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Wächterhöfe sollen Städter in die Dübener Heide locken

Projekt Wächterhöfe sollen Städter in die Dübener Heide locken

Die Idee der Wächterhäuser macht in der Dübener Heide Schule. Nach dem Vorbild des Leipziger Projekts, mit dem seit mehr als zehn Jahren Altbauten vor dem Verfall gerettet werden, soll es jetzt auf dem Land Wächterhöfe geben. Junge Menschen aus der Stadt sollen leerstehende Gärten, Datschen oder Höfe wiederbeleben.

Heike Kröber (l-r), Sven Kröber und Kati Ehlert von der Initiative Wächterhöfe.

Quelle: dpa

Dübener Heide. Ein von Rosen umranktes Haus, Sofas auf der Veranda, ein Brunnen im Garten – eine solche Idylle auf dem Land ist der Traum so mancher Städter. In der Dübener Heide können sie ihn sich erfüllen, ohne gleich ein riesiges Anwesen kaufen zu müssen. Der Verein Dübener Heide hat dazu das in Leipzig und anderen Städten bewährte Konzept der sogenannten Wächterhäuser aufs Land übertragen: Ungenutzte Höfe, Datschen und Gärten sollen für eine Zwischennutzung an „Wächter“ übergeben und die Anwesen dadurch auch vor dem Verfall bewahrt werden.

„Für Städter ist Freiraum ein Luxusgut, viele wollen das Landleben erproben. Aber sich sofort Eigentum anzuschaffen, überfordert sie. Da hängt viel Arbeit dran“, erläutert Projektleiterin Kati Ehlert die Idee der Wächterhöfe. Interessierte können sich bei ihr melden, um Landluft auf Probe zu schnuppern. Die Nutzungsverträge sollen jeweils über einige Jahre laufen.

Seit 1996 in der Heide

Die Landbewohner in spé müssten auch nicht gleich einen ganzen Bauernhof bewirtschaften, sagt Ehlert. Denkbar ist es in dem Konzept auch, ein einzelnes Gebäude auf einem von den Eigentümern bewohnten Hof zu mieten. Es gehe weniger darum, dem Leerstand entgegenzuwirken, als darum, den „Wächtern“ das Dorfleben nahezubringen. Irgendwann könnten gerade junge Familien dann ganz aufs Land ziehen, so die Idee.

Heike und Sven Kröber betreiben in Lubast den ersten Wächterhof in der Dübener Heide. Er war eine Ruine, bis die Kröbers 1996 kamen und ihn von Grund auf renovierten. In den 20 Jahren haben sie sich den Hof hergerichtet: Von der Decke über der Veranda hängen Maiskolben, an der Außenwand Aquarelle. Eine Scheune auf dem 9000 Quadratmeter umfassenden Hof steht allerdings noch leer. Die Kröbers wollen dafür einen „Wächter“ finden.

„Infrage kommen Künstler, aber auch Familien“, sagt Sven Kröber. „Im Idealfall könnten wir die Scheune zusammen mit dem Wächter renovieren und dort zum Beispiel Veranstaltungen ausrichten.“ Kröbers betreiben auch einen eigenen Verein, den Merk Mal e.V., mit dem sie soziale Projekte in der Region miteinander vernetzen wollen. Sie können sich vorstellen, ihr soziales Engagement mit ihrem „Wächter“ gemeinsam zu leben.

Rund 30 Interessenten

Bisher gibt es laut Ehlert rund dreißig Interessenten für das Wächterhof-Projekt. Die meisten davon sind Leipziger, manche kommen auch aus Hamburg, Berlin oder nächstgrößeren Städten wie Wittenberg.

Es sei jedoch nicht immer einfach, die alteingesessenen Eigentümer leerstehender Objekte für das Projekt zu erwärmen, sagt Ehlert. „Die Eigentümer müssen das als Chance begreifen, die Willkommenskultur muss erstmal kommen. Auf dem Land ist das anders als in der Stadt.“ In Leipzig vermittelt der Wächterhaus-Verein seit 2004 leerstehende Gebäude zur Zwischennutzung. Viele Künstler und Kreative fanden dort ihren Raum – und retteten bisher 16 Häuser vor dem Verfall.

Die Wächterhof-Idee wird von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Sie ermögliche vor allem jungen Menschen aus der Stadt einen Einstieg ins Dorfleben, erklärt die Stiftung. „Gleichzeitig schafft dies Kosten- und Arbeitsentlastung und auch Hilfe bei der Daseinsvorsorge für ältere Haus- und Hofbesitzer. Auch die Kommune könnte vom Zuzug, und sei er nur am Wochenende, profitieren.“

Von Sarah Emminghaus

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