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Wo Holz ein Gesicht bekommt

Wo Holz ein Gesicht bekommt


Tornau. Sommerzeit gleich Sommerlochzeit? Davon will man im Naturpark Dübener Heide, 30 Kilometer nördlich von Leipzig gelegen, nichts wissen.

. Am Wochenende steigt dort das mittlerweile größte Sommerfest der Region – der Internationale Holzskulpturenwettbewerb, den eine kleine Gemeinde und ein Verein zum zwölften Mal in Folge stemmen. Eine jährlich wiederkehrende Mammut-Aufgabe für die Veranstalter und ein Fest, dem stets steigende Besucherzahlen gewiss sind. Dabei sind die Gäste an eines besonders interessiert: Die vielen Künstler aus aller Herren Länder, die um ihre Gunst buhlen.

Das sind sie also, die von Heidemaler und Fest-Erfinder Wolfgang Köppe angepriesenen „Klamotten". Jene wuchtigen Baumstämme von ein bis drei Metern Höhe und mit einem Durchmesser von etwa 70 bis 100 Zentimetern, die am Sonnabend und Sonntag unter die Kettensägen kommen. Holz made in der Dübener Heide. Pappeln und Eichen sind darunter, die dieser Tage mit schwerer Technik auf dem Festplatz an Weichers Mühle, einem Kleinod im beschaulichen Hammerbachtal an der Bundesstraße 2 unweit der Kurstadt Bad Düben, in Stellung gebracht wurden. Denn „ohne Bäume wär‘ die Welt öd und leer", gibt der 85-jährige Köppe das Motto des diesjährigen Festes zu Protokoll. Und Axel Mitzka, Vorsitzender des Vereins Dübener Heide, ergänzt mit prüfenden Blicken: „Jetzt können sich die Künstler daran zu schaffen machen." Beste Qualität habe das Holz, um der Kreativität der Schnitzer freien Lauf zu lassen.

Dieses Jahr erwarten die Fest-Macher 39 Kreative aus ganz Deutschland sowie der Ukraine, Weißrussland und Großbritannien, die an den Start gehen. So viele wie in keinem Jahr davor. Was vor zwölf Jahren mit fünf einheimischen Hobby-Künstlern, drei Marktständen, viel Regen und vielleicht 150 Zuschauern begann, hat sich von Jahr zu Jahr zu einem regelrechten Event gemausert. Zwischen 5000 und 8000 Besucher kommen im Schnitt. „Wir haben dazu gelernt und sind professioneller geworden", sagt Enrico Schilling, CDU-Ortsbürgermeister des 600 Einwohner zählenden Heidedorfes Tornau. Ohne Ehrenamt würde das Fest allerdings nicht funktionieren. Der Heideverein, die Feuerwehr im Dorf, Partnervereine und Organisationen sind mit von der Partie. Ein ortsansässiger Landwirt stellt seine Wiese zum Parken zur Verfügung, Löcher im Anfahrtsweg beseitigt die Kommune, Biertischgarnituren und Stände bauen die Floriansjünger auf. Das Fest gilt mittlerweile als touristisches Zugpferd in der Region, lockt vor allem Besucher aus der Leipziger, Hallenser und Dessauer Gegend. Es sollen „die Städter", wie Mitzka sie nennt, bewusst in die Dübener Heide gelotst werden mit dem Ziel: Wenn sie einmal da sind, interessieren sie sich hoffentlich auch für mehr als den Schnitz-Wettbewerb als solchen und kommen wieder. Besuchen die Heidemagneten, ein Sammelsurium der schönsten Ausflugsziele, die immer am ersten Sonntag eines Monats mit Angeboten aufwarten oder nehmen an einer Tour mit den Naturparkführern teil, die mal auf Entdeckungsreise ins Moor gehen oder die Fischadler und Biber aus nächster Nähe beobachten. Das Fest sozusagen als eine etwas andere Art der Tourismusförderung für die Naturparkregion – eine Idee, die funktioniert. „Wir waren seit jeher die klassische Ausflugsregion für den Leipziger", erzählt Mitzka, die aber mit dem neu entstandenen Neuseenland im Südraum von Leipzig enorme Konkurrenz bekommen hat. Deshalb versucht sich die Heide mit ihren Angeboten deutlich abzugrenzen: Die einen haben den Wald, die anderen das Wasser.

Dass der Wettstreit einmal als Magnet für sich stehen und Tausende in den Bann ziehen würde, hätte Raik Zenger, Holzskulpturen-Künstler aus Bad Düben, anfangs nicht gedacht. Er gehört zu den Machern der ersten Stunde, kümmerte sich zunächst um die Gastronomie. Mittlerweile legt er selbst Hand an und verarbeitet jedes Jahr mit seiner Kettensäge einen Baumstamm zu einer imposanten Skulptur. Der Lokalmatador wollte diesmal eine Meerjungfrau schnitzen, die dem Goitzsche-See bei Bitterfeld-Wolfen entsprungen ist. Doch Mentor Köppe hat etwas anderes für ihn im Blick. Zenger wird nunmehr aus einem Dreimeter-Stamm zwei Biber sägen. Der eine nagt von oben, der andere von unten. Und in der Mitte treffen sie sich. Die Figur soll später am neuen Naturparkhaus in Bad Düben einen Platz einnehmen. „Ich hoffe, dass ich die Idee gut umsetzen kann", sagt er. Und insgeheim hofft er wie die anderen Künstler auch auf einen vorderen Platz. Denn sowohl das Publikum kann per Stimmzettel für die Lieblingsfigur voten als auch eine Jury unter Köppes Vorsitz, die die Arbeiten nach künstlerischen Kriterien bewertet. Axel Glanz aus dem Fläming spielte zuletzt ganz vorn mit. Der junge Mann gewann bereits zweimal den begehrten Zuschauerpreis und will es diesmal wieder wissen. Ebenso wie Günther Wurl aus Leipzig, der mit seinem „Gast aus Afrika" punktete.

Was wohl diesmal am Ende herauskommen wird? „Man darf immer gespannt sein, was in den Köpfen der Künstler gerade herumschwirrt", sagt Altmeister Köppe. Dem 85-Jährigen sieht man die Vorfreude aufs Schnitzer-Fest an. Und auch Dorf-Bürgermeister Schilling ist erwartungsvoll. „Die Organisation steht, hoffen wir auf gutes Wetter." Aber selbst wenn Petrus die Himmelsschleusen öffnen sollte, werden die Kettensägen kreischen. „Das haben wir alles schon durch. Unsere Künstler sind hart im Nehmen", sagt Schilling.

Erwachsene zahlen 3, Kinder 1 Euro Eintritt pro Tag. Wer ein Ticket für zwei Festtage bucht, zahlt 5 beziehungsweise 1,50 Euro (Kinder).

Weitere Informationen erhalten Sie unter Telefon 034243/50881 oder im Internet unter www.naturpark-duebener-heide.com

Nico Fliegner

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