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Wo der Stahl in die Erde gleitet

Wo der Stahl in die Erde gleitet


Bad Düben. Es ist eines der bedeutenden Hochwasserschutz-Projekte, das die Landestalsperrenverwaltung in Nordsachsen derzeit realisiert: Der Bau des „Polder Löbnitz" bei Bad Düben, ein riesiges Auffangbecken für den Fall eines Jahrhunderthochwassers mit Ein- und Auslaufwerken sowie Ringdeichen, das sich bis Löbnitz erstreckt.

. Über den Baustand informierte sich am Montag Sachsens Agrar- und Umweltminister Frank Kupfer (CDU) am Ort des Geschehens.

Lärm ist diesmal nicht zu hören. Auch die Erde bebt nicht, was ungewöhnlich ist, wenn zwölf Meter lange und tonnenschwere Stahlspundwände in die Tiefe gerammt werden. Von einem Rammen kann auch nicht wirklich die Rede sein bei der Spezialtechnik, die hinter den Werkshallen des Maschinenbauers Profiroll Technologies zum Einsatz kommt und auf die Rudolf Schäfer, Chef der Bau- und Haustechnik Bad Düben, ein wachsames Auge hat. Eher von einem Gleiten. Der Boden dürfe nicht weiter erschüttert werden, erklärt Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung das „Monstrum" am Muldeufer. Dies würde die Produktionsabläufe bei Profiroll gefährden. Deshalb seien Schwingungssensoren und eine Sirene im Einsatz, die immer dann Alarm schlägt, wenn ein Grenzwert überschritten wird.

Was Staatsminister Kupfer in Bad Düben zu sehen bekommt, ist erst der Beginn des Großprojektes „Polder Löbnitz". Im Südwesten der Kurstadt wird bis 2013 eine 1120 Meter lange Hochwasserschutzanlage entstehen, die das an der Bundesstraße B 2 vorhandene Gewerbegebiet vor einem Hochwasser der Mulde schützen soll. Danach folgen weitere Abschnitte in Wellaune, Schnaditz und Tiefensee sowie zwischen Roitzschjora und Löbnitz.

Der Maschinenbauer Profiroll begrüßt das Polder-Projekt, das nunmehr Formen annimmt. Dieses sei „ein großer Schritt zurück zur Natur", sagt Geschäftsführer Werner Ende. Der Polder ermögliche, dass die Mulde ihren natürlichen Fluss findet. Für den Profiroll-Chef „ein Kompromiss zwischen Mensch und Natur". Das Unternehmen war im Jahr 2002 vom Hochwasser betroffen, hatte einen Millionen-Schaden zu beklagen, obwohl es schnell reagierte und die Hallen mit Sandsäcken sicherte. Die Natur war am Ende mächtiger. Profiroll gab ihr jetzt etwas zurück – nämlich Bauland als Ausgleichsfläche, verbunden mit einem Wunsch an die Politik: mehr Kommunikation und weniger verstecken hinter Paragrafen und Gesetzen.

Kupfer stellt derweil fest: „Grimma läuft auf Hochtouren, Eilenburg ist fertig und Bad Düben auf dem Weg in die richtige Richtung." Der Minister gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass es „keinen Maximalschutz" gebe. Die Eigenvorsorge eines jeden Bürgers und Unternehmens sei nach wie vor wichtig. Bis Ende 2011 seien allein in Nordsachsen etwa 1000 Gewässerschäden beseitigt worden, 530 Millionen Euro habe der Freistaat seit 2002 in den Hochwasserschutz landesweit investiert, bis 2020 sollen es eine Milliarde Euro sein. Allein an der Mulde habe es 2002 knapp

100 Deichbrüche gegeben.

Während es also dank des vorzeitigen Baubeginns in und um Bad Düben vorangeht, müssen sich die Löbnitzer noch in Geduld üben. Für ihren Bereich gebe es noch kein grünes Licht, bedauert Bürgermeister Axel Wohlschläger (CDU). „Wir warten praktisch jeden Tag auf den vorzeitigen Baubeginn", zeigt er sich hoffnungsvoll.

Nico Fliegner

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