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Abtauchen in die Frühgeschichte in der Kirche Ossa

Abtauchen in die Frühgeschichte in der Kirche Ossa

Tief in die Vergangenheit eintauchen wollten vorgestern die Mitglieder und Freunde des Geithainer Heimatvereins - und mussten dafür erst allerhand Stufen in der Ossaer Kirche erklimmen.

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Rainer Ledig (rechts) führt die Besucher gern durch die kleine Schau in der Ossaer Kirche.

Quelle: Jens Paul Taubert

Ossa. Der Archäologe Rainer Ledig hatte sie zu einer Führung durch jene kleine, aber feine Sonderschau eingeladen, die er gemeinsam mit dem Orts- und Museumskreis gestaltete. Noch zweimal, am 22. und am 29. März erlaubt sie Einblicke in die Ur- und Frühgeschichte der Region. Den Sonnabend Vormittag nutzten vorgestern auch zahlreiche andere Interessenten.

"Bemerkenswert für so einen kleinen Ort" nannte Christa Friedrich aus Leipzig die Schau in der Ritterguts-Loge. "Uns interessiert, wo wir herkommen. Deshalb sind wir häufig in Museen unterwegs. Und wenn man das sieht, kriegt man so viele Anregungen", sagt die Leipzigerin, die mit ihrem Mann Dieter gekommen war. Der hatte in der Nachkriegszeit einige Jahre in Ossa gelebt; der Kontakt hier ist über all die Jahre nicht abgerissen.

Mindestens 100, vielleicht 150 Besucher führte Rainer Ledig seit Eröffnung der Sonderschau im Dezember durch die Exposition. In Vitrinen sind Scherben von Linienbandkeramik, 6000 bis 7000 Jahre vor der Zeitrechnung gebrannt, zu sehen - Funde, die aus der unmittelbaren Umgebung des Dorfes stammen. Mitte der neunziger Jahre war hier beim Bau der Mitteldeutschen Produktenleitung der Teil einer frühzeitlichen Siedlung ausgegraben worden. Im vergangenen Jahr wurde zwischen Ossa und Bruchheim eine Stromtrasse in der Erde verlegt, was die Aufmerksamkeit des in Sachsen-Anhalt tätigen, aber in Niederpickenhain wohnenden Archäologen weckte. Er schaute genauer hin, konnte im Grabenprofil Feuerstellen, Gruben und Pfostenreste lokalisieren.

"Wir haben ihm vorgeschlagen, doch bei uns eine kleine Ausstellung dazu zu machen", erzählt Rolf Stiller, einer der acht Enthusiasten des Museumskreises, die sich mit der Geschichte ihres Dorfes Ossa befassen. Überzeugungsarbeit war nicht nötig; Ledig brachte nicht nur einige Exponate, die in der unmittelbaren Umgebung im Erdreich ruhten. Er besorgte als Leihgaben zahlreiche Artefakte, die das Leben zwischen Eisenzeit und der der Linienbandkeramiker anschaulich machen: Gefäße, Waffen, Werkzeuge, Mahlsteine. Ein besonderer Blickfang: ein Hockergrab, auf das die Frühgeschichtler beim Bau einer Windkraftanlage stießen. Ledig komplettierte die Ausstellungsstücke durch Erläuterungstafeln, doch vor allem macht es ihm Spaß, Besucher wie vorgestern selbst zu führen und ihnen die Archäologie nahezubringen.

"Großartig", meinte Bernd Richter, der Vorsitzende des Geithainer Heimatvereins. Ledig habe im Verein schon mehrfach aufschlussreiche Vorträge gehalten: "Vielleicht können wir Sie auch bald als Mitglied unseres Vereins begrüßen!"

"Das Spannende ist doch, dass es unsere unmittelbare Umgebung betrifft", sagte Marita Steinbach. Die Ossaerin fand erst vorgestern Gelegenheit, sich in der Ausstellung umzuschauen - und war begeistert. Dem konnte Martin Voigt nur zustimmen. Der Ossaer engagiert sich selbst für das kleine Museum in jenem Raum, in dem einst die adligen Rittergutsbesitzer derer von Bastineller den Gottesdienst in der Kirche verfolgten. Die temporäre kleine Schau ergänze hervorragend all das, was die Heimatgeschichtler zur Historie des kleinen Dorfes - Ossa feiert vor zwei Jahren sein 775-jähriges Bestehen - zusammentrugen.

Wer noch einen Blick in die Frühgeschichte werfen möchte: Letzte Gelegenheiten bestehen am 22. und 29. März von 10 bis 12 Uhr.

Ekkehard Schulreich

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.03.2014
Ekkehard Schulreich

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