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A-72-Bau: Letzter Abschnitt zwischen Rötha und A 38 wird Herausforderung

Autobahn A-72-Bau: Letzter Abschnitt zwischen Rötha und A 38 wird Herausforderung

Zwischen Rötha und der A 38 wird die Autobahn 72 größtenteils auf Tagebaugelände verlaufen – der Aufwand wird enorm. Außerdem wird bei fließendem Verkehr gebaut. Das erfuhren Stadträte und Bürger jetzt in Rötha. Ab Montag müssen Autofahrer wegen des Autobahnbaus im Norden Bornas mit Behinderungen rechnen.

Hier wird künftig die A 72 bei Rötha verlaufen. Über die fertig gestellte Brücke führt dann die B 95.

Quelle: Jens Paul Taubert

Rötha. Der Bau des letzten Abschnittes der Autobahn 72 zwischen Rötha und der A 38 wird noch aufwendiger als der im Bau befindliche zwischen Borna und Rötha. Das erläuterten Mitarbeiter des sächsischen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) am Donnerstagabend auf einer Sitzung des Stadtrates. Gut 30 Gäste waren in den Saal des Volkshauses gekommen, um den Vortrag zu hören.

Steffen Batzke, Referatsleiter im Lasuv, wartete zunächst mit einer optimistischen Nachricht auf. Während auf den Bautafeln für den 9,5 Kilometer langen Abschnitt Borna-Rötha das Jahr 2020 als Fertigstellungsziel genannt wird, könnte der Abschnitt aus jetziger Sicht schon Ende 2019 fertig werden. „Wir haben sehr leistungsfähige Firmen“, sagte er mit Blick auf die Arbeitsgemeinschaft der Unternehmen Tesch, Papenburg und Bauer, die derzeit die Trasse baut.

Unabhängig von der Fertigstellung des gesamten Abschnitts würden einzelne Teile aber schon früher für den Verkehr freigegeben, sagte Batzke, wenn das für den Baufortschritt nötig ist. Beispielsweise werde das im Bereich der Anschlussstelle Borna-Nord der Fall sein.

Der Rückbau der jetzigen Bundesstraße 95 auf eine zweispurige Straße erfolge erst, nachdem der Autobahnabschnitt fertig ist und werde dann weitere rund zwei Jahre dauern. Ein Teil der dann überflüssigen zwei Fahrpuren soll als Rad- und Wirtschaftsweg genutzt werden.

Werden schon im jetzigen Abschnitt mit großen Aufwand Baugründe verbessert und unterirdische Hohlräume verdichtet, so kommt es auf den verbleibenden 7,2 Kilometern bis zur A 38 noch dicker. Nicht, weil die Trasse hier von vier auf sechs Streifen erweitert wird. Auch nicht, weil die einzige Anschlussstelle bei Böhlen/Zwenkau ein vielfach verzweigtes Geflecht von Fahrbahnen wird.

Kompliziert und vermutlich sehr teuer machen den Bau zwei andere Probleme, die Klaus-Peter Lechler, Abteilungsleiter für konstruktiven Ingenieurbau, in Rötha schilderte. 80 Prozent der Strecke verlaufen über eine 60 bis 80 Meter dicke Kippenschicht des ehemaligen Tagebaus Espenhain. Die Bodenverhältnisse seien so schlecht, dass die Maßnahmen zur Stabilisierung vor der endgültigen Ausschreibung erst auf ausgewählten Probefeldern getestet werden.

Angewendet werden soll erneut die Rüttel-Stopf-Technologie. Dabei werden mittels spezieller Technik Säulen aus Kies in 10 bis 15 Meter tiefe Bohrungen gefüllt und verdichtet. Lechler sprach von voraussichtlich insgesamt 550 Kilometern Rüttelstopfsäulen, was zwischen 40 000 und 50 000 Stück bedeuten würde.

Erschwerend hinzu kommt, dass der letzte A 72-Abschnitt zu großen Teilen auf der Trasse der jetzigen B 95 verlaufen wird. Die Verkehrsbelastung, insbesondere der Schwerlastverkehr lassen eine Umleitung über die umliegenden Orte unmöglich erscheinen. Deshalb soll die Autobahn halbseitig gebaut werden. Das bedeutet, dass zwischen den Richtungsfahrbahnen auch noch eine tief in den Boden getriebene Spundwand das seitliche Abrutschen des Baukörpers verhindern muss. Die muss im Kippenboden verankert werden. Auch das wird auf einem Probeabschnitt erst getestet.

Für den Verkehrsfluss zwischen Rötha und der A 38 dürfte das über mehrere Jahre erhebliche Belastungen mit sich bringen. Auch wenn Lechler in Rötha versicherte, das trotz Baustelle immer vier Fahrstreifen zur Verfügung stehen und alle Richtungsbeziehungen gewährleistet werden sollen. Die Einschränkung liegt in der Formulierung: grundsätzlich. Das heiße, es wird baubedingt Einschränkungen geben. Wann das Ganze geschieht und wann dieser letzte Abschnitt fertig wird, ließ Lechler offen.

Ab Montag müssen Autofahrer im Norden Bornas mit Behinderungen rechnen. Am Donnerstag will das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) am derzeit nördlichen Ende der A 72 eine provisorische Verkehrsführung in Betrieb nehmen, um die Trasse an den nächsten Bauabschnitt anschließen zu können. Der Verkehr von der und zur Autobahn wird dann über die Ampelkreuzung nahe des Krankenhauses geleitet. Diese Ampelkreuzung werde laut Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert „spätestens bis zur Gesamtfertigstellung des Abschnitts bis Rötha bestehen bleiben“. Am Montag wird begonnen, die umfangreichen Verkehrseinrichtungen für die Überleitung vorzubereiten. Das werde schon bis Donnerstag zu vorübergehenden Verkehrseinschränkungen auf der A 72 führen: Der Verkehr von Chemnitz nach Leipzig wird einstreifig bis zum beginnenden Provisorium geführt.

Von André Neumann

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