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113 Mal ist im Kirchenbezirk Leipziger Land das Krippenspiel an Heiligabend zu sehen

Krippenspiel 113 Mal ist im Kirchenbezirk Leipziger Land das Krippenspiel an Heiligabend zu sehen

Heute Abend spielen wieder landauf, landab Kinder und Erwachsene die Geschichte von der Geburt Jesu, „unser Herzstück“, wie Superintendent Matthias Weismann sagt. Warum in Pegau zwanzig Mädchen und Jungen dabei sein wollen, viele seit dem Kindergarten.

Sie spielen heute wieder die altbekannte Geschichte: Mädchen und Jungen des Kirchspiels Pegau bei einer Probe.

Quelle: Jens Paul Taubert

Pegau/Borna. „Da sieht man es mal wieder: Die Großen befehlen und wir Kleinen müssen gehorchen!“, sagt verärgert ein Junge, der einen Bürger vor 2000 Jahren spielt. Er steht mit Gleichgesinnten beisammen, zetert und schimpft über den Kaiser. Kinder als erzürnte Bürger in Jeans und Anoraks, die Kostüme kommen später. Eine Probenszene aus dem Krippenspiel vor dem Altar der Pegauer Sankt-Laurentius-Kirche.

„Ihr müsst langsamer sprechen und lauter!“ ruft Torsten Reiprich. Der Pfarrer steht in einer der hinteren Bankreihen, um zu testen, ob die Stimmen der jungen Darsteller bis hierher dringen. Das ist trotz Mikro im großen Gotteshaus nicht so einfach. „Und zwischendurch atmen. Macht Pausen“, empfiehlt der Pfarrer. Der Nachwuchs probiert’s noch mal.

Viele spielen seit Jahren mit. „Seit dem Kindergarten“, sagt die zwölfjährige Magdalene Hönig. Sie war schon König, Erzähler, Römer, Engel... „Das Krippenspiel am Heiligabend gehört dazu, sonst wäre es langweilig“, meint sie. Viele Mitspieler würde sie kennen, vom Kirchenchor, von der Christenlehre und Konfirmation.

Zum Beispiel Emilia Göpfert. „Ich spiele auch seit dem Kindergarten mit, mir macht das Spaß“, sagt die 13-Jährige. Einmal war sie Reporterin einer Fernsehsendung und rannte hektisch vor dem Altar herum, „da haben wir das Krippenspiel mal ganz modern gemacht“. Eine solche Rahmenhandlung mit der Geschichte von der Geburt Jesu zu verstricken, findet auch Karlotta Gehrt gut. Sie mag es, wenn viele Leute mitspielen – wie in diesem Jahr, da sind es zwanzig Mädchen und Jungen. Die 13-Jährige hat aber noch einen Grund: „Ich mache gern mit, um meinen Vater zu unterstützen.“

Seit vier Jahren organisiert Thomas Gehrt aus dem benachbarten Elstertrebnitz das Krippenspiel in Pegau. „Meine Tochter war dabei, da wurde ich mal angesprochen, ob ich mithelfen kann und ja, dann habe ich es übernommen“, erzählt der 45-Jährige. Er wählt die Art des Spiels aus, kopiert die Texte, spricht die Darsteller an. Mitte bis Ende November beginnen die Proben, erst einmal pro Woche, später trifft man sich dann zweimal. „Es ist schön, wenn viele Kinder über Jahre mitmachen. Sie haben dann schon Erfahrung, sind geübter im Sprechen“, meint er.

„Und für mich ist es eine große Entlastung, das Krippenspiel abgeben zu können“, sagt Torsten Reiprich, der in seinem Kirchspiel 850 Christen hat. Besonders Weihnachten gibt es für einen Pfarrer mit mehreren Kirchen viel zu tun. Was nicht heißt, dass er das Krippenspiel nicht schätzt, ganz im Gegenteil. Kinder würden das Weihnachtsfest ohnehin intensiver erleben. Wenn sie dann noch die Geschichte selbst spielen, „in der Gott uns begegnet in diesem Kind“, dann sei das etwas Besonderes. Nicht zu vergessen ist „die Beheimatung der Kinder in der Gemeinde“ durch solche Aktionen.

Das Krippenspiel wird seit dem Mittelalter am Heiligabend in vielen Kirchen gezeigt. „Das ist unser Herzstück“, sagt Superintendent Matthias Weismann aus Borna. Heute Nachmittag und Abend würden im Kirchenbezirk Leipziger Land 113 Krippenspiele aufgeführt. Auch die kleinsten Gemeinden bemühen sich „mit erheblicher Kraftanstrengung“ Jahr für Jahr um ein eigenes Spiel. Das sei in Zeiten, in denen ein Pfarrer sieben Predigtstätten haben kann, alles andere als einfach, aber nach wie vor Tradition. Unterstützung kommt dabei glücklicherweise von ehrenamtlichen Helfern.

Auch viele Nichtchristen würden Weihnachten in die Kirche kommen und sich diese „Urgeschichte“ anschauen. Dabei gehe es ja nicht um irgend ein Theaterstück, es sei eine Gottesoffenbarungsgeschichte. Viele unterschiedliche Menschen spielen dabei mit, „jeder Zuschauer kann sich zu dem Geschehen verhalten“, so der Superintendent. Er nennt als Beispiel den Wirt der Herberge, der auch ein gestresster Mensch von heute sein könnte. Dieser Mann hat wegen der Volkszählung ein volles Haus und wahnsinnig viel zu tun – und nun stehen auch noch Maria und Josef vor seiner Tür! Hier gehe es um Menschen auf der Flucht, sagt Matthias Weismann und meint: „Wir können die Geschichte heute nicht einfach so spielen, ohne daran zu denken. Sonst sollten wir lieber König Drosselbart aufführen!“

Von Claudia Carell

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