaftsarchitekt" staute Bäche an. Dies führte dazu, dass benachbarte Flächen unter Wasser gesetzt wurden und der Agrarbetrieb zunehmend Schwierigkeiten hatte, seine Felder zu bewirtschaften. Die schwere Technik versackte regelrecht.

Schließlich bedienten sich die Bibermanager eines Tricks. Kurzerhand wurde eine vernässte Wiese dem Tier komplett als Lebensraum zur Verfügung gestellt. Heideglück pflanzte zudem 1550 Zwergkopfweiden als Futterressource für den Störenfried. Die Bäumchen wurden eingezäunt, der Biber soll jedoch die herausragenden Zweige als Nahrung nutzen. „Damit wird er bewusst in dieses Gebiet gelotst, damit er andernorts keine Schäden mehr anrichten kann", erläuterte Fiedler den Sinn. Hauptziel sei es immer, den Biber „aus konfliktträchtigen Bereichen in konfliktarme zu lenken".

Nun heißt es aber erst einmal abwarten, ob das alles auch funktioniert. Landwirt Ittner ist noch skeptisch, glaubt im Großen und Ganzen aber an die Maßnahme. „Es ist für uns natürlich bedauerlich, dass wir Flächen hergeben mussten. Aber ich hoffe, dem Biber sind sie würdig", sagte er.

Wie es mit dem Bibermanagement weitergeht, ist derweil noch unklar. „Wir stehen mit dem Ministerium in Kontakt", sagte Naturparkleiter Thomas Klepel.

Nico Fliegner

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