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Bad Düben Dübener Kurrende feiert 40. Geburtstag
Region Bad Düben Dübener Kurrende feiert 40. Geburtstag
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11:05 08.06.2018
Rückblick in schwarz-weiß: Die Dübener Kurrende bei einem Auftritt Anfang der 1980er Jahre in der frisch renovierten Kapelle auf dem Stadtfriedhof. Rechts im Anzug: Kurrende-Gründer und Altkantor Lothar Jakob. Quelle: privat
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Bad Düben

 Großes Jubiläumskonzert der Kurrende am Sonnabend in Bad Düben: An der Obermühle feiert der Chor seinen 40. Geburtstag (Beginn: 19 Uhr/Tickets: Abendkasse). Die aktiven Sänger und etwa 30 ehemalige Kurrendaner werden ein Wunschkonzert gestalten – vorab durften die Chormitglieder Lieder vorschlagen und auswählen. Freitag wird gemeinsam geprobt, auch Kurrende-Gründer Lothar Jakob ist mit von der Partie. Besonders erfreulich im Jubiläumsjahr: Nachwuchssorgen plagen den Chor nicht. Seit Jahresbeginn sind 13 neue Kurrendaner mit dabei. Ein Geheimnis des Erfolgs ist auch die junge Kantorin Elisabeth Neumann, die seit September 2016 in der Kurstadt den Takt angibt.

Elisabeth Neumann (28), Kantorin der Bad Düben Quelle: Helge Eisenberg

 Frau Neumann, Sie sind jetzt seit anderthalb Jahren Kantorin der Dübener Kurrende. Viele schätzen Ihre offene, fröhliche Art. Ist Ihre Stimmung tatsächlich immer in Dur oder auch mal in Moll?

Natürlich kann auch ich nicht immer fröhlich sein. Es gib sicher Momente, die nicht so glücklich sind, das kennt jeder. Aber ich versuche mit meiner Art, die Sängerinnen und Sänger für die Musik zu begeistern. Das Schöne ist: Da kommt auch ganz viel zurück. Selbst in Konzerten kann ich mich mal fallen lassen, der Chor trägt mich.

Die Kurrende feiert 40. Geburtstag, der Posaunenchor wird 70. Was können Sie mit dieser Tradition anfangen?

Sehr viel. Ich bin dankbar, dass ich hier in Bad Düben auf diese Tradition aufbauen kann und nicht von Null loslegen musste. Ich profitiere da sicher ganz viel von der Arbeit meines Vorgängers Lothar Jakob. Ich spüre aber auch eine besondere Verbundenheit, die die Chorsänger mit ihrer Geschichte haben. Zum Beispiel wenn wir Stücke proben, wo mir dann Sänger sagen: Das kenne ich noch, das haben wir vor Jahren an diesem oder jenen Ort aufgeführt.

Sie probieren neben Klassikern der Kirchenmusik auch immer wieder neue, unbekanntere Werke aus. Wie experimentierfreudig ist der Chor, wie aufgeschlossen das Dübener Publikum?

Der Chor ist zum Glück sehr experimentierfreudig! Natürlich gefällt nicht jedem jedes Musikstück. Aber es gibt eine sehr große Neugierde. Und unserem Publikum kann man tatsächlich einiges zumuten – unsere Musiken werden mit großer Offenheit angenommen, darüber bin ich sehr froh. Dennoch ist mir die Verbindung wichtig: Wir wollen traditionelle Musik pflegen und den Blick für neuere Kompositionen weiten. Beides hat seinen Platz im Kurrende-Programm.

In diesem Jahr können Sie 13 Neu-Kurrendaner begrüßen. Solch einen großen Schwung an jungen Nachwuchssängern gab es noch nie…

…und das ist doch toll, oder?! Ich denke, ein Grund ist, dass einer den anderen mitzieht. Wenn ein Junge zu seinem Freund sagt: ,Ich gehe heute zur Schnupperprobe. Komm doch einfach mit!’ – dann lässt sich der andere davon vielleicht auch mal anstecken. Wir haben übrigens einen starken Jungen-Jahrgang.

Das lässt ja später für die Männerstimmen im Chor hoffen. Wie gelingt es, die Kinder bei der Kurrende zu halten? Kirchenmusik gilt ja nicht gerade als hip?

Ja, mag sein. Aber die Kurrende ist schon etwas ganz besonderes. Ich habe das wieder auf unserer letzten Chorfahrt im Mai in Oberfranken gespürt, wie Jung und Alt gemeinsam ihren Spaß hatten. Man hört in dieser Gruppe genauer zu, hilft sich, lernt ständig neue Sachen. Da entstehen tiefe Freundschaften, die es sonst so nicht geben würde. Und wir haben natürlich unsere Konzerte als Highlights. Vor Publikum selbst schwere Werke gut zu singen und dafür dann Beifall zu bekommen, das ist auch für Kinder schon eine sehr reizvolle Erfahrung.

Lustige Chorfahrten, große Konzerte und unzählige Proben: Die Dübener Kurrende ist mehr als nur ein Chor. In der Gemeinschaft der jungen Musiker entstehen tiefe Freundschaften, die oft jahrzehntelang halten. Und selbst ehemalige Sänger kommen von dem Chor niemals ganz los: Einmal Kurrendaner, immer Kurrendaner!
Der erste Auftritt der neuen Kurrendaner (links vorn) beim Dreikönigssingen Anfang Januar in der Katholischen Kirche Bad Düben. Quelle: Olaf Majer

Wie wichtig ist die Verbindung Evangelische Grundschule-Kurrende?

Sehr wichtig. Ich merke das ja in den Proben, dass für Viertklässler Zweistimmigkeit oder ein Kanon kein Problem ist; dass Notenwerte vom Blatt gelesen werden können. Mit der Ward-Methode als frühkindliche Musikerziehung bekommen die Kinder eine hervorragende Grundlage, von der wir im Chor nur profitieren können. Um diese Verbindung von Musikunterricht an der Schule und Chorarbeit werde ich von Kollegen oft beneidet.

Abseits der Musik: Sind Sie in der Kleinstadt Bad Düben angekommen, auch wenn Sie in Leipzig wohnen?

Ich bin tatsächlich in Bad Düben angekommen. Ich nehme hier inzwischen mehr am Stadtleben teil als in Leipzig. Viele kennen und grüßen mich oder sprechen mich spontan an. Und selbst in Leipzig treffe ich auf Dübener. Aber ich genieße es auch, in Leipzig einen Rückzugsort für mich zu haben.

Was brauchen Sie zum Ausgleich neben der Musik?

Da bin ich tatsächlich noch auf der Suche. Ich lese jetzt wieder mehr als früher. Und ich höre Musik aus anderen Genres. Zum Beispiel habe ich Whitney Houston gerade wieder für mich entdeckt, eine Wahnsinns-Stimme! Also, ich bin da für vieles offen. Nur Sport als Ausgleich – das wird es eher nicht sein.

Im Jubiläumsjahr singen beim Festkonzert am Sonnabend auch viele ehemalige Kurrendaner mit. Können die überhaupt noch mithalten?

Das denke ich schon (lacht). Wir werden es bei der Auswahl der Stücke auch nicht übertreiben. Ich bin natürlich trotzdem gespannt, wie sich das zusammenfügt.

Wenn Sie einen Wunsch frei haben: Welches große Werk möchten Sie mit der Kurrende eines Tages unbedingt aufführen?

Ich träume von Karl Jenkins „The armed man“. Ein großartiges Werk, das zwar nicht in ein paar Wochen einstudiert ist. Ich glaube aber, das wir das eines Tages machen. Mit Jenkins hat die Kurrende ja auch schon Erfolg gehabt: „Stabat mater“ aus dem Vorjahr kam beim Publikum gut an.

Interview: Olaf Majer

Von Olaf Majer

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