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Valentina aus Tscheljabinsk heißt Flüchtlinge in Düben willkommen

Valentina aus Tscheljabinsk heißt Flüchtlinge in Düben willkommen

Ohne Valentina Düster geht nichts. Das ist bei den Flüchtlingen und Asylbewerbern in Bad Düben keine Frage. Derzeit sind rund 80 Leute aus Syrien, Pakistan, Iran, Irak, Eritrea und Tschetschenien, aber auch aus dem Kosovo und Albanien in Bad Düben auf der Suche nach einer neuen Heimat.

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Valentina Düster im Gespräch mit der 23-jährigen Ayzan Arsanova. Die Tschetschenin sagt über die 64-Jährige: "Sie ist meine Mutter hier."

Quelle: Ilka Fischer

Und für sie alle ist die Russlanddeutsche erste Ansprechpartnerin. Sie heißt sie willkommen, beantwortet auf Deutsch, Englisch und Russisch - letzteres sprechen übrigens recht viele Syrier - Fragen des Alltags, gibt Spenden heraus, begleitet zum Arzt und zu Behörden.

Die Suche nach einer neuen Heimat birgt viele Hindernisse. Die 64-Jährige kennt etliche davon aus eigenem Erleben. "Ich bin in der Millionenstadt Tscheljabinsk aufgewachsen", erzählt Valentina Düster. "Da meine Vorfahren aus Deutschland stammen, wurde bei uns zu Hause auch Deutsch gesprochen", erzählt die Lehrerin weiter, die bis zu ihrer Umsiedlung im Alter von 49 Jahren Englisch und Deutsch unterrichtete. 1999 kam sie mit Eltern, Mann, Sohn sowie mit der Schwester samt deren Familie nach Delitzsch, 2001 nach Bad Düben. Hier war sie in der Begegnungsstätte zumindest zeitweise fest als Sozialpädagogin angestellt, hat aber viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Die in den vergangenen Jahren vor allem mit Russlanddeutschen gesammelten Erfahrungen kommen ihr zugute. "Ich kann mich sicher besser als andere in die Ankommenden hineinfühlen, weiß, mit welchen Sorgen und Problemen sie sich herumplagen."

Mit 63 Jahren wurde sie zwar Rentnerin. Zur Ruhe kam die tatkräftige Valentina Düster damit aber noch lange nicht. Die Flüchtlingsproblematik ist schließlich in ihrer neuen Heimatstadt, in der heute auch dank ihrer Arbeit rund 150 Russlanddeutsche integriert sind, angekommen. Viele Monate hat sie sich der Flüchtlinge ehrenamtlich angenommen, seit 1. Juni wird ihr Engagement von der Stadt zumindest mit einem Minijob gewürdigt. "Doch die Arbeit von Valentina Düster ist nicht bezahlbar", weiß Barbara Paul, die zuständige Sachbearbeiterin im Bad Dübener Rathaus. Und so bekommt sie ihren Lohn nach wie vor mehr in Form eines Lächelns, eines Dankeschöns und eines Schulterklopfens. Und auch mit Sätzen wie ihn Ayzan Arsanova äußert. "Sie ist meine Mama hier", sagt die 23-jährige Tschetschenin, die mit Mann, drei Mädchen im Alter zwischen fünf und zwei Jahre sowie einem drei Monate alten Jungen seit gut einem Jahr in Bad Düben lebt. Dass sie die doch etwas unpraktische Wohnung in der 5. Etage gegen eine andere Wohnung tauschen konnte, das hat sie auch der Initiative ihrer neuen Mama zu verdanken. Denn egal, ob es um Kinderarzt, Kindertagesstätte geht, mit Valentina Düster kann Ayzan alles bereden, was man eben mit einer Mutter beredet. Und Valentina Düster freut sich, mit den bildhübschen kleinen Mädchen spielen zu können, auch weil der eigene Sohn mit seiner Frau wieder in Russland lebt.

Dass die Sprache der Schlüssel zur Integration ist, weiß Valentina Düster als Sprachenlehrerin. Deshalb freut sie sich, dass im September zwei Deutsch-Grundkurse in der Begegnungsstätte beginnen sollen. "150 Stunden sind ein Anfang und eine gute Sache", schätzt sie ein. "Noch besser wäre es, wenn es eine Regelung wie bei uns Russlanddeutschen damals gäbe: "Da war ein halbes Jahr Deutsch lernen für alle Pflicht."

Wer Dinge, die für eine Erstausstattung im Haushalt benötigt werden, oder auch Fahrräder übrig hat, kann diese mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr im Postweg 6 in der Begegnungsstätte abgeben. Rücksprachen sind bei Michael Marschall von Jugendmigrationsdienst der Diakonie unter Telefon 0151/16350622 möglich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2015
Ilka Fischer

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