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67 Kandidaten für 26 Sitze

67 Kandidaten für 26 Sitze

Bei den Stadtratswahlen am 25. Mai treten 67 Kandidaten von insgesamt acht Parteien und Wählervereinigungen an. Damit bewerben sich im Schnitt 2,5 Kandidaten um eins der insgesamt 26 Stadtratsmandate.

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Der aktuelle Stadtrat tagt regulär noch zweimal. Von den derzeitigen Stadträten treten fünf nicht wieder an. Insgesamt bewerben sich acht Parteien und Wählervereinigungen um die 26 Mandate.

Quelle: Günther Hunger

Borna. Der städtische Wahlausschuss gab vorgestern Abend im Rathaus grünes Licht für alle eingereichten Wahlvorschläge.

Die Linken, derzeit mit acht Stadträten vertreten, schicken zwölf Bewerber ins Rennen. Ob sie ähnlich stark oder eher geschwächt in den neuen Stadtrat einziehen, ist angesichts der Grabenkämpfe in der politischen Klasse der Stadt eine Glaubensfrage. Die Kandidaten um Ines Graichen, die überraschend als Spitzenkandidatin nominiert wurde, sowie den aktuellen Fraktionschef Gunther Sachse und dessen Vorgänger Frank Feldmann gelten logischerweise als Verbündete von Oberbürgermeisterin Simone Luedtke und werden, so oder so, mit der Rathauschefin in Verbindung gebracht und auch dafür verantwortlich gemacht. Auch die aktuellen Stadträte Lutz Lettau, René Nöske, Peter Finke und Günther Kolbusa kandidieren erneut, wobei die Platzierung von Kolbusa auf dem letzten Listenplatz auch eine Aussage ist. Der Experte in Sachen Wasser/Abwasser gilt seinen Parteifreunden als unbequem und eigenwillig, was außerhalb des eigenen politischen Dunstkreises aber auch als Vorteil wahrgenommen werden könnte. Prognose: Aus dem Wahlergebnis dürfte sich eine Wertung der Rathauspolitik ablesen lassen.

Die SPD, die zur Zeit fünf Stadträte hat, wird, ob sie es will oder nicht, dem Luedtke-Lager zugerechnet. Das hat damit zu tun, das die aktuelle SPD-Fraktion zumindest partiell keineswegs immer eine Einheit war. Andreas Schitke, der nicht wieder antritt, galt in der Wahrnehmung eher als Unterstützer von Oberbürgermeisterin Luedtke, was im Großen und Ganzen auch für Klaus Sachse gilt. Der Senior unter allen 67 Stadtratskandidaten ist spätestens dann ein Solist, wenn er von einer Sache überzeugt ist, was nicht immer die Begeisterung seiner Mitstreiter hervorgerufen haben dürfte. Während Dietmar Stein und Manuela Krause zum allgemeinen Bedauern nicht noch einmal antreten, hängt vieles an Oliver Urban. Der SPD-Kreisvorsitzende, Ortsvereins- und Fraktionschef hat es immerhin fertiggebracht, eine Liste von elf Kandidaten aufzustellen, aus der neben dem Nachwuchstalent Sven Krause Michel Zurbrügg herausragt. Der langjährige Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule Neukirchen lässt sich je nach Blickwinkel als hartnäckig oder als penetrant beschreiben. Fakt ist, dass der regelmäßige Fragensteller viel zur "Erbauung" der Rathauschefin beitragen könnte, sollte er gewählt werden.

Ebenfalls in gewisser Weise dem Rathauslager zuzurechen waren in den letzten Jahren die vier Leute, die sich nach heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem früheren Mitstreiter Sebastian Stieler als FDP-Fraktion konstituiert haben. Mit dem, was der Normalbürger bisher überregional unter der Marke FDP wahrnimmt oder auch wahrgenommen hat (Westerwelle, Morlock) lässt sich das jedenfalls nicht auf den ersten Blick erklären. Fakt ist aber, dass die bisherigen Stadträte Joachim Steinhäußer, Gerhard Artelt, Antje Ritter und Manfred Kügler, die allesamt erneut antreten und zu denen noch Ulrich Voigt als Kandidat gehört, als Persönlichkeiten für sich sprechen - die bekannte Ärztin Ritter ebenso wie Mühlenbetreiber Artelt oder Siedlervereins-Mann Steinhäußer. Und Manfred Kügler ist ohnehin jemand, der seinen Weg geht und auf dem sind dem Elektromeister bisher immer recht viele Wähler gefolgt.

Von der CDU lässt sich vieles sagen. Dass aber die aktuell sechs Stadträte zum Unterstützer-Pool von Oberbürgermeisterin Luedtke gehören, ganz sicher nicht. Die CDU, die 16 Kandidaten ins Stadtratsrennen schickt, versteht sich als die einzig wahre Opposition im Stadtrat und fährt deshalb einen Kurs, der Luedtke-Gegner begeistern dürfte und andere abschreckt. Mit Roland Wübbeke, Ingrid Tietze, Cora Lesch und Sylvio Weise kandidieren vier bisherige CDU-Stadträte erneut - allesamt Leute, die sich prononciert zur Stadtpolitik Stellung nehmen. Auch Fritz Schreiber, für viele die graue Eminenz der CDU-Fraktion tritt wieder an. Und noch ein aktueller Stadtrat steht auf der CDU-Kandidatenliste: Sebastian Stieler, vor fünf Jahren als Mann der Freien Wähler Borna (FWB) angetreten und jetzt - wieder - mit CDU-Ticket. Bei dem 25-Jährigen, der als großes politisches Talent der Stadt zu gelten hat, dürfte es aber fast schon egal sein, unter welcher Flagge er segelt. Unter den weiteren Anwärtern auf einen Sitz im Stadtrat ist auch der CDU-Ortsvorsitzende Germut Zinapold, der ehemalige SPD-Stadtrat und Karnevalist Hans Hohlfeld und Jörg Lorentz. Von ihm, einstmals immerhin CDU-Kreis- und Ortsvorsitzender, war lange Zeit nichts zu hören - es sei denn, es wird Gerüchten Glauben geschenkt, denen zufolge der Mitarbeiter des scheidenden CDU-Landtagsabgeordneten Rolf Seidel hinter einer lokalen Internetplattform steckt.

Inwieweit die CDU am 25. Mai reüssieren kann, hängt auch von den bürgerlichen Mitbewerbern ab. Zum einen die Freien Wähler Borna, die mit Brigitta Ast immerhin (und im Prinzip derzeit auch noch mit Stieler) bereits im Stadtrat sitzen. Die FWB brauchten Unterstützerunterschriften, um zur Wahl zugelassen zu werden. Mindestens 80, am Ende waren es 115. Die Kandidatenliste umfasst fünf Namen, auf neben Ast sicher der von Lutz-Egmont Werner herausragt. LEW war der erste demokratisch gewählte Bornaer Bürgermeister nach dem Zusammenbruch der DDR, saß von 1999 bis 2009 im Stadtrat, um dort zuletzt die FWB auch parlamentarisch zu kreieren. Spitzenkandidaten der Wählervereinigung, die sich kaum dem Unterstützerlager von Oberbürgermeisterin Luedtke zurechnen lässt, ist Katrin Weber, eine Rechtsanwältin mit Arbeitsort Halle.

In gleichen Wählersegment wie die FWB werden auch die "Bürger für Borna" (BfB) grasen. Die waren vor fünf Jahren mit ihrer Kandidatenliste bekanntlich an inneren Zerwürfnissen und formalen Feinheiten gescheitert; nach der misslungenen Wiederwahl ihres Frontmanns Bernd Schröter ein Jahr zuvor bei den Oberbürgermeisterwahlen eine weitere Schlappe. Das dürfte sich für die BfB, deren Liste wie die der CDU 16 Kandidaten umfasst, soviel scheint sicher, in diesem Jahr reparieren lassen. Immerhin kandidiert neben Schröter mit Maic Staudacher ein weiteres Schwergewicht mit rhetorischer Begabung. Auf der BfB-Kandidatenlisten stehen Gewerbevereinschef Toralf Lang und der frühere Bornaer Spitzengrüne Axel Meier. Die BfB können nach landläufiger Überzeugung zudem mit einem weiteren Pfund wuchern: mit Geld. Hinter der Wählervereinigung, die es seit dem Jahr 1999 gibt, stehen nennenswerte Teile der örtlichen Wirtschaft, sprich Händler und Gewerbertreibende.

Der Vollständigkeit halber seien auch die restlichen beiden Stadtratskandidaten genannt. So kandidiert Frauke Althaus für die Grünen, eins von vier eingeschriebenen Mitgliedern der Ökopartei in Borna. Kandidat der NDP ist Stefan Schubinski.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.03.2014
Nikos Natsidis

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