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150 Bilder - Ingeborg Geuther kann zu fast jedem eine Geschichte erzählen

150 Bilder - Ingeborg Geuther kann zu fast jedem eine Geschichte erzählen

Mit weißen Blüten begann vor rund neun Jahren die jüngste Karriere von Ingeborg Geuther. Die 75-jährige Röthaerin, die als Kind Kunstmalerin werden wollte, brachte es bis zur Herrenschneidermeisterin, tanzte sich mit ihrem Mann Hans bis zu einem sechsten Platz bei DDR-Meisterschaften im Turniertanz und war mehrere Jahrzehnte lang dessen beste Retuscheurin im familieneigenen Fotostudio.

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Ingeborg Geuther und ihr Mann Hans in der Personalausstellung der Röthaer Hobbymalerin in den ehemaligen Räumen des Fotostudios.

Quelle: André Neumann

Rötha. Mit dem Ruhestand fand sie endlich Zeit, sich ausgiebig jener Leidenschaft zu widmen, die schon vor fast 70 Jahren ihren damaligen Lehrer vor Staunen den Kopf schütteln ließ: Eine schnörkellose Bleistiftzeichnung auf vergilbtem Papier zeugt davon, ein Zwerg mit Flöte, der auf einem Pilz sitzt. So malt normalerweise keine Siebenjährige.

Weiße Blüten also, ihr weißer Traum, wie Ingeborg Geuther sagt, war das erste Bild, das sie nach vierzigjährigem Arbeitsleben malte, so als ob sie den Pinsel nie losgelassen, die Staffelei nie in die Ecke gestellt hatte. Die weißen Blüten sind jetzt Bestandteil einer vor einer Woche eröffneten Ausstellung. Rund 150 Bilder hängen dicht an dicht im Treppenhaus des geutherschen Hauses in der Rathausstraße und in mehreren Räumen des ersten Obergeschosses. Hier befand sich einst, als unten noch die Drogerie ansässig war, das Fotostudio Geuther. Allein die Menge der Bilder lässt im Betrachter den Gedanken ans Lebenswerk der Künstlerin aufkommen. Was nicht ganz falsch ist. Immerhin stellt Ingeborg Geuther ein Drittel der in den vergangenen neun Jahren entstandenen Aquarelle und Acrylmalereien aus, dazu frühe Bilder wie jenen Zwerg aus Kindertagen und ein Bild der damals von ihr bewunderten russischen Startänzerin Galina Ulanowa als sterbender Schwan in Tschaikowskis Ballett Schwanensee. Ingeborg Geuther war 19, als sie das malte.

Die Bilder zeigen die ganze Vielfältigkeit ihrer Malleidenschaft, die mal in kraftvollen, überschäumenden Farben ausbricht, sich mal in zarten Tupfern zeigt oder dramatischer Fülle und ein anderes Mal in unerschöpflichem Detailreichtum. Zu fast allen Bildern könnte die Hobbymalerin eine Geschichte erzählen. Etwa zu dem mit der späten Wintersonne, die in der scheinbar eigens dafür geschaffenen Rundung eines beschneiten Astes liegt, was sie so bei Rötha entdeckte. Oder zum Bild des 1957 untergegangenen Segelschulschiffes Pamir, das sie für einen Bekannten malte, dessen Bruder dabei mit ums Leben kam. Oder auch zu Röthas schönster Eiche, wie sie sagt. Als sie die malte, ließ sie das alte Haus dahinter einfach weg. Heute steht das nicht mehr. Fast schon berühmt sind Geuthers Porträts der drei im Kampf gegen Napoleon allierten Feldherren und Landesfürsten Alexander I., Friedrich Wilhelm III. und Franz I. Das Röthaer Schloss, in dem die ihr Hauptquartier eingerichtet hatten, hat sie natürlich auch gemalt, in der damaligen Gestalt mit vier Ecktürmen.

Nachdem sie die Bundeskanzlerin vor wenigen Jahren in Borna sah, porträtierte die Röthaerin auch Angela Merkel, und das Bildnis von Mario Adorf malte sie sogar mit der linken Hand, weil die rechte zu der Zeit gerade verletzt war. Wenn der Schauspieler im Herbst für einen Vortrag nach Leipzig kommt, hofft sie, dass ihm sein Bildnis gefällt und er seinen Namenszug darauf verewigt.

Zur Ausstellungseröffnung vorigen Sonnabend kamen 60 bis 80 Gäste. Und eine große Fangemeinde ist der Hobbymalerin auch über Rötha hinaus in Deutschland und sogar in Übersee gewiss. Überall dort leben nämlich Geuthers, die ihren Stammbaum bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Das nächste große Treffen findet im September statt. Den Ort des Geschehens, das Henneberger Haus in Meiningen, hat die Röthaerin schon gemalt, was sonst.

Die Ausstellung ist zu sehen bis Ende September freitags und sonnabends 15 bis 18 Uhr, sonst nach Vereinbarung: Telefon 034206/5 49 50

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2015
André Neumann

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