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Borna A 72 kommt: Fernwasserleitung muss bei Borna unter die Erde
Region Borna A 72 kommt: Fernwasserleitung muss bei Borna unter die Erde
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22:00 27.10.2017
In rund 14 Meter Tiefe wird bei Großdeuben das nächste Segment für die Tunnelröhre angefügt, durch die später eine Wasserleitung führen wird. Quelle: André Neumann
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Böhlen/Großdeuben

Es wird zwar bei weitem nicht der Leipziger Citytunnel, doch bei Großdeuben frisst sich zurzeit ebenfalls ein imposanter Bohrkopf durch den Erdboden. Mit großem Aufwand lässt die Fernwasserversorgung (FWV) Elbaue-Ostharz derzeit ein knapp 800 Meter langes Stück Wasserleitung umverlegen.

Bei Großdeuben muss eine Fernwasserleitung umverlegt werden, weil die jetzige unter einem Brückenpfeiler der neuen Autobahn 72 liegen würde. Deswegen wird in bis zu 14 Meter Tiefe eine Tunnelröhre gebaut.

Grund ist der Bau der Autobahn 72. Denn die jetzige Leitung, durch die täglich rund 20 000 Kubikmeter Wasser zu geschätzt 200 000 Menschen zwischen Rötha, Zeitz und Altenburg fließen, würde sich direkt unter einem Brückenpfeiler der künftigen Anschlussstelle Böhlen der A 72 befinden. Und das, sagt FWV-Sprecherin Jana Arnold, dürfe nicht sein, allein schon wegen der Schwierigkeiten, die im Falle einer Havarie entstünden.

Am Bildschirm steuert Torsten Kühnreich den Bohrkopf. Quelle: André Neumann

Torsten Kühnreich blickt in einem Baucontainer nahe des südlichen Ortseinganges von Großdeuben stundenlang auf mehrere Displays mit Zahlen und bedient Knöpfe und Schalter. Er ist sozusagen der Steuermann, er führt den Bohrer durch das Erdreich. Die erste der beiden Tunnelröhren führt in bis zu 14 Meter Tiefe genau unter ihm hindurch nach Westen. Er kann den unbemannten, ferngesteuerten Bohrkopf, der schon rund 130 Meter zurückgelegt hat, nicht sehen. Aber die Zahlen verraten ihm unter anderem, wie schnell die Scheibe mit den Meißeln sich dreht, wie viel Zentimeter es in der Minute vorwärts geht und wie viele Millimeter die Richtung abweicht. Die Daten liefert ein Laser, der die Maschine mit seinem Strahl durch die Röhre verfolgt.

Direkt neben dem Container des Steuermanns befindet sich die mehrere Meter breite Baugrube, ein massives Bauwerk aus in den Boden gegossenen Betonsäulen. Von da unten aus, in rund 14 Metern Tiefe, werden zwei Röhren jeweils leicht schräg nach oben gebohrt. Die erste in Richtung Westen hat bereits die Pleiße und drei Bahngleise unterquert. Hinter dem Bohrkopf mit 1,70 Meter Durchmesser wird ein Schutzrohr aus Stahlbeton in die Erde geschoben. Jeweils drei Meter lange Segmente werden einzeln am Kranhaken nach unten gelassen und von einer Presse in die Röhre geschoben.

Blick in die Tunnelröhre unter der Pleiße und drei Bahngleisen. Quelle: André Neumann

Vier, höchstens fünf am Tag werden verbaut, denn es geht nur zehn bis 15 Meter vorwärts in einer Zehn-Stunden-Schicht. Ein Arbeiter passt auf, dass die vielen Kabel sich nicht in der Presse verheddern, ab und zu muss einer in das Rohr kriechen und es innen reinigen. Nach rund 250 Metern wird die Röhre in einer kleineren Baugrube neben der B 2 in Richtung Zwenkau ans Licht kommen. Von hier aus werden dann die eigentliche Wasserleitung und Steuerkabel in das Betonrohr gefädelt.

Der Bohrkopf wird zur Wartung zurück zum Hersteller geschickt, ehe er später erneut in die Grube am Ortseingang von Großdeuben hinabgelassen wird, um die Röhre in die andere Richtung zu bohren. Die dann die S 72, die jetzige B 2/B 95 und das Baufeld der künftigen Autobahn unterquert. Die beiden Wasserleitungsstränge werden dann unten in der Baugrube verschweißt und bilden zusammen die neue Leitung. An den äußeren Enden werden dann noch die Verbindungen zur jetzigen Leitung gebaut.

Das ganze Unternehmen, welches mit der Einrichtung der Baustelle im Januar begann und mit allen Anschlüssen und Rückbauten bis September nächsten Jahres dauern wird, kostet rund acht Millionen Euro. Für die Wasserkunden, versichert Jana Arnold, wird sich das nicht auswirken, denn bezahlt wird die Umverlegung von Freistaat Sachsen, der die Autobahn baut.

Von André Neumann

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