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Abrissantrag für Wasserkugel

Abrissantrag für Wasserkugel


Deutzen. Es ranken sich viele Anekdoten und Gerüchte um die Wasserkugel Deutzen. Als einstiges Industriebauwerk zum Wahrzeichen gereift, wurde das Denkmal zum Objekt der Begierde.

. Um den Erhalt des Zeitzeugen aus Braunkohlezeiten wurde gekämpft und gestritten. Geld hatte der gebeutelte Ort dafür nie übrig. Und das führt letztlich jetzt auch dazu, dass abermals ein neues Kapitel der unendlichen Geschichte aufgeschlagen wird. Vielleicht ist es das letzte: Die Eigentümerin hat einen Abrissantrag für die Wasserkugel eingereicht.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) hat genug gesehen und gehört von unermüdlichem Einsatz Deutzener Akteure. Der Antrag zum Abriss des 1938 in Deutzen errichteten Bauwerkes ans Landratsamt Leipzig ist ergangen. Der wurde unter Verweis auf den bestehenden Denkmalstatus zwar abgelehnt und auch der Widerspruch der LMBV durch die Landesdirektion Leipzig wurde zurückgewiesen. Jetzt klagt die Verwaltungsgesellschaft aber dagegen. Juristischer Ausgang unklar. Wie LMBV-Sprecherin Claudia Gründig erklärte, „ist die Deutzener Wasserkugel nicht mehr haltbar. Da sich immer neue Nutzungspläne wegen unrealisierbarer Finanzierung zerschlugen und die Sinnhaftigkeit der Unterhaltungskosten durch die LMBV für das Bauwerk in Frage gestellt wurden, ist der Beschluss ergangen, das gute Stück abzureißen", so Gründig. Das Verfahren laufe, allerdings ist seit Ende Mai nichts passiert.

Der Bergbausanierer selbst war immer davon angetan, das Industriedenkmal einer neuen Nutzung und einem neuen Eigentümer zu übertragen. Der Heimatverein Regis-Breitingen und Umgebung mit seiner Deutzener Ortsgruppe war Initiator der Kugel-Rettung. Die Kommune blies ins gleiche Horn, kehrte aber gleichzeitig die leeren Hosentaschen nach außen. Kein Geld – keine Kugel. Als sich schließlich auch noch die Sparkassen-Stiftung Leipzig davon distanzierte, das Vorhaben mit 10 000 Euro zu fördern, weil die Bemühungen ins Leere liefen, war es schon fast aussichtslos. Spätestens seit die Verbandsräte des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Bornaer Land (ZBL) dem Vorhaben den Riegel vorschoben, die Kugel zur Wasserversorgung zu reaktivieren, ist es endgültig still geworden.

Wie das Klageverfahren um den Abriss ausgeht, ist nicht absehbar. Das Landratsamt hat den Abbruch nicht genehmigt, weil „eine Aberkennung der Denkmalseigenschaft durch das Landesamt für Denkmalspflege Sachsen für die Wasserkugel in Deutzen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zur Disposition steht. Dem Abbruchbegehren kann auf Grund der Bedeutung des Objektes nicht zugestimmt werden", teilte Behörden-Sprecherin Saskia Bille mit. Jana Klein von der Landesdirektion Leipzig bestätigt die Faktenlage: „Dem Widerspruch hätte nur entsprochen werden können, wenn die Erhaltungspflicht für die LMBV einen zumutbaren Rahmen sprengen würde. Das ist aber im Fall der Wasserkugel nicht so."

Die Deutzener Wasserkugel wurde 1925 als eine der letzten Wasserbehälter in Stahlskelettbauweise von der Dortmunder Firma August Klönne gefertigt, die dieser Konstruktion auch den Beinamen „Klönne-Behälter" gab. Klönne errichtete auch den Groitzscher Wasserturm, der heute saniertes Wahrzeichen der Stadt ist. 1925 wurde die Wasserkugel zunächst in Gräfenhainichen aufgestellt und erst 1938 nach Deutzen umgesetzt, wo sie in den Betrieb des Deutzener Braunkohlewerkes integriert wurde. Das Fassungsvermögen der Kugel beträgt 200 Kubikmeter, der Turm ist 58,5 Meter hoch und hat eine Standfläche von gut 47 Quadratmetern.

Thomas Lieb

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