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Borna Acht Quadratmeter fürs Tierwohl
Region Borna Acht Quadratmeter fürs Tierwohl
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00:31 19.03.2018
Der Geschäftsführer der Agrar AG Auligk, Bernd Barfuß, im Rinderstall. Quelle: Nikos Natsidis
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Auf acht Quadratmetern fühlt sich die Kuh wohl. So viel Platz muss sein. Und in den modernen Ställen der Agrar GmbH Auligk im Groitzscher Ortsteil haben die vierbeinigen Milchproduzenten auch so viel Platz. „Dann fühlen sie sich wohl“, sagt Geschäftsführer Bernd Barfuß. Darauf kommt es für den Chef eines Milchbetriebes mit 2000 Tieren an.

Dafür gibt es handfeste Gründe, auch jenseits von Bestrebungen, durch die am Ende vielleicht Spielzeug in einem Schweinestall installiert wird, damit die Tiere etwas zu tun haben. Barfuß, erfahrener Landwirt schon seit Jahrzehnten: „Die Tiere bringen nur gute Leistungen, wenn sie sich auch wohl fühlen.“ Womit weit mehr gemeint ist als ausreichend Essen – pro Kuh 50 Kilo eines Gemischs aus Mais- und Grassilage sowie Kraftfutter – und genügend Platz, damit sich die Tiere auf dem Boden niederlassen können.

Kühe fühlen sich bei Minusgraden am wohlsten

Wobei sich die Raumfrage durchaus erweitern lässt. Deshalb wurden vor Jahren schon die Wände aus den Ställen herausgenommen, die in den 60er- und 70er-Jahren gebaut wurden, zu Zeiten der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Pflanzenproduktion Auligk, einem der Vorläuferbetriebe der heutigen Agrar GmbH. „Dadurch haben die Tiere mehr Luft“ sagt Barfuß. Wenn es warm ist, haben die Tiere – und damit am Ende die Landwirte – ein Problem. Weil Rinder einen sehr intensiven Stoffwechsel haben, leiden sie unter höheren Temperaturen. Luftzug von mehreren Seiten in den Ställen ist deshalb ein wesentlicher Aspekt, wenn es darum geht, dass es die Kühe behaglich finden. Und, für Menschen kaum vorstellbar: „Wenn wir minus fünf oder minus zehn Grad haben, dann ist es für die Tiere angenehm“, sagt Geschäftsführer Barfuß.

Agrar AG Auligk liefert an Sachsenmilch

Manche der Tiere haben Namen, vielleicht 150, 200. Im Schnitt geben die Tiere, die bis zu 750 Kilo schwer sind, 32 Liter Milch am Tag, allerdings nicht gleichmäßig übers Jahr verteilt. Unterm Strich gibt ein Tier etwa 10 000 Liter Milch, die das Auligker Unternehmen zur Verarbeitung an die Firma Sachsenmilch liefert.

Es ist das Hauptgeschäft des Unternehmens, das auf 900 Hektar auch Weizen, Raps, Mais und Zuckerrüben anbaut und aus Gülle Biogas produziert. Speziell das Milchgeschäft allerdings hat etwas von einer Achterbahnfahrt. Vor zwei Jahren waren die Preise derart im Keller, „dass wir 700 000 Euro zuschießen mussten“, erklärt Bernd Barfuß. Mittlerweile sieht es besser aus.

Milchautomat fürs Firmenimage

Der Milchautomat, der unmittelbar an den Ställen steht, ist mit Blick auf das Betriebsergebnis eher etwa fürs Firmenimage. Weil er zwischen Groitzsch und Zeitz steht, wird er ohnehin nicht so stark frequentiert wie ein Automat in der Großstadt Leipzig. Einen Euro kostet der Liter Frischmilch, die sich, weil nun tatsächlich frisch vom – tierischen – Erzeuger, auch wirklich so nennen kann. Und sie schmeckt auch anders als das, was üblicherweise in den Regalen der Supermärkte steht – bei einem Fettanteil von vier Prozent. Barfuß: „Sie erscheint einem aber trotzdem nicht so fett.“ Die Mindestverkaufsmenge von 60 Litern pro Tag, ab der sich der Automat rechne, kommt aber keineswegs immer zusammen.

Auch deshalb bleibt die klassische Milchproduktion das wesentliche Standbein des Unternehmens. Und die Voraussetzungen dafür sind – glückliche Kühe. Die werden im Schnitt sechs Jahre alt, und die es auch mal juckt und krabbelt, weshalb in den Ställen große Bürsten angebracht sind, an den es ich die Tiere ordentlich kratzen können, um in der Folge gemolken werden zu können.

Von Nikos Natsidis

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