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Bad Düben Umstrittene Nerzfarm bei Bad Düben stellt Betrieb ein
Region Bad Düben Umstrittene Nerzfarm bei Bad Düben stellt Betrieb ein
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09:13 29.07.2016
Die Nerzfarm in Söllichau bei Bad Düben hat ihren Betrieb eingestellt. Das Gelände ist ringsherum mit einem hohen Metallzaun gesichert, Einblicke dadurch unmöglich. Schilder warnen vor dem Betreten. Quelle: Nico Fliegner
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Bad Düben

Die umstrittene Nerzfarm zwischen Bad Düben und Söllichau gibt es nicht mehr. Das bestätigte der Eigentümer Alfons Grosser gegenüber der Leipziger Volkszeitung. „Ich habe aus Alters- und ökonomischen Gründen aufgehört“, sagt der 71-Jährige. Die Betriebsaufgabe sei „auf der einen Seite bedauerlich“, auf der anderen „der Zeit geschuldet“, so Grosser weiter. Dass das Aus für die Pelztierfarm mit verschärften Tierschutz-Verordnungen einherging, die als Konsequenz enorme finanzielle Investitionen in die Anlagen für ihn bedeutet hätten, verneint er. „Das hat nichts mit den neuen Bestimmungen zu tun. Die sind nichtig.“ Beispielsweise dürfen Käfige zur Zucht von Nerzen nicht übereinandergestapelt werden und jedem Tier muss mindestens ein Quadratmeter bei einer Minimum-Käfiggröße von drei Quadratmetern zur Verfügung stehen. Das war in Söllichau nicht der Fall, der Betrieb hätte aufwendig umrüsten müssen.

Käfige bereits abgebaut

Laut Grosser wurden die Käfige bereits zurückgebaut. Im März seien die letzten Tiere in der Farm, die seit 40 Jahren am Standort war, getötet worden, erklärt der Amtstierarzt des zuständigen Landkreises Wittenberg Thomas Moeller. Vor Ort sieht die Anlage dagegen immer noch wie eine Festung aus. Meterhohe Metallzäune ragen ringsum das 10 000 Quadratmeter große Betriebsgelände in den Himmel, gelbe Schilder warnen vor dem Betreten. Wie es dahinter aussieht, bleibt im Verborgenen.

Politiker begrüßen Ende der Zucht

Politiker und Tierschutzorganisationen begrüßen indes das Ende der Nerzzucht in der Dübener Heide. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Tierschützerin Petra Würdig von Bündnis 90/Die Grünen in Bad Düben. Ihre Partei hatte in den vergangenen Jahren die Haltungsbedingungen für die Tiere in der Söllichauer Farm scharf kritisiert. Mit Vertretern von Tierschutzorganisationen wie Peta hatten sie und Parteifreunde, darunter auch Grünen-Politiker Peter Burck aus Eilenburg, vor der Farm protestiert. „Das Ende des Betriebes zeigt doch, dass es sich zu kämpfen lohnt“, so Würdig, auch mit Blick nach Sachsen-Anhalt, wo sich Dorothea Frederking, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen im Landtag, im Kampf um das Wohl der Tiere vor den Karren spannte. Schon im Juni 2013 forderte sie die Betriebsschließung, sprach von „unzumutbaren, qualvollen Zuständen“. Daraufhin war der Druck auf Betreiber Grosser gewachsen. Hinzu kam ein zäher Rechtsstreit zwischen ihm und dem Landkreis Wittenberg um die Zulassung der Pelzproduktion. Ein Verfahren am Verwaltungsgericht Halle ruht allerdings seit 2013. Umweltaktivisten hatten auch immer wieder Befreiungsaktionen gestartet und waren illegal in die Anlage eingedrungen, um die mutmaßlichen Missstände zu filmen und öffentlich zu machen.

Der Bonner Verein Tierschutzbüro begrüßt ebenso „das Ende der Tierqual in Söllichau“. „Wir freuen uns sehr, dass hier die grausame Tierhaltung endlich beendet wurde und keine Tiere mehr leiden müssen“, sagt Jan Peifer, Gründer des Vereins. Er kritisiert, dass Nerze für Modezwecke gezüchtet werden. Bis zu 7000 Lebewesen sollen in Söllichau jährlich für die Mode getötet worden sein. Die Farm war eine von insgesamt neun dieser Art in Deutschland.

Geflügelzucht geplant

Das Betriebsgelände steht nunmehr zum Verkauf. Grosser, der nicht in der Region lebt, nur „hin und wieder mal da ist“, wie er sagt, will es loswerden. „Es ist geeignet für eine gewerbliche Nutzung“, erzählt er. Insbesondere könne man dort Geflügel wie Gänse, Enten oder Hühner halten, schweben dem ehemaligen Pelztierzüchter vor. Einen Käufer hat er allerdings noch nicht gefunden.

Von Nico Fliegner

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