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Widerstandskämpfer Oster vor 70 Jahren in Schnaditz verhaftet

Widerstandskämpfer Oster vor 70 Jahren in Schnaditz verhaftet

Am Montag lädt die evangelische Gemeinde um 18 Uhr zu einem thematischen Abendgottesdienst in die Schnaditzer Kirche ein. Während der Andacht wird an Generalmajor Hans Oster erinnert, der am 21. Juli 1944, vor genau 70 Jahren, im Schnaditzer Schlosspark verhaftet wurde.

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Kirchenratsmitglied Wolfram Herrmann (links) und Pfarrer Jörg Uhle-Wettler bei der Vorbereitung des Gottesdienstes.

Quelle: Heike Nyari

Schnaditz. "Oster war führend in der Widerstandsbewegung, der mit Gleichgesinnten versuchte, in der Zeit des Nationalsozialismus dem Rad in die Speichen zu greifen", zitiert Pfarrer Jörg Uhle-Wettler Worte Dietrich Bonhoeffers. So gehörte der deutsche Offizier nachgewiesener Maßen ab Sommer 1938 zu einer Gruppe um Generaloberst a.D. Beck, die intensiv an Plänen zur Ausschaltung Adolf Hitlers und der Durchführung eines Staatsstreichs arbeitete. Oster soll demzufolge nicht nur Informationen geliefert haben, sondern war auch aktiv an Planungen und Absprachen beteiligt.

Zwei vorbereitete Attentatsversuche im März 1943 scheiterten, worauf Oster kurz danach vom Dienst suspendiert wurde. Von nun an stand er unter laufender Beobachtung und wenig später entschied man sich, Oberstleutnant Graf von Stauffenberg in die Vorhaben einzuweihen. Oster zog sich zurück und verbrachte seit seiner Suspendierung viel Zeit auf Schloss Schnaditz. Zu jener Zeit lebte die Erbengemeinschaft dreier Geschwister auf dem Rittergut. Es waren Walter Martini und seine beiden Schwestern Käthe und Gerda. Die Schwester vom Generalmajor, Marie, war mit Walter Martini verheiratet und lebte ebenfalls auf dem Schloss.

Es war um die Mittagszeit, als der örtliche Schäfer und seine Frau eine große schwarze Limousine mit der Hakenkreuzstandarte aus Richtung Düben auf das Schloss zufahren sahen. Die hohe Geschwindigkeit und die verdunkelten Fenster waren ein wenig angsteinflößend. Und nur wenig später fuhr das Fahrzeug in ebensolchem rasanten Tempo wieder von dannen. Die Neuigkeit über die Verhaftung des Offiziers verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Dorf, denn schließlich war der ältere Herr, der täglich im Park spazieren ging, kein Unbekannter.

Acht Monate nach seiner Verhaftung in Schnaditz wurde Hans Oster kurz vor Kriegsende am 9. April 1945 auf Befehl Adolf Hitlers gemeinsam mit Wilhelm Canaris und Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. "Wir sind stumme Zeugen böser Taten geworden und benötigen Zivilcourage und Mut", lautet das Thema des Gottesdienstes am Montag. Es ist ebenfalls ein Zitat Bonhoeffers aus seinem Buch "Widerstand und Ergebung".

"Wir begrüßen auch Pfarrer Sieghard Mühlmann vom Förderverein der Leipziger Versöhnungskirche in der Hans-Oster-Straße", so Jörg Uhle-Wettler. Der Bad Dübener Pfarrer beschäftigt sich mit dem Thema Widerstand im Nationalsozialismus und den Biografien der Attentäter schon seit Langem. Mit seinen Kollegen Karl-Heinz Uth und Friedemann Steiger weilte er auch zu einem Studienaufenthalt in Polen. "Die Verbindung zu Hans Oster kam erst, als ich nach Bad Düben kam und von der Verhaftung in Schnaditz erfuhr", so der Bad Dübener Pfarrer weiter. "Wir werden zum Gottesdienst an den Offizier erinnern und Bonhoeffer-Texte lesen."

Im Anschluss an den Gottesdienst lädt das Kirchspiel zum Beisammensein mit Abendbrot unter die Kastanie ein - so gegen 19 Uhr wird das sein. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. Für ein paar zusätzliche Schüsseln Salat wäre die Kirchgemeinde dankbar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2014
Von Heike Nyari

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