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Weißrussische Kinder erholen sich in der Dübener Heide

Tschernobyl-Folgen Weißrussische Kinder erholen sich in der Dübener Heide

Drei Wochen waren sie in der Dübener Heide – die Jungen und Mädchen aus Weißrussland. Sozusagen auf Kur, denn sie leiden noch immer unter den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe. In der nordsächsischen Region suchten sie Ruhe und Erholung – und dankten mit Tanzauftritten.

Das Kinder- und Jugendensemble Soneijka aus Saschirje bei seinem Auftritt im Dübener Reha-Zentrum.

Quelle: Steffen Brost

Bad Düben/Laußig. Aufgeregt hüpfen die Mädchen vor dem Vortragsraum im Bad Dübener Reha-Zentrum hin und her. Gleich treten sie vor Patienten auf. Es ist Auftritt Nummer acht während ihres fast dreiwöchigen Aufenthaltes in der Region.

Das Kinder- und Jugendensemble Soneijka kommt Saschirje, einem kleinen Dorf nur etwa 80 Kilometer Luftlinie von Tschernobyl entfernt. Bereits zum 22. Mal sind die Weißrussen in Deutschland. Wichtigster Aspekt ist bei jedem Aufenthalt die Gesundheit. Denn nach wie vor gibt es in der Region um Tschernobyl Strahlung. Und das nach 30 Jahren seit der Reaktorkatastrophe. Die Folgen sind vermehrt Hasenscharten bei Neugeborenen, blasse Gesichtsfarbe sowie eine geringe Belastbarkeit der Kinder.

Laut dem Leiter der Elterninitiative Rainer Winkler haben zwei Strahleninstitute bestätigt, dass drei Wochen Urlaub in Deutschland, verbunden mit gesunder Ernährung, das Strahlenpotenzial um 15 Prozent senkt. „Die meisten Familien betreiben noch eine kleine Landwirtschaft. Es hat wohl mit einer Mischung aus Nichtwissenwollen, Gewohnheiten und knappen Finanzen zu tun, dass viele Einheimische Pilze aus dem Wald, Gemüse aus dem Garten und Fische aus dem Fluss essen, obwohl all dies nach wie vor verstrahlt ist“, erzählt Winkler, der schon oft selber in Saschirje war.

Auch in diesem Jahr gelang es der Elterninitiative den fünfstelligen Betrag für den Aufenthalt der Kinder aus Weißrussland zusammenzubekommen. „Wir brauche jedes Jahr etwa 15 000 Euro. Wir finanzieren das größtenteils über Spenden. Ein Teil kommt auch als Fördermittel aus der Stiftung Westöstliche Begegnungen. Für die Kinder ist der Aufenthalt völlig kostenfrei.“

Und so kurbeln Winkler und seine Mitstreiter jedes Jahr nach der Rückkehr der Kinder, um den nächsten Trip im kommenden Sommer zu organisieren. Was nicht immer einfach ist. Alle, die aus einem Nicht-Schengen-Abkommen-Land nach Deutschland einreisen wollen, müssen vorher ihre Fingerabdrücke abgeben. Das muss aber im 1000 Kilometer entfernten Minsk geschehen. „Das kostet Geld, weil die Kinder erst einmal nach Minsk müssen. Auch diese Kosten versuchen wir immer zu übernehmen.“

In diesen Jahr betreuten zwölf Gastfamilien aus Laußig und Umgebung die 20 Kinder. Die Elterninitiative hatte wieder ein tolles Programm zusammengestellt. Auch wenn in diesem Jahr die Erholung im Vordergrund stand, ging es nach Berlin und ins Tropical Island. Traditionsgemäß bedankten sich die Mädchen für den Aufenthalt mit zahlreichen Auftritten. In diesem Jahr traten sie unter anderem in der Uni-Kinderklinik in Leipzig, in der Kulturscheune Schwemsal, im Bad Dübener Reha-Zentrum und beim Authausener Sängertreffen auf.

Mittlerweile sind sie zurück in der Heimat. Für die zehnjährige Darja Newmerschitzkaya war es das erste Mal, dass sie auf eine solche Reise ging. „Mit hat es sehr gut gefallen. Die Städte sind so schön und so groß. Ich habe mir für zu Hause ganz viel Kaugummi gekauft, damit ich noch lange an diese Zeit denke.“

Von Steffen Brost

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