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Von Island in die Dübener Heide: Herr Arni arbeitet als Geo-Lehrer in Bad Düben

Porträt Von Island in die Dübener Heide: Herr Arni arbeitet als Geo-Lehrer in Bad Düben

Seine Schüler nennen ihn kurz und knapp „Herr Arni“. Für den 36-Jährigen kein Problem. Der Isländer Arni Thorlakur Gudnason arbeitet als Geografie-Lehrer am Evangelischen Schulzentrum in Bad Düben und hat in der Dübener Heide mit seiner kleinen Familie eine neue Heimat gefunden.

Arni aus Island arbeitet in Bad Düben und lebt in der Dübener Heide

Quelle: Wolfgang Sens

Bad Düben. Arni Thorlakur Gudnason. An den Namen muss sich erst gewöhnen, wer im Evangelischen Schulzentrum in Bad Düben nach dem Geografie-Lehrer fragt. Auf dem Schulhof ist er schnell zu erkennen, der hagere Typ mit dem langen Bart, dem Strickpullover und dem sympathischen Lächeln im Gesicht, der sich selbst als „locker konsequent bezeichnet.“ Der Mann aus Island verstärkt seit diesem Schuljahr das Kollegium der weiterführenden Schule. Seine Schüler sagen einfach „Herr Arni“ zu ihm. Das passt schon.

Dübener Schulkonzept überzeugt ihn

Die ersten Wochen an der Schule liegen hinter dem Lehrer und Schulassistenten. Arni Gudnason sieht sich in seiner Entscheidung für das Konzept bestätigt. Er habe gezielt nach solch einer Schulform gesucht, die Naturnähe und Reformpädagogik biete. Und „megaspannend“ habe er den Fakt gefunden, „dass es sich hier um eine weiterführende Schule handelt.“ Den Beruf hat er auch in seinem Heimatland ausgeübt. Abitur in Biologie, Bachelor in Theologie, Lehrerdiplom. „Es gibt auch Reformpädogik in Island, aber kein Montessori“, sagt Arni. Schon das wäre ein Grund, weshalb er ehemalige Kollegen gern nach Bad Düben einladen würde, wenn das neue Schulhaus in der Durchwehnaer Straße fertig ist. Die Altersdurchmischung im Unterricht würde die Lehrer in seiner Heimat vor große Herausforderungen stellen: „Da gibt es hier ganz pragmatische Lösungen, auf die wir nicht gekommen sind.“ Umgekehrt macht für ihn den größten Unterschied aus, dass man in Island grundsätzlich an einem Ort eine Gesamtschule von der 1. bis zur 10. Klasse besucht: „Wer in einem Viertel wohnt, besucht auch dort die Schule oder den Sportverein. Das ist eine Selbstverständlichkeit.“ Genau diese Selbstverständlichkeit sei es, so der 36-Jährige, die vielleicht auch die neue Stärke erklären mag, die isländische Fußballer derzeit auf den grünen Rasen bringen. Erst das Erreichen des Viertelfinales bei der EM 2016, jetzt die Qualifikation für die WM 2018. Für den Inselstaat-Mann kein Zufall: „Alle werden gefördert, nicht nur zwei bis drei Naturtalente. Sonst geht es nicht vorwärts.“

Erst Fernbeziehung, dann ging es in die Schweiz

Die Liebe zu seiner Frau war es, die den Mann von der Vulkaninsel aus dem hohen Norden in der Mitte Europas haben landen lassen. Kennengelernt haben sich die beiden 2011. Sie arbeitete damals im Pharmazie-/Chemie-Bereich in der Schweiz, war auf Wanderreise in Island, er war der einheimische Guide. Sie blieben in Kontakt, das Interesse aneinander wurde größer. Eine Fernbeziehung entwickelte sich, die 2013 beendet war, als Arni mit in die Schweiz zog. „Mir ist das damals nicht schwer gefallen. Island ist wunderschön, auch die Kultur ist toll. Aber nach 30 Jahren hat man auch alles irgendwie schonmal gesehen.“

Im Laufe der Zeit bahnten sich aber eigene Sichtweisen ihren Weg. „Die Schweizer sind sehr rücksichtsvoll, aber auch im Zwischenmenschlichen sehr intolerant“, sagt der 36-Jährige. Feminismus sei für die Eidgenossen ein Fremdwort. Für ihn als Skandinavier, der aus einem Land komme, das weltweit bei der Gleichberechtigung die Nummer eins darstelle, sei das eine skurrile Situation. Eingefahrene Wege zu verlassen, werde ebenso nicht gern gesehen. „Vieles in der Schweiz ist hervorragend, aber wir sind dennoch bewusst dort weggegangen.“

Arni ist ein Natur-Mensch

Freier atmen – das könne er in Deutschland. Der bei den Schwiegereltern brachte die Entscheidung. Arni Gudnason stand am Ufer der Elbe und hörte einen Raben. „Ich war echt überrascht. Das war eindeutig ein Rabe und keine Krähe. Sie müssen verstehen; ich komme dorthin ... und da sind ... Raben. Da habe ich mich gleich zu Hause gefühlt.“ Und so war es beschlossene Sache. Wartenburg, die Heimat-Region seiner Frau am Rande des sachsen-anhaltischen Teils der Dübener Heide, wird die neue Heimat des Paares, das mittlerweile Sohn Petur und Tochter Hebba hat.

Dass der Natur-Mensch Arni Gudnason jeden Tag mit dem Auto täglich durchs Biotop fahren muss, stört ihn schon. Aber er ist eben auch Familien-Mensch. Bus und Zug, das geht leider nicht. Die jeweils halbe Stunde Fahrt nutzt er zum Radiohören, zum mentalen Ein- und Abschalten.

Trotz aller Sympathien für die Wälder, Weiten und Schönheiten der Dübener Heide: Den Kontakt in die Heimat Island braucht er. Wandern, Konzerte, die Natur – das zieht ihn regelmäßig zurück. Zudem organisiert er jedes Jahr mit Freunden zusammen DIY Festival Nordanpaunk.

Von Kathrin Kabelitz

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