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7000 Jahre alte Zeitzeugen zum Anfassen

7000 Jahre alte Zeitzeugen zum Anfassen

"Ich werde ihnen kein Gold präsentieren", sagte Harald Stäuble vom Landesamt für Archäologie zu Beginn seines Vortrages am Donnerstagabend in Neukieritzsch. Doch die Erkenntnisse der aufwendigen Grabungsarbeiten der vergangenen Jahre im Abbaufeld Peres des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain sind reichhaltig, auch für den erfahrenen Forscher eine Sensation.

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Umringt: Harald Stäuble (2.v.l.) vom Landesamt für Archäologie zeigt 7000 Jahre alte Fundstücke zum Anfassen.

Quelle: Ulrike Wolf

Neukieritzsch. Zahlreiche Brunnen, datiert auf 5198 vor Christus, zum Teil mit einem Durchmesser von acht Meter oder Anlagen aus ausgehöhlten Ahornstämmen wurden bereits entdeckt und derzeit erforscht.

Das ist nicht alles. "Bisher wurden in Sachsen sechs Brunnen aus der Zeit der Linienbandkeramik gefunden, jetzt kommen vier auf einen Streich aus Droßdorf dazu, das ist fantastisch und einmalig", so Stäuble begeistert. Die Linienbandkeramik (5600 bis 5000 v. Chr.) zählt zur ersten neolithischen Bauernkultur. Aus Jäger und Sammlern wurden Sesshafte, die sich Häuser bauten, erstmals Schafe,Z iegen und Rinder hüteten und dass auch weit weg von Flüssen. Die Brunnen seinen laut Stäuble fantastisch erhalten. Erstmals wurden weitere Fundstücke aus der Ortslage Droßdorf und damit erste Indizien auf eine Besiedlung der Gegend präsentiert. "Wir haben Massen an Hölzern gefunden, mehr als 20 Gefäße aus Keramik, Löffel, Klingen, geschliffene Steinbeile zur Bearbeitung von Holz und Pfeilspitzen", so der Archäologe. Und etwas sehr seltenes: Ein vollständig erhaltenes Gefäß mit den typischen Verzierungen der Linienbandkultur. Ganz behutsam hielt Stäuble es in den Händen und meinte: "Wir kennen nur 20 Prozent des Bestandes im untersuchten Gebiet, unter unseren Füßen ist überall Archäologie."

Seine 25 Mitarbeiter , darunter auch Studenten der Universität Leipzig, fanden bei den Ausgrabungen ein gestaltetes Tier aus Ton mit zwei Augen, Mund und Ohren, daumengroß ist es. Auch Käferreste und eine Hausmaus wurden entdeckt. "Das zeigt, dass auch damals schon Plagegeister im Haus waren und das Getreide Schädlinge hatte", so der Experte.

Im Gebiet zwischen Schnauder und Pleiße konnten die Wissenschaftler bereits 60 Hausgrundrisse ausmachen, zuvor hatte dort niemand Siedlungen vermutet. "Man darf nicht nur dort suchen, wo man weiß, dass etwas da ist", sagte Stäuble. Die Archäologen gehen derzeit der Frage nach, wie lange die Häuser standen, wie sie aufgebaut waren, wie viele Menschen darin lebten,

Ein spannendes Feld, auch für Nicht-Archäologen. Rund 90 Interessierte kamen zum Vortrag ins Gemeindezentrum. "Es ist beeindruckend, wieviel Historie in dieser Gegend vorhanden ist und ich bin auch beeindruckt, welchen technischen Möglichkeiten die Forscher haben", sagte Brigitte Höppner. Für die Neukieritzscherin war es ein spannender Moment, einmal fast siebentausend Jahre alte Steine in der Hand zu halten. Harald Stäubles Vortrag kam gut an. "Es waren wissenschaftliche Einblicke, die man sonst nicht bekommt", meinte Besucher Horst Moser, der bereits die Ausgrabungen in Breunsdorf mit großem Interesse verfolgt hatte. Die Mibrag plant derzeit Fahrten zu der Ausgrabungsstätte im Tagebau Peres, um Geschichte hautnah erleben zu können.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.10.2014
Ulrike Wolf

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