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3,7 Millionen Euro für ein neues Bornaer Freibad? Neue Zahlen sorgen für Aufregung

LVZ-Stadtgespräch 3,7 Millionen Euro für ein neues Bornaer Freibad? Neue Zahlen sorgen für Aufregung

Es war eine Bombe, die Dienstagabend beim LVZ-Stadtgespräch im Goldenen Stern in Borna platzte. Dort wurde bekannt, dass der (Wieder-)Aufbau des Freibades An der Wyhraaue 3,7 Millionen Euro kosten könnte. Im Bornaer Rathaus wusste am Mittwoch offiziell noch niemand von den brisanten Unterlagen des Planungsbüros Arcadis.

Rund 100 Besucher haben das LVZ-Stadtgespräch zum Thema Freibad Dienstagabend im Goldenen Stern in Borna verfolgt.
 

Quelle: Andreas Döring

Borna.  Es war eine Bombe, die Dienstagabend beim LVZ-Stadtgespräch im Goldenen Stern in Borna platzte. Dort wurde bekannt, dass der (Wieder-)Aufbau des Freibades An der Wyhraaue 3,7 Millionen Euro kosten könnte. Das bestätigte auch Stadtrat Maic Staudacher (Bürger für Borna/BfB), der die neuen Zahlen aus den überarbeiteten Planungen des Ingenieurbüros kannte. Das wäre nahezu das Doppelte der bisher öffentlich vom Freibadverein und der Pro-Freibad-Bürgerinitiative (BI) propagierten Zahlen. Dabei waren immer wieder 1,9 Millionen genannt worden. Freibadvereinschef Holger Luedtke erklärte, ihm seien die Zahlen unbekannt.

Er und Staudacher diskutierten unter Leitung von LVZ-Regionalchefredakteur Thomas Lieb mit Jana Storm, Frontfrau der BI, und Henry Kunze, Vorsitzender von Blau-Gelb Borna und Mitglied der Arbeitsgruppe Sport, vor etwa 100 Besuchern Bis vor wenigen Woche sei er noch davon ausgegangen, dass sich die Gesamtkosten für den Wiederaufbau des Freibades, für den mit dem Bürgerentscheid am 22. Mai die Voraussetzungen geschaffen werden sollen, auf 1,9 Millionen Euro belaufen, so Staudacher. Bereits das sei eine Zahl, „die im Haushalt nicht darstellbar war“. Mittlerweile sei in den weiterführenden Planungen von Arcadis, Stand Juli 2015, von Kosten in Höhe von 3,7 Millionen Euro die Rede. „Das ist eine relevante Aussage.“ Staudacher weiter: „Das rückt alles in ein anderes Licht.“ Die Mehrkosten resultierten auch daraus, dass Arcadis ein Naturbad in der Wyhraaue für nicht machbar halte und ein Bad plane, bei dem Chlor zum Einsatz kommt.

Ingenierbüro hält Naturbad für nicht machbar

Holger Luedtke entgegnete, es handle sich um Kostenschätzungen. Und: „Ich kenne diese Zahlen nicht.“ Ein Naturbad, wie es 140 in ganz Deutschland gebe, koste 1,9 Millionen Euro. Staudacher vergleiche Äpfel mit Birnen. Im Übrigen würde ein wie auch immer geartetes Freibad an der Schwimmhalle in der Deutzener Straße, ein alternativer Freibad-Standort, 4,75 Millionen Euro kosten, so Luedtke weiter. „Da ist die Wyhraaue ein Schnäppchen.“ Zudem gehe es bei dem Bürgerentscheid, bei dem die Bornaer über die Rücknahme des Stadtratsbeschlusses zum Rückbau des Freibades nebst dessen Neubau bis zum 31. Dezember 2018 zu befinden haben, nicht ums Geld. „In der sächsischen Gemeindeordnung steht, dass der Gemeinderat nach einem Bürgerentscheid die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen für dessen Finanzierung zu treffen hat.“

Dissens zur Eignung des Standortes Wyhraaue

Holger Luedtke hatte betont, ein Freibad sei für die Kreisstadt Borna kein Luxus. „Fahren Sie durch den Landkreis, und Sie finden Freibäder in Kommunen, denen es schlechter geht als Borna.“ Außerdem steigere ein Bad die Attraktivität einer Stadt. BI-Frau Storm erklärte, ein Freibad sei besonders für Menschen wichtig, die im Urlaub nicht wegfahren können. Das einstige Freibad habe vor allem für die Generation, die die Bassins in den 60er Jahren errichtet hat, eine große Bedeutung. Luedtke, auch Vorsitzender des Linken-Kreisverbandes Westsachsen, warf Staudacher Schwarzmalerei vor „so wie Sie das im Stadtrat auch schon bei Lekkerland gemacht haben“.

Der erklärte, um Luxus gehe es bei den Entscheidungen im Stadtrat schon lange nicht mehr. Selbstverständlich sei der Bürgerwillen wichtig, als Stadtrat müsse er aber abwägen. Wenn das Freibad im Ergebnis des Bürgerentscheids tatsächlich gebaut werde, müsse das Geld dann an anderer Stelle eingespart werden. Bei den erwarteten Kosten sei das gut und gerne eine neue Turnhalle. Kunze, der wie alle anderen Diskussionsteilnehmer keine Zweifel darin ließ, dass Borna „natürlich“ ein Freibad brauche, erklärte, wenn es um Einsparungen – zugunsten des Freibades in der Wyhraaue – gehe, werde der Hebel erfahrungsgemäß an den sogenannten freiwilligen Aufgaben angesetzt. Also bei Kultur und Sport. Im Übrigen profitiere weder der Vereinssport noch der Schulsport von einem wiedererrichteten Freibad an der Wyhraaue.

Dissens gab es auch bei Frage, inwieweit der Standort Wyhraaue geeignet ist. Das sei ein Hochwassergebiet, machten Kunze und Staudacher klar. Zudem, so der BfB-Mann, sei es mit öffentliche Verkehrsmitteln schlecht erreichbar, und es gebe dort kein Baurecht. Holger Luedtke konterte, dass das Bad in den vier Jahrzehnten seines Bestehens nicht einmal unter Wasser stand. Zudem seien es maximal 500 Meter, um von der Bushaltestelle an der Dinterschule zu Fuß in die Wyhraaue zu gelangen.

Im Podium diskutieren unter Leitung des LVZ-Regionalchefredakteurs Thomas Lieb (M) Stadtrat Maic Staudacher (li, Bürger für Borna), der Vorsitz

Im Podium diskutieren unter Leitung des LVZ-Regionalchefredakteurs Thomas Lieb (M.) Stadtrat Maic Staudacher (li., Bürger für Borna), der Vorsitzende des Sportvereins Blau-Gelb-Borna Henry Kunze (2. v. li.), von der Bürgerinitiative für den Wiederaufbau des Stadtbades Jana Storm (4. v. li.) sowie der Vorsitzende des Freibadvereines Holger Luedtke (re.).

Quelle: Andreas Döring

OBM kennt die Unterlagen mit den neuen Zahlen nicht

Es ist ein bisschen wie mit den Panama Papers. Denn im Bornaer Rathaus wusste am Mittwoch offiziell noch niemand von den brisanten Unterlagen des Planungsbüros Arcadis, in denen von 3,7 Millionen Euro Kosten für den Wiederaufbau des neuen Bornaer Freibades an alter Stelle in der Wyhraaue die Rede ist.

„Ich kenne das Papier nicht“, erklärte die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) am Mittwoch auf LVZ-Anfrage. Ein Papier, das auch der LVZ vorliegt, den Titel „Vorentwurf – Freibad Wyhraaue“ trägt und dessen erstes Blatt das Bornaer Stadtwappen trägt. Es stammt vom Juli 2015. „Wir suchen im Posteingangsbuch“, sagte die Rathauschefin, wo sich der Eingang der Unterlagen aber nicht habe finden lassen.

Stadtchefin Luedtke betonte, dass sie sich von Amts wegen schon deshalb nicht mit dem Thema Freibad befasst habe, um sich keinerlei Vorwürfen irgendwelcher Mauscheleien auszusetzen. „Ich habe mich da komplett ausgeklinkt.“ Stattdessen habe das Thema auf dem Tisch des früheren Bürgermeisters und Beigeordneten Frank Stengel (parteilos) gelegen. Dessen Nachfolgerin, die neue Bürgermeisterin Andrea Staude (SPD) habe ihr mitgeteilt, dass die Arcadis-Papiere vom Juli 2015 nicht in dem Ordner zu finden seien, der mit den Unterlagen ihres Vorgängers auf sie zugekommen sei.

Stengel selbst, mittlerweile im Sozialamt des Landratsamtes beschäftigt, zeigte sich am Mittwoch auf Anfrage wortkarg. „Ich tue mich schwer, Aussagen zu meiner Zeit als Bürgermeister zu treffen.“ Und weiter: „Ich bin zur Verschwiegenheit verpflichtet.“ Er habe keine Akten mitgenommen. Stengel: „Die Akten, die ich übergeben habe, sind vollständig.“ Darin sei auch alles zum Thema Freibad enthalten.

Von Nikos Natsidis

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