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Bad Düben Wenzel trifft Hein – zur musikalischen Lesung in Bad Dübens St. Nikolai
Region Bad Düben Wenzel trifft Hein – zur musikalischen Lesung in Bad Dübens St. Nikolai
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Das ist dein Applaus - nein, deiner: Hans-Eckardt Wenzel und Christoph Hein am Ende ihrer musikalischem Lesung in der Bad Dübener Stadtkirche. Quelle: Kathrin Kabelitz
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Bad Düben

Hein (71), der Pfarrer-Sohn, aufgewachsen in Bad Düben, und Wenzel (60), groß geworden bei Wittenberg, trafen sich dereinst auf eine Fassbrause am Roten Haus. Diesmal sehen sie sich zur musikalischen Lesung in der gut besuchten Stadtkirche. Am Abend jenes 9. November, der für die friedliche Revolution steht, die aber angesichts kontroverser Debatten um Flüchtlings-Problematik und Fremdenhass in den Hintergrund rückt. Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG) findet bewegende wie mahnende Worte: „Wir haben alle unterschiedliche Meinungen, aber diese Sprache, diese Hetze, dieser Ton, machen mir Angst.

Es gab Wochen, in denen ich mich gefragt habe: Ist diese Stadt noch meine Stadt?“
Christoph Hein weiß, was er Düben zu verdanken hat. Ohne dieses sei sein schriftstellerisches Wirken nicht möglich gewesen. Vor allem aber sei es diese Stadt gewesen „die meine Familie vor 70 Jahren aufgenommen hat“, als die Eltern mit drei kleinen Kindern nach wochenlangem Herumirren als Flüchtlinge eine Bleibe fanden. „Es war eine schwierige Zeit, es kamen über zehn Millionen Menschen, die nichts mehr hatten, in ein Land, in denen die Menschen kaum noch etwas hatten.“ Doch aus dieser Zeit sei die Kraft für Neues erwachsen. Geistreich und charmant wie immer lässt er auch einen Ausflug ins fiktive Guldenberg nicht aus, die  literarische Aufarbeitung seines Lebens im „verschlafenen, mitteldeutschen Landstädtchen“.

Wenzel singt, Hein liest. Anderthalb Stunden lang. Texte in Wort und Lied wie „Sie werden kommen“ oder „Eure Freiheit ist unser Auftrag“ haben im Laufe der Jahre an Aktualität nicht verloren. Ein Abend zwischen Mohn und Kamille – zwischen Sentimentalität, Romantik und Wut. Dann tun sie es gar gemeinsam, singen: „Alle, die es glücklich macht, wünsch ich eine gute Nacht.“ Nach diesem grandiosen Abend dürfte diese den Dübenern vergönnt gewesen sein.

Kathrin Kabelitz

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