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90 Euro für einen Anruf? Bornaer wehrt sich

90 Euro für einen Anruf? Bornaer wehrt sich

Borna. Der Schock sitzt tief. Mit zitternden Händen überfliegt Peter D. den Brief des Inkasso-Unternehmens ein zweites und noch ein weiteres Mal. Darin wird er aufgefordert, 90 Euro für einen kostenpflichtigen Service-Anruf zu bezahlen.

Service-Anruf zu bezahlen. In seinem Kopf rattert es. Der Anruf soll am 28. Januar dieses Jahres getätigt worden sein. Wie zur Bestätigung wird die Zeitangabe sekundengenau festgestellt - 14:26:11 Uhr. Die Telefonnummern, die gewählt worden sein sollen, beginnen mit 05615204, 089552, 080066, 03221, 0664239, 040, 004420877, 0895104 oder 072314. Willkürlich scheint es, dass sie ab der dritten, sechsten oder gar zehnten Stelle mit mehreren x versehen sind. "Ich habe nie eine der genannten Telefonnummern angewählt", so der Bornaer, der aus Scham seinen kompletten Namen nicht öffentlich machen möchte.

Deshalb formuliert der 56-Jährige, sofort einen Brief an das Unternehmen. Wie von Verbraucherschützern empfohlen, widerspricht er der Forderung und stellt klar, dass er sich gegen weitere unbegründete Zahlungsaufforderungen wehren wird, im schlimmsten Fall auf dem Rechtsweg. Aber Ruhe findet der EU-Rentner keineswegs. Zu viele Ungereimtheiten lassen bei ihm die Vermutung aufkommen, dass hinter Euro Inkasso Solutions s.r.o. eine Betrügerbande stecken könnte. Laut Absender ist das Unternehmen in Prag angesiedelt. Für Deutschland wird lediglich eine Postfachadresse in Petersberg angegeben. Das Geld ist jedoch auf ein tschechisches Konto einzuzahlen. Für Sparkassenkunden soll es einen Bonus geben. Welchen, das bleibt ein Geheimnis.

Weil Zweifel überwiegen, dass es sich um ein seriöses Unternehmen handelt, geht Peter D. zur Polizei. "Solchen Übeltätern muss das Handwerk gelegt werden", sagt er und erstattet Anzeige. Bei einer späteren Anhörung machen die Beamten dem Bornaer klar, dass er mit einer Geldstrafe bis zu 500 Euro rechnen müsse, sollten von seinem Apparat derartige Telefonanrufe ausgelöst worden sein.

"Ich war verunsichert, habe die Anzeige zurückgezogen", so Peter D. Obwohl ihm inzwischen eine Mahnung ins Haus geflattert kommt, bleibt er jedoch gelassen. Denn er hat jetzt einen Einzelnachweis seines Telefonanbieters in der Hand und kann belegen, dass am besagten Tag kein derartiges Telefongespräch stattgefunden hat. Euro Inkasso Solutions legt im Mahnschreiben die Karten offen und unterstellt dem Telefonanschlussinhaber, er habe Telefonsex-Serviceleistungen in Anspruch genommen. Durch Mehrkosten in Form von Porto und Bürokosten seien 135 Euro aufgelaufen. "Aber darauf reagiere ich nicht mehr", sagt der Bornaer, der sich nicht weiter ins Boxhorn jagen lassen will.

Aus Sicht der Verbraucherschützer in Leipzig hat Peter D. völlig richtig gehandelt. "Wenn eine Forderung ins Haus flattert, muss jeder für sich selbst prüfen, ob er eine Rechnung offen hat", sagte Rechtsreferentin Marion Schmidt. Gegen unberechtigte Forderung empfiehlt sie, in Widerspruch zu gehen. "Sonst riskiert man möglicherweise einen Schufa-Eintrag", so die Fachfrau.

Obwohl das bei Peter D. zuschlagende Inkasso-Unternehmen Schmidt nicht bekannt ist, räumt sie ein, dass es in der Branche viele schwarze Schafe gibt. "Seit dem 1. November 2014 müssen Inkassounternehmen klar und verständlich insbesondere den Namen oder die Firma des Auftraggebers sowie den Forderungsgrund, bei Verträgen den Vertragsgegenstand und das Datum des Vertragsschlusses mitteilen", so Schmidt. Die Alarmglocken sollten schellen, wenn sich die Kontoverbindung im Ausland befinde. Das sei an der IBAN-Nummer erkennbar, die für Konten in Deutschland mit DE gekennzeichnet sind.

In Online-Foren ist Peter D. inzwischen auf Betroffene gestoßen, die auf einschlägige Erfahrungen mit Abzockern zurückblicken können. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen verweist auf einen Verbraucher aus Aurich, dem 32 Briefe von Euro Inkasso Solutions ins Haus flatterten, immer nach derselben Masche. Deshalb wird vor dem Unternehmen gewarnt. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.04.2015
Schöppenthau, Birgit

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