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Bad Düben Verjüngungskur für Lehmhaus in Authausen
Region Bad Düben Verjüngungskur für Lehmhaus in Authausen
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17:16 19.05.2015
Jön aus Island, Tina aus Dänemark und Robert aus England (von links) bauen eine originalgetreue Feuerstelle im germanischen Langhaus nach. Quelle: Steffen Brost

Der Verein Bildungshaus Heideland Heimvolkshochschule im Landkreis Nordsachsen organisierte in Zusammenarbeit mit dem Verein Dübener Heide diesen Studentenaustausch.

Die Rekonstruktion des aus Lehm und Holz bestehenden Hauses war notwendig geworden, da Witterungseinflüsse stark an dem aus nahezu vollständig aus Naturmaterialien gebauten Hauses nagten. 1999 bauten Peter Kaiser und der Verein das Lehmhaus auf einer Wiese hinter dem Mädchenpferdehof Klepel im Heidedorf Authausen.

"Der Aufbau basierte auf einer Grabung bei Taucha. Dort wurden Archäologen fündig und gruben die Reste eines solchen germanischen Langhauses aus", erzählt Kaiser. "Wir alle waren dermaßen fasziniert, dass wir einen Rekonstruktionsplan machten, um solch ein historisches Gebäude wieder aufzubauen. Hier in Authausen konnten wir schließlich dieses Projekt umsetzen, um möglichst vielen Neugierigen diese Entwicklungsgeschichte zu zeigen", so Kaiser weiter.

Studenten aus Italien, Spanien, England, Island, Slowakei, Polen, Rumänien und Tschechien wirkten an diesem Hausprojekt damals mit. Das Langhaus gilt aus Vorgänger des Fachwerk, da die eingebauten Holzbalken an heutige Konstruktionen erinnern. So kamen neben den tragenden Holzteilen auch Birkenstöcke als Seitenwände, die später mit Lehm beworfen wurden, zum Einsatz. Der pure Lehm wurde vorher mit Kuhmist gemischt, damit er an der Wand länger hält. "Er ist dann flexibel und hat eine gewisse Elastizität", erklärt Kaiser. Das besondere war, dass bei diesem alte Haustyp die Holzpfosten in der Erde vergraben wurden. Und das wurde jetzt zum Problem. "Holz verfault nach einer bestimmten Zeit. Obwohl wir dafür damals Eichenholz, das lange haltbar ist, verwendet haben, wurde es nach 13 Jahren Zeit, diese in der Erde vergrabenen Teile auszutauschen", begründet Kaiser die Arbeiten.

Schon im März wurden die Balken untersucht. An den Eichenpfosten wurde mittels einer Bohrung der Fäulniszustand erkundet und festgestellt, dass eine Reparatur notwendig wird. In dem neuen Projekt kamen Studenten aus Island, Dänemark, Rumänien und Großbritannien zum Einsatz, die parallel die alten Handwerkstechniken aus der Wikingerzeit lernen wollten. "Wir mussten gewissermaßen experimentelle Archäologie anwenden, weil wir vorher nicht genau wussten, wie die Stabilisierung der Pfosten vonstatten gehen sollte. Zum einen wurden Zusatzstützen eingebaut und zum anderen Pfosten abgesägt und auf Stein gestellt", so Kaiser.

In den nächsten Jahren sollen so Stück für Stück die maroden Teile ersetzt werden. Bereits im Sommer wird eine neue Studentengruppe die Arbeiten fortsetzen, zudem mit der Ausstattung des Hauses beginnen. Ursprünglich sollte es als Anschauungsobjekt dienen und Bestandteil eines geplanten Open-Air-Museums werden. Kaiser hofft jetzt, dass sich vermehrt Schulklassen das germanische Langhaus im Rahmen ihres Geschichtsunterrichtes anschauen. "Das ist Entwicklungsgeschichte und lebendiger Unterricht. Besichtigungen sind jederzeit nach Absprache möglich", so Kaiser.

Kontakt: Peter Kaiser, Telefon 0172/9882833, E-Mail: hvhs.pressel@t-online.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2013

Steffen Brost

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