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Bad Düben Zahl der Crystal-Konsumenten ist in Eilenburg rasant angestiegen
Region Bad Düben Zahl der Crystal-Konsumenten ist in Eilenburg rasant angestiegen
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13:49 19.05.2015

Eilenburg eine Drogenhochburg? Revierleiter Bernd Klose und Polizist Michael Fengler relativieren die Zahlen. Sie resultierten vor allem daraus, dass die Beamten seither verstärkt Kontrollen durchführen. "Wir haben das Problem mit den Drogen aus dem Dunkeln geholt", sagt Klose.

Der Revier-Chef will die Problematik weder runterspielen noch dramatisieren, vielmehr auf die Gefahr aufmerksam machen, die der Konsum mit sich bringt. In den meisten Fällen seien Leute ertappt worden, die die Mode-Droge Crystal konsumiert hatten, teilweise berauscht bei Fahrzeugkontrollen auffielen. Was dann folgte, war eine Ordnungswidrigkeitsanzeige und eine wegen Besitzes von Betäubungsmitteln, die strafrechtliche Relevanz hat. 96 Fälle bedeutet indes nicht 96 Straftäter. Viele seien bereits mehrfach gestellt worden, so der Revierleiter. Es tauchten aber auch neue Namen auf. "Erschreckend ist, dass die Leute immer jünger werden", sagt Michael Fengler. Der Handel sei nicht mal das Hauptproblem, vielmehr der Konsum - mit schlimmen Folgen. "Wer Crystal das erste Mal nimmt, verspürt sofort ein Glücksgefühl. Und das will er immer wieder erleben", weiß der Polizist.

Zu den häufigsten Konsumenten in Eilenburg gehören die 16- bis 20-Jährigen. Eltern merkten dies, wenn sich die Persönlichkeit ihres Kindes verändere, wenn die Stimmung schwanke, wenn sie besonders euphorisch, die Pupillen der Augen erweitert seien und wenn sie sich abkapselten. Die Droge könne dafür sorgen, dass man vier Tage am Stück wach bleibt. Sie verändere das Hautbild, schädige auf Dauer das Gehirn. Konsumenten würden zunehmend hager, bauten körperlich ab. Crystal kann geraucht, geschnupft oder gespritzt werden. Am häufigsten kursiert die Droge in kleinen Tütchen, sieht aus wie grobes Meersalz. Treten diese Merkmale auf, sollten Eltern alarmiert sein.

Auch in der Stadt Bad Düben sei die Droge bei Jugendlichen angekommen, schildert eine Leserin, die anonym bleiben will, weil sie sonst "die Sicherheit meiner Familie gefährden" würde. Sie sagt: "Bad Düben versinkt im Drogen-Sumpf", betroffene Eltern von süchtigen Jugendlichen würden das Thema allerdings totschweigen, "weil sie sich grenzenlos schämen und meinen, erzieherisch versagt zu haben". Die Stadt benötige eine Suchtberatungsstelle statt Bootsanleger und S-Bahn-Verkehr, fordert sie. Eilenburgs Revierleiter Klose konstatiert, dass es in der Kurstadt im Vergleich zu Eilenburg weniger Drogendelikte gebe. "Die Fallzahlen sind minimal. Dort beobachten wir keinen schnellen Anstieg."

Hilfsangebote für Süchtige hält indes das zur Behindertenwerkstatt Delitzsch gehörende Medizinische Versorgungszentrum vor. Es betreibt Suchtberatungsstellen in Delitzsch und Eilenburg. Die Aussagen von Suchttherapeutin Cornelia Engelhardt decken sich mit denen des Eilenburger Revierleiters. "In unserer Eilenburger Außenstelle haben wir einen enormen Anstieg verzeichnet." Vor allem junge Frauen mit Kindern kämen zur Beratung. In Delitzsch sind die Fallzahlen dagegen auf gleichbleibendem Niveau.

Neben Kontrollen setzt das Eilenburger Revier verstärkt auf Prävention, vermittelt Konsumenten an Suchtberatungsstellen, hält die Arbeit von Vertrauenslehrern an Schulen und Jugendsozialarbeitern wichtig. "Wir versuchen, die Jugendlichen zu überzeugen, wie schädlich Crystal ist. Aber nur acht bis zehn Prozent ist das wirklich bewusst", sagt Fengler. © Kommentar

Die Suchtberatungsstelle in Eilenburg befindet sich im Dr.-Külz-Ring 9, ist telefonisch unter 03423/7583240 oder per E-Mail an sucht-eilenburg@wfbm-delitzsch.de erreichbar. Geöffnet ist täglich. Internet: www.wfbm-delitzsch.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Von Nico Fliegner

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