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27 Ehrenamtliche unterstützen die Notfallseelsorge im Leipziger Land

Rückgrat in extremen Momenten 27 Ehrenamtliche unterstützen die Notfallseelsorge im Leipziger Land

Das Schlimmste ist, wenn es sich um Kinder handelt. "Oder um Jugendliche", sagt Sabine Lauer. Wobei es immer furchtbar ist. Wenn die 45-Jährige zum Einsatz kommt, geht es meist um Leben und Tod. Sabine Lauer ist eine von insgesamt 27 ehrenamtlichen Notfallseelsorgern der Diakonie Leipziger Land in Grimma.

Notfallseelsorger kommen bei schweren Unfällen und Katastrophenfällen zum Einsatz. 27 ehrenamtliche arbeiten bei der Diakonie im Landkreis.

Quelle: Norbert Millauer

Landkreis Leipzig. Sie kommen im Landkreis Leipzig und in den angrenzenden Gebieten nach schweren Unfällen, aber auch bei Katastrophen oder Suiziden zum Einsatz. Die Notfallseelsorge im heutigen Landkreis Leipzig entstand, als die Bilanz der Flut im Jahr 2002 gezogen wurde. Damals funktionierten das Technische Hilfswerk (THW) und die Feuerwehr hervorragend. "Was gefehlt hat, war eine psychosoziale Notversorgung", sagt Tobias Jahn, Fachbereichsleiter Kinder, Jugendliche und Soziales bei der Diakonie und auch für die Notfallseelsorge zuständig. In der Folge wurde die Notfallseelsorge bei der Diakonie angesiedelt, bei der die ehrenamtlichen Seelsorger im Falle eines Falles über einen so genannten Hintergrunddienst zum Einsatz geschickt werden. Dabei handelt es sich um fünf Leute, die von der Rettungsleitstelle per Piepser über besonders schwere Unfälle informiert werden. "Von dort aus werden dann die Notfallseelsorger alarmiert", so Jahn.

Die haben einen Dienstplan und halten sich am Einsatztag für Zwölf-Stunden-Einsätze bereit. Im Ernstfall werden sie eventuell vom Arbeitgeber freigestellt - oder sie haben frei. "Wenn ich Dienst habe, ist mein Auto immer vollgetankt", sagt Sabine Lauer. Am Einsatzort sucht sie dann in der Regel nach dem Einsatzleiter, "meist der leitende Notarzt", um sich nach den Geschehnissen zu erkundigen. "Unsere Hauptaufgabe besteht darin, zwischen den Angehörigen und den Einsatzkräften zu vermitteln." Es sind Momente, in denen überdeutlich wird, dass Notfallseelsorger an sich Übermenschliches leisten. Wenn sie sich etwa um die Eltern kümmern, deren 14-jähriger Sohn soeben in einer Maschine umgekommen ist. Oder nach einem Unfall, bei dem am Ende zwei Familienväter ihr Leben verloren haben. Dann müssen "Nähe und Distanz ausbalanciert werden", wie Tobias Jahn sagt. Es sind Situationen, "die man aushalten muss und vielleicht auch erst mal nichts sagt", so Sabine Lauer.

Sie und die anderen Notfallseelsorger, unter ihnen auch Pfarrer oder Feuerwehrleute, sind mit dabei, wenn Todesnachrichten überbracht werden. Das macht, schon von Gesetzes wegen, die Polizei. Weil die aber nicht lange bei den Angehörigen bleibt, sind Leute wie Sabine Lauer mit dabei. Und sie bleiben dann, "damit die Angehörigen nicht allein sind". Sie wartet auf andere Angehörige und fährt die Betroffenen notfalls auch zu denen, damit die sich in ihrem bedauernswerten Zustand nicht selbst ans Steuer setzen.

Insgesamt 60-mal waren die Notfallseelsorger im letzten Jahr im Einsatz. In Fällen wie dem, bei dem Sabine Lauer einer Minderjährigen die Nachricht vom Selbstmord ihres Vaters überbringen musste. Oft geht es darum, die Betroffenen nicht allein in ihrer Wohnung zu lassen, weshalb die Notfallseelsorger auch länger bleiben, bisweilen auch einen halben Tag. Sabine Lauer: "Wir versuchen, die Leute wieder handlungsfähig zu machen." Eine Aufgabe, die den ganzen Menschen fordert und für die längst nicht jeder geeignet ist. Und die selbstredend eine Ausbildung erfordert, bei der sich die Notfallseelsorger mit Themen wie Suizid, Kindstod und Unfällen auseinandersetzen. Oder sie kommen bei Katastrophen wie dem schweren Zugunglück bei Lauterbach und nicht zuletzt dem Hochwasser vor zwei Jahren zum Einsatz. Weil es für Menschen eine existenzielle Belastung sein kann, das eigene Haus innerhalb von zwei Jahren zum zweiten Mal im Wasser verschwinden zu sehen.

Es versteht sich, dass die Notfallseelsorger nach Einsätzen auch erst einmal wieder zu sich selbst finden müssen. Sabine Lauer gönnt sich anschließend ein heißes Bad. Andere wiederum, sagt Tobias Jahn, brauchen ein Glas Rotwein. Die Geschehnisse müssen verarbeitet werden, wozu es auch eine seelsorgerische Betreuung der Notfallseelsorger gibt. Zudem treffen sich die Ehrenamtlichen regelmäßig.

Wobei es Klarheiten auch schon vor potenziellen Einsätzen geben muss. Ein Notfallseelsorger sollte sich nicht selbst in einer problematischen Lebenssituation befinden, einer Familienkrise etwa. Er sollte kein Theater auf der Arbeit haben. Auch kann nur schwerlich ausrücken, wer gerade den Verlust eines geliebten Menschen zu bewältigen hat. Doch so aufreibend die Einsätze auch sind, sie sorgen auch für ein gewisses Gleichgewicht im Leben, sagt Sabine Lauer. "Es erdet einen." Sämtliche Alltagsproblem relativieren sich angesichts von tödliche Unfällen und anderen Tragödien.

Von Nikos Natsidis

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