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Abraumförderbrücke entstand mitten im Weltkrieg

Abraumförderbrücke entstand mitten im Weltkrieg

27 Jahre war sie die größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt. Die Rede ist von der knapp 500 Meter langen Abraumförderbrücke (AFB) im einstigen Tagebau Espenhain.

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Thomas Schmidt (r.) findet 70 interessierte Zuhörer.

Quelle: Benjamin Berger

Espenhain. Fast genau auf den Tag 70 Jahre nach ihrer Inbetriebnahme trafen sich am Sonnabend in Espenhain ehemalige Bergmänner, um dem Vortrag ihres früheren Kollegen Thomas Schmidt zu lauschen. Vor knapp 70 Anwesenden erzählte Schmidt über die Geschichte der im Zweiten Weltkrieg entstandenen Brücke.

Peter Krümmel, Geschäftsführer des Großpösnaer Kuhstall-Vereins, lobte Schmidt für die langjährige ehrenamtliche Forschung. "Er ist der wohl beste Kenner der früheren Brückengeschichte." Kümmel freute sich auch, dass junge Mibrag-Mitarbeiter gekommen waren. "Es ist sehr schön, dass die nächste Bergmann-Generation etwas über die damaligen Bedingungen erfahren will."

"Ich habe mir für meine Recherchen drei Jahre Zeit genommen, um über jedes Detail berichten zu können", erklärte Schmidt, der von 1972 bis 1991 im Bergbau beschäftigt war. So zitierte er aus einem originalen Dokument, das den Baubeginn der AFB Espenhain auf den 1. November 1942 datiert. Das damalige Bauamt mit Sitz in Leipzig erteilte die Baugenehmigung aber erst am 8. März 1943. Zu diesem Zeitpunkt wurde schon seit mehr als vier Monate gebaut. Lange Zeit wusste man nicht, ob die Brücke überhaupt fertig würde. Gegen Mitte des Zweiten Weltkrieges wurde der Stahl für Panzer und andere Kriegsgeräte benötigt. Um den Bau der Förderbrücke aber voranzutreiben, benötigte man Tausende Tonnen Stahl. Dem Bauunternehmen Mittelstahl gelang es, dem damaligen Reichswirtschaftsministerium gute Gründe für den Bau der AFB vorzulegen. So wurde sie schließlich fertiggestellt und gegen Ende 1944 in Betrieb genommen, um den Abraum von der einen Seite des Tagebaus auf die bereits ausgekohlte Seite zu schaffen.

Schmidt berichtete auch über einen Sabotageakt am 7. April 1945. Russische und französische Kriegsgefangene hatten damals die Anlage stilllegen können. Als Schmidt über eine Havarie an der Haltestütze im Jahre 1954 berichtete, stieg Eberhard Hoppe in die Diskussion ein. "Nur durch eine elektrische Lahmlegung der Brücke hat man eine Verformung an der Haltestütze feststellen können. Hätte man das nicht erkannt, wäre die Brücke umgekippt", sagte Hoppe, einst elektrischer Leiter im Tagebau Espenhain.

Nach der Wende gab es für den Tagebau Espenhain keine Perspektive mehr. Am 30. April 1994 wurde auch das Schicksal der AFB besiegelt. Sie wurde außer Betrieb genommen und im Mai 1997 gesprengt. "Es macht mich traurig, dass die Abraumförderbrücke so ein würdeloses Ende fand", sagte Schmidt bekümmert. Alle Bergmänner, die in Espenhain arbeiteten, hatten am vorgestrigen Abend das gleiche Gefühl.

Fürs nächste Jahr plant Schmidt übrigens eine kleine Fotoausstellung über den Bergbau.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.11.2014
Benjamin Berger

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