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Wegen Abwasserbau ab März 2018: Kossaer Bäcker fürchtet um seine Existenz

Straßensperrung Wegen Abwasserbau ab März 2018: Kossaer Bäcker fürchtet um seine Existenz

Kosa soll ein komplett neues Abwassernetz bekommen. Doch nicht alle freut das, ist der Bau doch mit erheblichen Verkehrseinschränkungen verbunden. Bäcker Ralf Tauchnitz fürchtet gar um seine Existenz und wirft Kossaer Kanonenkugeln in die Debatte.

Ralf Tauchnitz bäckt mit seinem leckerem Brot nur „kleine Brötchen“. Bei einer Vollsperrung fürchtet er um seine Existenz.

Quelle: Ilka Fischer

Kossa. Der noch in diesem Jahr beginnende umfassende Abwasserbau in Kossa, bei dem zeitgleich auch Arbeiten in Sachen Trinkwasser, Straßenbau und Renaturierung des Schleifbaches erfolgen, wird nicht von allen Kossaern begrüßt. Manchen macht er sogar Angst. Zu denjenigen, die der ganzen Sache mit einer auch auf Existenzangst gründenden Skepsis entgegensehen, gehört Ralf Tauchnitz. Der 62-Jährige führt das seit den 1930er-Jahren als Bäckerei Krone bekannte Geschäft in der Hauptstraße des Ortes.

Geschäft mit Tradition

„Von 1974 bis 2002 haben meine Schwiegereltern Krone die Bäckerei gehabt“, erzählt der gebürtige Eilenburger, der zu seiner Frau Angela nach Kossa zog. Mit dieser wiederum habe er das Geschäft dann 2002 übernommen. Bis heute bäckt und verkauft er mit ihr vor Ort die ausschließlich traditionell hergestellten Backwaren. Hinzu kommt eine Filiale in Bad Schmiedeberg, in der zwei Verkäuferinnen beschäftigt sind. Damit sich das kleine Unternehmen gegenüber den Schnellbackstrecken in den Supermärkten behaupten kann, hat er beispielsweise seit Jahren auf Urlaub verzichtet. „Wir müssen auch schon so sehr genau überlegen, welche Rechnung wir als erstes bezahlen“, gesteht er und führt weiter aus: „Bei einer Vollsperrung der Straße vor dem Geschäft bliebt mir nur die Insolvenz.“ Schließlich müssten nicht nur die Kunden ans Geschäft kommen können müssen, er sei ja selbst beispielsweise auch auf Mehl- oder Tanklieferungen angewiesen.

Vollsperrung bedroht Existenz

Auch deshalb fragt er sich, warum das in den 1980er-Jahren gebaute Abwassersystem nun schon wieder saniert werden muss. Vielleicht, so sagt er, hätte es in den vergangenen Jahren nur besser gewartet werden müssen? Und warum stehe gleich eine Vollsperrung im Raum? „Die Lkw müssen natürlich raus“, sieht auch er ein. Doch eine halbseitige Sperrung mit Einbahnstraßenregelung müsste unter Einbeziehung der Dorfstraße doch möglich sein.

Die vernachlässigte Wartung, das ist ein Vorwurf, den die Verantwortlichen im Zweckverband Abwassergruppe Dübener Heide, Bad Düben, zu dem die Laußiger Ortsteile Pressel, Authausen und Kossa gehören, von sich weisen. Geschäftsführerin Bärbel Deutrich stellt zudem klar, dass die bis 2020 zu erfüllende Sanierungsanordnung der Unteren Wasserbehörde auch im Verband keine Begeisterung ausgelöst hat.

Landratsamt erarbeitet Verkehrskonzept

Zu den notwendigen Sperrungen in Kossa könnten derzeit noch keine definitiven Aussagen getroffen werden. Im Moment werde bei dem für den Straßenbau zuständigen Landratsamt geklärt, wo für die neue Straße Straßenentwässerungskanäle benötigt werden. „Erst wenn wir dies wissen“, so Thomas Bauer, technischer Leiter des Abwasser-Verbandes, „können wir die Planung für die Ortskanalisation fortführen.“ Aus derzeitiger Sicht werden 2017 noch die Schmutzwasserdruckleitung von Kossa nach Authausen sowie das Hauptpumpwerk in Kossa gebaut. Dafür würde es derzeit auch schon Gespräche mit den Anwohnern geben. Der Kanalbau in Kossa selbst wird voraussichtlich im März 2018 beginnen. „Wie der Verkehr dann tatsächlich geregelt wird, das entscheidet letztendlich das Verkehrsamt beim Landkreis“, so Thomas Bauer. In dessen Verkehrskonzept, für das es noch 2017 erste Gespräche gebe, werde dann auch geklärt, wie beispielsweise der Notdienst und der öffentliche Nahverkehr gewährleistet wird. „Wir sind selbst daran interessiert, die für alle verträglichste Lösung zu finden.“ Und natürlich müssten auch alle Anlieger in ihre Häuser kommen. Er versichert, dass es voraussichtlich im Februar, wenn fest steht, welche Baufirma zum Zuge kommt, auch Gespräche mit jedem einzelnen Anlieger geben wird.

Kossaer Kanonendonner

Und vielleicht kaufen die Verantwortlichen bei einem Vor-Ort Besuch dann sogar auch kräftig ein. Die beim LVZ-Besuch zufällig anwesende Stammkundin Petra Mühlnikel schwärmt nicht nur von dem Brot und Kuchen, sondern vor allem von den kleinen Brötchen. Sie verrät: „Die DDR-Knuppel heißen bei uns nur Kanonenkugeln, weil sie so schön vom Toaster springen.“ Bleibt zu wünschen, dass es bei dieser Art von Geschützdonner aus Kossa bleibt.

Von Ilka Fischer

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