Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Bad Düben Weltumwanderung bei Kaiserwetter
Region Bad Düben Weltumwanderung bei Kaiserwetter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:55 06.06.2010
Freude am Wandern auf dem Kögel-Rundwanderweg. Quelle: Heike Nyari
Anzeige
Pressel

Es ging darum, einen Landsmann auf eine besondere Art zu ehren, der sich 1894 als erster Mensch auf den Weg machte, die Welt zu umwandern.

Wie von Kohlmetz zu erfahren war, legte Kögel innerhalb von zwei Jahren in San Francisco beginnend, 24.000 Kilometer zu Fuß zurück. „Er schaffte eine zur damaligen Zeit unmöglich erscheinende Leistung, die mit Strapazen, Abenteuern aber auch mit eindrucksvollen Erlebnissen bestückt gewesen sein muss", so der Bad Dübener. Man solle heute den Hut vor diesem Mann ziehen, der ein ungeheures Durchhaltevermögen bewies.

Pressel. Am Sonnabendfrüh begrüßten die Heidefreunde Joachim Brinkel und Hans Kohlmetz aus Bad Düben sowie Bürgermeister Lothar Schneider die Wanderer, die sich am Presseler Gustav-Kögel-Denkmal eingefunden hatten.

„Sie haben heute die Möglichkeit, mit uns diese Erdumwanderung auf dem Gustav-Kögel-Rundwanderweg nachzuerleben", fügte Brinkel hinzu. Als sich nämlich die erste Weltumwanderung zum einhundertsten mal jährte, wurde in Pressel 1996 der Gustav-Kögel-Rundwanderweg eingeweiht. Findlinge und Holztafeln entlang der sechs Kilomter langen Route markieren Stationen der Reise.

Unter die Wanderer mischten sich auch drei weibliche Nachfahren der Kögelfamilie. „Gustav Kögel war der Bruder meines Großvaters", erzählte Irmgard Klünkert, die noch heute im Geburtshaus des Weltenbummlers lebt. Im selben Haus wuchs auch ihre Tochter Cornelia Benicke aus Kossa auf, die ebenso an der Wanderung teilnahm, wie ihre Tochter Constanze. „Schön, dass man einen Weg nach einem unserer Vorfahren benennt", sind sich die drei Damen einig. Dass der landschaftlich abwechslungsreiche Pfad gut angenommen wird, konnten Peter und Christa Köhler aus Pressel bestätigen. „Die Dübener Heide ist immer eine Wanderung wert, denn wir haben wunderbare Ecken, wozu auch das Heidewald- und Moorgebietes zählt", betonte der Presseler.

Die älteste Teilnehmerein der Rundwanderung war Ruth Müller. Die Einundachtzigjährige, die viel mit ihrer Freundin Reingard Draba aus Kossa in der Natur unterwegs ist, lobte den wunderschönen Tag, an dem Brinkel so viel Wissenswertes aus dem Leben Kögels zu berichten wusste.

Gustav Kögel wurde vor 150 Jahren in Pressel geboren. Nachdem er im Heidedorf zur Schule ging, wurde er Schneider. 1892 zog es ihn fort in die weite Welt, wo er über Kolumbien die vereinigten Staaten erreichte. Er hatte noch gar nicht lange nordamerikanische Luft eingeatmet, als er sich an einer Wette beteiligte. 1893 brach er den bis dahin bestehenden Rekord von 192 Tagen für den Fußmarsch von New York nach San Francisco. Er durchwanderte rund 6.500 Kilometer durch riesige Ebenen, lange Täler und über Bergpässe. Gustav Kögel aus der Dübener Heide schaffte diese Leistung frohgelaunt, wie es in einer Chronik steht und kassierte 300 Dollar Belohnung. Nun hatte er Wanderluft geschnuppert. 1894 bot ein Zeitungsverlag wieder eine Wette an. Es winkten demjenigen, der es schafft, einmal die Welt zu umwandern, 10.000 Dollar. Kögel und sein Begleiter Fred Thörner willigten ein und waren somit die ersten Menschen, die sich auf das gewagte Abendteuer einließen. Die Bedingungen legten eine vorgeschriebene Route um den Erdball vor. An bedeutsamen Aufenthaltsorten wurde ihre Anwesenheit amtlich bestätigt und von Zeitungen und Verlagen dokumentiert. So war beispielsweise in einer Züricher Zeitung vom Mai 1895 zu lesen: „Gestern Abend sind in unserer Stadt die deutsch-amerikanischen Touristen Gustav Kögel und Fred Thörner eingetroffen, welche auf einer Fußwanderung um die Welt begriffen sind...". In vielen Orten wurden die Wanderer großartig empfangen und sie hielten Vorträge über ihre Reiseerlebnisse.

In den Wettbedingungen war verankert gewesen, Sibirien zu durchqueren, aber das russische Konsulat verweigerte ein Visum für diesen Reiseweg. Die Männer nahmen deshalb eine Route durch die Türkei, durchquerten den Kaukasus und die turkmenische Steppe. Es folgten Städte wie Bombay, Kalkutta, Singapur, Hongkong und Schanghai und Tokio war der Endpunkt ihres Marsches. Mit dem Schiff ging es zurück nach San Francisco, wo ihr Abenteuer begonnen hatte. Die Wette hatte die beiden Deutschen verloren, weil sie Sibirien nicht durchliefen. Aber sie wurden ihrer Leistung wegen geehrt und man zollte ihnen hohe Achtung.

Heike Nyari

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Laußig. Unter dem Dach des Vereins Zukunftswerkstatt Dübener Heide gibt es eine neue Sparte. Neun Frauen aus Laußig und Umgebung haben sich gefunden, um unter dem Namen Laußiger Landfrauen gemeinschaftlich zu agieren.

04.06.2010

Bad Düben. Das Projekt „Bildungs- campus" in Bad Düben nimmt immer mehr Gestalt an. Wie auf einer Info-Veranstaltung am Dienstagabend im Rathaus bekannt wurde, zieht der Bildungsrat die ehemalige Tip-Kaufhalle gegenüber der Mittelschule als Standort für ein neues Gymnasium in Betracht.

02.06.2010

[image:phpfsi3Wp20100601164619.jpg]
Authausen. Spielerisch lernen – das kommt sicher bei allen Kindern gut an. An der Grundschule in Authausen blieben deshalb am Dienstag die Federtaschen und Hefter geschlossen.

01.06.2010
Anzeige