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Zweites Bürgersolarkraftwerk soll vom Eigenverbrauch profitieren

Zweites Bürgersolarkraftwerk soll vom Eigenverbrauch profitieren

Um die Pläne für ein zweites Bürgersolarkraftwerk in Bad Düben ist es ruhig geworden. Doch vom Tisch sind sie nicht. Vielmehr will der Ökologische Beirat nunmehr seine Strategie ändern und bei Projekten dieser Art künftig auf den Eigenverbrauch statt der bislang lukrativen Einspeisevergütung setzen.

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Auf den großen Wohnblöcken in der Stadt wie hier Am Schalm könnten neue Bürgersolarkraftwerke entstehen.

Quelle: Nico Fliegner

Bad Düben. Günter Dietzsch, Vater der Öko-Bewegung in Bad Düben, blättert in der aktuellen Ausgabe einer Fachzeitschrift, die sich mit dem Thema Fotovoltaik beschäftigt. Der Markt sei nach wie vor in Bewegung, sagt er. Doch er sei zurückgeworfen worden, um ein paar Monate jedenfalls.

Ende März hatte der Bundestag eine neue Vergütung beschlossen, die bereits ab 1. April gelten sollte. Die Länder rebellierten gegen die Kürzungspläne, eine Einigung gab es schließlich Ende Juni im Vermittlungsausschuss. „Wir mussten zunächst mal abwarten, was am Ende rauskommt", erklärt Dietzsch. Deshalb lagen die Pläne ungewollt auf Eis. „Der überarbeitete Entwurf liegt uns jetzt vor. Und er ist eine gute Grundlage, neu zu planen", kündigt Dietzsch an.

An einem zweiten Bürgersolarkraftwerk hält der Öko-Beirat nach wie vor fest. Und Interessenten gebe es bereits. In den Fokus ist dabei das Objekt der Kindertagesstätte „Spatzenhaus" geraten, ein großflächiger Flachbau. Ein Unternehmen und drei potenzielle Bürger aus Bad Düben wollen dort in eine Anlage investieren. Doch für Dietzsch wäre es dann kein Bürgersolarkraftwerk im klassischen Sinn. Das ist zumindest seine persönliche Meinung. „Ich begrüße das. Das ist gut für den Klimaschutz, zweifelsohne", betont er. Doch die Zahl der Interessenten ist zu gering, um dem Namen Bürgersolarkraftwerk gerecht zu werden, zumal das Unternehmen ankündigte, notfalls auch allein in eine Fotovoltaikanlage investieren zu können.

„Wir müssen uns künftig anders orientieren, den Schwerpunkt von der Netzeinspeisung auf den Eigenverbrauch legen." Das sind die Folgen der neuen Gesetzeslage: Strom produzieren und selber nutzen bringt langfristig mehr als ihn zu verkaufen. Deshalb sind Kita-Gebäude oder Schulen, die relativ wenig Strom verbrauchen, nicht optimal für Investitionen, sondern die großen Wohnblöcke in der Stadt oder Betriebe mit hohem Energieaufwand. Sie würden so enorme Kosten sparen.

Dietzsch will diesen Strategie-Wechsel Ende August dem Öko-Beirat vorstellen. Geht das Gremium mit, sollen Gespräche mit den Großraumvermietern der Stadt geführt werden – das sind die Wohnungsbaugesellschaft und die Wohnungsgenossenschaft Heideland. Schließlich dürften die Mieter am Ende ein gesteigertes Interesse haben, Strom-Kosten zu sparen. Praktisch müssten sie dann eine Energiegenossenschaft gründen und dort Geld einbringen, mit dem eine Anlage auf ihren Dächern errichtet würde. Eine Umrüstung sei technisch kein großer Aufwand, weiß der Öko-Experte. Und weil sich viele Mieter beteiligen müssten, würde es sich wiederum um ein klassisches Bürgersolarkraftwerk handeln, wie es bereits eines seit Ende 2010 auf dem Dach der Heide-Grundschule gibt, das allerdings ausschließlich von der Einspeisevergütung profitiert. 17 Anteilseigner gibt es, zehn Prozent Rendite konnte im ersten Jahr ausgeschüttet werden. Doch solche lukrativen Bedingungen gibt es für neue Projekte, die auf Vergütung abzielen, nicht mehr.

Nico Fliegner

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